Die Frau hinter Arcotel: Renate Wimmer
Die gebürtige Linzerin Dr. Renate Wimmer führt heute 13 Hotels in Österreich und Deutschland.
© ARCOTEL Hotels
Mit dem ARCOTEL Tabakfabrik und dem spektakulären Restaurant Q27 im 27. Stock des QUADRILL Towers hat sie ihrer Heimatstadt einen neuen Hotspot beschert.
Als Dr. Renate Wimmer (68) vor 20 Jahren nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes die Führung der ARCOTEL-Unternehmensgruppe übernahm, stand sie vor einer großen Herausforderung: zwei Kinder, eine Anwaltskanzlei und drei Hotels, die sich gerade im Bau befanden. Heute führt die gebürtige Linzerin eine der größten privaten Hotelgruppen Österreichs. Im Interview spricht sie über ihre Erinnerungen an die ehemalige Tabakfabrik, ihre Liebe zum Design und warum Bienen seit Langem Teil der ARCOTEL-DNA sind.
Renate Wimmer im Interview
Frau Dr. Wimmer, mit dem ARCOTEL Tabakfabrik haben Sie neben dem ARCOTEL Nike bereits Ihr zweites Hotel in Ihrer Heimatstadt eröffnet. Was bedeutet das für Sie persönlich?
Ich bin nach meinem Studium nach Wien gegangen und lebe mittlerweile seit vielen Jahren dort. Dennoch bleibt die Heimatstadt immer etwas Besonderes. Umso mehr freut es mich, dass wir die Ausschreibung gewonnen haben und nun Teil dieses außergewöhnlichen Stadtentwicklungsprojekts in der Tabakfabrik sein dürfen. Erst kürzlich war ich bei meinem Maturatreffen in Linz. Als wir anschließend auf der Dachterrasse des 109 Meter hohen QUADRILL standen und über die Stadt blickten, wurde mir bewusst, wie schön es ist, in der eigenen Heimat solche Projekte verwirklichen zu können. Das macht mich schon ein wenig stolz.
Das ARCOTEL Tabakfabrik wurde am 1. April eröffnet. Wie fällt Ihre erste Bilanz aus?
Sehr positiv. Die ersten Monate haben unsere Erwartungen übertroffen. Besonders beeindruckt hat mich die große Neugier der Linzerinnen und Linzer. Schon während der Bauphase wollten viele Menschen das Projekt kennenlernen. Auch das Hotel selbst und unser Seminarzentrum werden sehr gut angenommen. Der große Veranstaltungssaal mit Zugang zum „Behrens-Band“ hat sich dabei rasch zu einem gefragten Ort für Tagungen und Events entwickelt.

Sie sind in Linz aufgewachsen. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit der Tabakfabrik?
Zu meiner Schulzeit war die Tabakfabrik vor allem eine klassische Produktionsstätte. Viele Menschen aus der Region arbeiteten dort in der Tabak- und Zigarettenproduktion. Umso beeindruckender finde ich die Entwicklung zum heutigen Innovationszentrum. Dieser Wandel ist sehr gut gelungen. Besonders fasziniert hat mich, wie sorgfältig dort die Unternehmen ausgewählt werden. Es wird darauf geachtet, dass sich die Mieter möglichst gut ergänzen und voneinander profitieren können. Dazu kommen die Coworking-Spaces, die den Austausch zusätzlich fördern.
War das für Sie mit ein Grund, diesen Standort für Ihr Hotel zu wählen?
Ja, absolut. Die Art und Weise, wie dort Innovation, Unternehmertum und Vernetzung gelebt werden, hat mich von Anfang an beeindruckt. Sehr schön war für uns auch, dass mit der Bodner Gruppe und ARCOTEL Hotels zwei österreichische Unternehmen dieses Projekt gemeinsam umsetzen konnten.
Inwieweit ist die ARCOTEL-Gruppe in die Entwicklung der Häuser eingebunden?
Wir entwickeln unsere Hotels von Tag eins an selbst. Das beginnt bei den Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärsystemen bis hin zur Funktionalität des Hauses und reicht bis zum Design. Wichtig ist mir, dass jedes Hotel einen starken Bezug zu seinem Standort hat. Das Design soll die Geschichte und den Charakter des Ortes widerspiegeln.
Wie haben Sie das beim Hotel in der Tabakfabrik umgesetzt?
Die Tabakfabrik steht für Innovation, Kreativität und ihren industriellen Charakter. Deshalb haben wir uns auch gestalterisch einiges getraut. Erstmals gibt es in einem unserer Hotels keinen Teppichboden in den Zimmern, sondern Fliesen. Die Badezimmer werden durch einen Kettenvorhang getrennt und die Rohbetondecken bleiben sichtbar. Was an einem anderen Standort vielleicht ungewöhnlich wirken würde, passt hier perfekt. Genau das macht für mich gutes Design aus. Und ehrlich gesagt macht mir dieser Prozess auch unglaublich viel Freude.
Nach dem Tod Ihres Mannes, ARCOTEL-Gründer Raimund Wimmer, haben Sie 2006 die Führung des Unternehmens übernommen. War Ihnen damals sofort klar, dass Sie diesen Weg gehen würden?
Im Prinzip hatte ich keine andere Wahl. Als selbstständige Rechtsanwältin habe ich die ARCOTEL-Gruppe von Beginn an juristisch begleitet. Mein Mann ist 2006 völlig unerwartet innerhalb von drei Tagen verstorben. Wir hatten keine Möglichkeit mehr, offene Fragen zu klären oder eine Übergabe vorzubereiten. Gleichzeitig befanden sich drei Hotels im Bau. Ich hatte zwei Kinder, führte eine Anwaltskanzlei und trug plötzlich die Verantwortung für eine Hotelgruppe mit mehreren Großprojekten. Gemeinsam mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist es uns jedoch gelungen, diese Herausforderung zu meistern und das Unternehmen erfolgreich weiterzuentwickeln.
Ich hatte zwei Kinder, eine Anwaltskanzlei und trug plötzlich die Verantwortung für eine Hotelgruppe!
Dr. Renate Wimmer
Haben Sie danach noch als Rechtsanwältin gearbeitet?
Ja, 15 Jahre lang war ich vormittags in meiner Anwaltskanzlei, danach im ARCOTEL-Büro. Diese Doppelbelastung war enorm. Erst mit Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020 habe ich meine Tätigkeit als Rechtsanwältin beendet und konzentriere mich voll und ganz auf die Hotelgruppe.
Nachhaltigkeit ist seit vielen Jahren Teil der ARCOTEL-DNA. Besonders am Herzen liegen Ihnen die Bienen. Wie kam es dazu?
Nach der Übernahme des Unternehmens habe ich alle unsere Hotels gebeten, Ideen einzubringen. Aus vielen kreativen Vorschlägen habe ich mich für die Bienen entschieden, weil ich damit Natur, Fleiß, Gemeinschaft und wertvolle Produkte verbinde. Daraus entstand unsere Initiative ‚Give Bees a Chance‘. Heute arbeiten wir mit Imkern, Schulen, Kindergärten, Forschungseinrichtungen und Naturschutzprojekten zusammen. Wir unterstützen Bildungsangebote für Kinder und verschiedene Forschungsprojekte zur Artenvielfalt. Für mich gehört es zur Verantwortung eines Unternehmens, etwas zurückzugeben.
Gibt es unter den 13 Hotels der ARCOTEL-Gruppe ein Lieblingshotel?
Jedes Haus erzählt seine eigene Geschichte. Emotional verbunden bin ich bin ich mit dem ARCOTEL Camino in Stuttgart. Mein Mann hatte in seinem letzten Lebensjahr den großen Wunsch, den Jakobsweg – den Camino de Santiago – zu gehen. Daraus entstand die Idee für den Namen des Hotels. Bis heute verabschieden sich die Mitarbeiter dort mit „Bon Camino“.
Kommen Sie noch regelmäßig nach Linz und wie sehen Sie die Stadt heute?
Ich komme sehr gerne nach Linz. Man kann wunderbar shoppen und ist gleichzeitig in kürzester Zeit im Grünen. Manchmal wirkt das Stadtmarketing auf mich etwas zu provokant. Da wird vermittelt, man müsse besonders mutig sein, um nach Linz zu fahren. Das entspricht nicht meinem Bild von der Stadt. Linz hat so viele Stärken, viel schöner wäre es, den Wow-Effekt in den Mittelpunkt zu stellen.
Wo finden Sie Kraft und Ausgleich?
Vor allem in meiner Familie. Ich habe zwei großartige Söhne, die in meiner Nähe wohnen und wir sind täglich in Kontakt. Das gibt mir sehr viel Kraft und Halt. Die Familie ist für mich der wichtigste Ausgleich zum Berufsalltag und der Ort, an dem ich neue Energie tanke.
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