Antonia Riederer

Antonia Riederer: “Kunst rundet unser Leben ab.”

Die Prambachkirchener Künstlerin Antonia Riederer komponiert Kunstwerke, in denen Farbe, Form und Stimmung zu einer ausgewogenen Bildsprache verschmelzen, die unmittelbar zugänglich ist. Ein Porträt.

4 Min.

Antonia Riederer, Künstlerin und Gründerin von KUNSTSALON © Azam Shadpour

Die Prambachkirchener Künstlerin Antonia Riederer komponiert Kunstwerke, in denen Farbe, Form und Stimmung zu einer ausgewogenen Bildsprache verschmelzen, die unmittelbar zugänglich ist. Ein Porträt.

Als wir Antonia Riederer treffen, sind ihre Eindrücke aus einer Japanreise noch lebendig. Besonders beeindruckend war für die Künstlerin neben den Holzschnitten und den feinen Tuschezeichnungen, die in Japans Museen präsentiert werden, auch die Schlichtheit vieler Gebäude, die bewusste Reduktion auf das Wesentliche. „Solche Erfahrungen wirken oft erst später nach, finden aber ihren Weg in die eigene Arbeit.“ Diese Eindrücke in Japan erklären auch, warum der Begriff des Raumes ein Thema ist, mit dem sich Riederer derzeit künstlerisch auseinandersetzt. „In Japan wird Raum ganz anders wahrgenommen als bei uns. In einer dicht besiedelten Gesellschaft muss Raum anders genutzt und organisiert werden. Bei uns scheint es oft, als könne man nie genug Raum haben. Diese Beobachtung beschäftigt mich. Raum ist nicht nur eine physische Größe, sondern auch eine gesellschaftliche und persönliche Frage. Ich möchte diese unterschiedlichen Ebenen in meiner Arbeit weiter untersuchen.“
 
Die Beschäftigung mit einem Thema kann für Antonia Riederer ein langer Prozess sein. Sie arbeitet meistens über Monate oder sogar Jahre hinweg an einem Thema: „Ein Thema ist für mich nicht nach zwei oder drei Bildern abgeschlossen. Dazu entstehen Skizzen, Zeichnungen, Aquarelle und Gemälde. Diese Langsamkeit ist für mich auch eine bewusste Haltung. In einer Zeit, in der vieles immer schneller werden muss, möchte ich mir erlauben, länger bei einer Sache zu bleiben und mich intensiv damit auseinanderzusetzen.“ Die Oberösterreicherin hat das Privileg, diese Langsamkeit in ihrem Alltag als freischaffende Künstlerin tatsächlich leben zu können. Ihren Beruf übt sie mit derselben Disziplin aus wie andere ihren Bürojob. „Ich arbeite sehr regelmäßig und habe im Grunde ganz normale Arbeitszeiten“, erzählt sie. Meistens steht Riederer zwischen halb acht und acht Uhr morgens im Atelier und arbeitet konzentriert: „Die Vormittagsstunden sind meine produktivste Zeit.“

Zwischen Figuration und Abstraktion.

Antonia Riederers Arbeiten bewegen sich zwischen Figuration und Abstraktion. Wie sie selbst ihren Stil beschreiben würde, sei gar nicht so leicht zu beantworten: „Viele meiner Arbeiten haben gegenständliche Ausgangspunkte, sind aber sehr frei und locker umgesetzt. Mich interessiert weniger die exakte Darstellung als die malerische Übersetzung eines Motivs. Vielleicht könnte man sagen: gegenständlich, aber mit einer großen Freiheit im Umgang mit Form und Farbe.“ Ob sie nachvollziehen könne, dass wir in ihren Arbeiten Anklänge an die klassische Moderne erkennen? „Ja, durchaus.“ Während ihres Studiums der Malerei und Grafik an der Kunstuniversität Linz habe sie sich intensiv mit der klassischen Moderne und dem Expressionismus beschäftigt. Besonders die kraftvolle Farbigkeit dieser Künstler habe sie geprägt. „Mich interessiert die Frage, wie man mit vergleichsweise einfachen Formen und klaren Farben einen starken Ausdruck erzeugen kann. Das ist wesentlich schwieriger, als es auf den ersten Blick erscheint.“
Doch nicht nur die Entstehung eines Kunstwerks birgt Herausforderungen. Auch aufseiten der Betrachter bestehen oft Berührungsängste. Viele Menschen behaupten, moderne Kunst nicht zu verstehen. Was würde Antonia Riederer ihnen entgegenhalten? „Ich würde empfehlen, sich ein Werk zunächst einfach anzusehen – ohne Vorwissen und ohne den Anspruch, sofort alles verstehen zu müssen. Kunst wirkt, man muss nicht jede kunsthistorische Referenz kennen. Wichtig ist die Bereitschaft, genau hinzusehen und sich auf das Gesehene einzulassen. Oft entsteht daraus ein sehr persönlicher Zugang.“

Antonia Riederer Bilder
@ Azam Shadpour

Intensive Farbigkeit.

Was an Antonia Riederers Bildern sofort ins Auge fällt, ist die intensive Farbigkeit. „Farbe ist eines der zentralen Elemente meiner Arbeit. Gleichzeitig ist sie eine große Herausforderung.“ Kräftige Farben wirken dann überzeugend, wenn sie bewusst eingesetzt werden, so die Künstlerin weiter. Deshalb arbeite sie zwischendurch immer wieder reduziert, oft auch in Schwarz-Weiß. Diese Reduktion helfe ihr, sich neu zu orientieren und die Wirkung von Farbe später wieder bewusster einzusetzen. „Farbe soll frei und lebendig wirken, gleichzeitig aber präzise gesetzt sein. Diese Balance zu finden, ist eine lebenslange Aufgabe.“ Zuletzt interessiert uns noch, warum Kunst in ihren Augen wichtig ist. Die Antwort kommt schnell: „Wenn wir auf die Geschichte der Menschheit blicken, dann ist erstaunlich viel von dem, was geblieben ist, Kunst. Von Höhlenmalereien der Vorzeit bis zu den Meisterwerken der europäischen Kunstgeschichte – Kunst begleitet den Menschen seit seinen Anfängen.“ Kunst helfe uns, die Welt zu betrachten, Erfahrungen zu verarbeiten und Schönheit wahrzunehmen. „Gerade in einer oft hektischen und schwierigen Zeit halte ich das für wichtiger denn je. Ich glaube, Kunst rundet unser Leben ab.“

Ausstellungen und Kunstmessen

Bilder von Antonia Riederer präsentiert das KUNSTHAUS WIESINGER auf nationalen und internationalen Kunstmessen sowie in seinen Galerieräumen in Wels.
 
Von 6. bis 16. August zeigt die Galerie auf der „SIFAF Salzburg International Fine Art Fair – Summer Edition“ neue Arbeiten im Haus Koller am Waagplatz 2, 5020 Salzburg.
 
Von 7. bis 11. Oktober findet im Künstlerhaus Wien die Kunstmesse FAIR FOR ART VIENNA statt.
 
www.antonia-riederer.at

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