Autorentalk mit Eva Reichl
Hauptberuflich ist Eva Reichl als Controllerin tätig, doch ihre wahre Leidenschaft gilt dem Schreiben.
© Franz Bodingbauer
Eva Reichl entdeckte ihre kreative Ader schon früh. Von Glaskunst bis Malerei – sie hat vieles ausprobiert, doch letztlich blieb das Schreiben ihre stärkste Ausdrucksform. Die Oberösterreicherin hat es sich mit ihren Krimis und Thrillern zur Aufgabe gemacht, ihre Heimat zur Bühne spannender Geschichten zu machen. Besonders erfolgreich ist ihre Mühlviertel-Krimireihe mit Chefinspektor Oskar Stern, die bereits acht Bände umfasst und eine treue Leserschaft gewonnen hat. Mit dem Start ihrer neuen Serie rund um Chefinspektorin Lotta Meinich und deren Vater Gustav im März 2025 erweiterte Reichl ihr Krimiuniversum. Was sie als Autorin auszeichnet, ist, dass sie es in ihren Geschichten versteht, Spannung mit viel Gefühl für Menschen und Orte zu verbinden.
Wie entstand die Idee zu „Zwei Leichen zum Prosecco“ – bei einem Glas Prosecco?
Eva Reichl: Der Krimi hätte ursprünglich „Zwei Leichen zum Spaziergang“ heißen sollen, weil meine Chefinspektorin Lotta Meinich gleich zu Beginn mit ihrem Vater Gustav im Kürnbergwald unterwegs ist und die beiden dabei über eine Leiche stolpern. Doch der Verlag wünschte sich – wie schon beim ersten Band „Drei Leichen zum Frühstück“ – erneut einen kulinarischen Titel. Da im Krimi auch Prosecco eine Rolle spielt, war der neue Titel schnell gefunden, allerdings bei einem Glas Wein.
Ein guter Krimi muss für mich mehr sein als die bloße Aufklärung eines Mordfalls.
Eva Reichl
Lotta und Gustav: Das Vater-Tochter-Duo ist besonders charmant und liebevoll gezeichnet. Welche Eigenheit der beiden mögen Sie persönlich am liebsten?
Am liebsten schreibe ich die Szenen, in denen Lotta und Gustav gemeinsam vorkommen, weil ich darin ungezwungen mit allen Emotionen spielen kann, sei es die Liebe eines Vaters zu seiner Tochter oder der Generationenkonflikt, der sich in ihrem Alltag immer wieder zeigt. Gustav ist inzwischen in einem Alter, in dem es ihm gleichgültig ist, was andere über ihn denken, und entsprechend verhält er sich auch. Er vergisst, was ihn nicht interessiert, und steckt seine Nase immer wieder in Lottas Arbeit, schließlich war er selbst einmal Chefinspektor beim LKA OÖ. Und Lotta wiederum liebt ihren Vater, der sie nach dem frühen Tod ihrer Mutter – sie war erst acht Jahre alt – allein großgezogen hat. Das hat die beiden eng zusammengeschweißt, wie man so schön sagt.
Was macht für Sie einen guten Krimi aus und worauf legen Sie beim Schreiben besonderen Wert?
Ein guter Krimi muss für mich mehr sein als die bloße Aufklärung eines Mordfalls. Mindestens ebenso wichtig sind die Figuren: Man sollte mit ihnen mitfiebern, mitleiden und sich mit ihnen freuen können. Dass solche Emotionen bei den Lesenden entstehen, ist mir besonders wichtig.
Wenn Sie selbst in einen Krimi geraten würden, welche Rolle hätten Sie?
Ich würde vermutlich eine Leiche spielen – weil ich kein Blut sehen kann. Als Gerichtsmedizinerin wäre ich deshalb eine glatte Fehlbesetzung.
Buchtipp:

„Zwei Leichen zum Prosecco. Oberösterreich-Krimi“
von Eva Reichl, erschienen im Gmeiner Verlag,
ISBN 978-3-8392-8059-1, € 16