Philipp Hochmair: Seelenstrip in Gmunden
Eine energiegeladene Live-Performance mit seiner Band, die sein bisheriges Leben in assoziativen Bildern Revue passieren lässt.
© Heli Mair
Wenn Philipp Hochmair am 30. Juli mit der Präsentation seines Buches „Hochmair, wo bist du?“ beim Salzkammergut Festwochen Open Air im Toscanapark Gmunden auftritt, erwartet das Publikum keine gewöhnliche Lesung, sondern eine Buchvorstellung der etwas anderen Art.
Ausgangspunkt des Abends ist die gleichnamige Biografie der deutschen Journalistin Katharina von der Leyen. Und wer den Schauspieler kennt, weiß: Wo Hochmair draufsteht, steckt auch Hochmair drin. Es geht um künstlerische Entwicklungen, wichtige Lebensentscheidungen und um die Frage, was einen Menschen antreibt, der seit Jahrzehnten mit voller Leidenschaft auf der Bühne und vor der Kamera steht. „Bei meiner Biografie-Performance entsteht vieles intuitiv – ohne Skript – aus dem Moment heraus und aus dem Dialog mit dem Publikum. Wer sich darauf einstimmen möchte, dem empfehle ich, auf Spotify oder anderen Streaming-Plattformen in meine Single ‚Der Kunstsoldat‘ hineinzuhören“, sagt Philipp Hochmair. Dieses Hörstück ist gemeinsam mit dem Buch erschienen.
Gmunden hat für den vielfach ausgezeichneten Schauspieler eine besondere Bedeutung. Bereits im vergangenen Jahr begeisterte er mit „Jedermann Reloaded“ vor ausverkauftem Haus. Die besondere Atmosphäre im Toscanapark am Traunsee und die Offenheit des Publikums sind ihm in bester Erinnerung geblieben. Umso größer ist die Vorfreude auf die Rückkehr ins Salzkammergut.
Ayurveda und Kochen.
Überhaupt hat Philipp Hochmair eine tiefe Verbindung zu Oberösterreich. Viele Sommer verbrachte er hier bei seinen Großeltern im Hausruckviertel. Deren Haus hat er geerbt und renoviert. „Ich habe dort als Kind viel Zeit verbracht und habe sehr viele schöne Erinnerungen“, erzählt er. Fernab von Dreharbeiten und Proben genießt er dort jene Ruhe, die in seinem rastlosen Alltag oft fehlt. Oberösterreich ist für ihn aber nicht nur Rückzugsort, sondern auch Kraftquelle. Einer jener Orte, an denen er Energie tankt, ist das Home of Ayurveda von Dr. Wolfgang Schachinger.
Inspiration findet er aber auch in der Küche. „Kochen ist für mich das Sinnbild der Kreativität und des Loslassens. Man arbeitet mit Zutaten, Ideen und Intuition und muss geduldig warten, bis es fertig gekocht ist – ähnlich wie bei einer Rolle“, schildert er. Besonders gerne kauft er dafür auf Märkten in der Umgebung ein.
Bei meiner Biografie-Performance entsteht vieles intuitiv – ohne Skript – aus dem Moment heraus und aus dem Dialog mit dem Publikum.
Philipp Hochmair

Zwischen Hochliteratur und Hirschleder.
Aber kommen wir zurück an den Traunsee – oder genauer gesagt in die Reindlmühl, einen Ortsteil von Altmünster. Dort war Philipp Hochmair zuletzt im Atelier von Magdalena Melitta Moser anzutreffen. Kennengelernt haben sich Schauspieler und Designerin rein zufällig. Ein Bekannter hatte Hochmair einst ein Mamoka-Etui aus Hirschleder geschenkt, das perfekt als Handyhülle funktionierte. „Ich habe es immer bei mir gehabt und irgendwann leider verloren“, erzählt er. Auf der Suche nach Ersatz nahm er Kontakt zum Mamoka-Atelier auf – und war begeistert.
Unikate für mehr als ein Leben. Nicht nur die handwerkliche Qualität beeindruckte ihn, sondern auch die Philosophie dahinter. Und so ließ er sich schließlich einen Jogginganzug aus Hirschleder anfertigen. „Wie oft frage ich mich bei Kleidungsstücken: Wann, wo habe ich das gekauft? Und weiß es einfach nicht mehr… Und das sind alles Unikate, die ewig halten und mich wahrscheinlich sogar noch überleben. Das ist für mich echte Nachhaltigkeit“, sagt er.
Auch Magdalena Melitta Moser zeigt sich von ihrem prominenten Kunden beeindruckt. „Unser Ziel ist es, Traditionen zu bewahren und sie gleichzeitig weiterzuentwickeln. Bei Philipp sind es die großen Werke der Literatur, bei mir Leder, Seide, Kaschmir oder Leinen. Unsere Arbeiten wachsen im Entstehungsprozess“, betont die Designerin. Ein Satz, der die Verbindung der beiden wohl am besten beschreibt. Beides lebt von Respekt vor dem Bestehenden und dem Mut, Neues daraus entstehen zu lassen. Philipp Hochmair brachte sich auch in die Gestaltung einzelner Stücke ein. Gemeinsam mit Magdalena entwickelte er etwa Details wie die Schließe seiner Hirschlederjacke weiter. Entstanden ist ein Jogginganzug, der ebenso individuell ist wie sein Träger.
Design für Thomas Sabo. „Mode ist für mich ein starkes Ausdrucksmittel“, so Hochmair. Auf der Bühne wie privat zeigt sich der Schauspieler auch gerne mit markanten Ketten, auffälligen Ringen und außergewöhnlichen Looks. Seine Affinität zu Schmuck führte ihn Anfang des Jahres auch zur Zusammenarbeit mit Thomas Sabo, wo er zum Gesicht der „Rebel at Heart“-Kollektion wurde. „Aktuell arbeite ich an einer neuen Linie für Thomas Sabo, bei der ich auch im Designprozess eingebunden bin“, erzählt er.
Leben wie ein Spitzensportler. Wer Philipp Hochmair erlebt, spürt schnell, dass Stillstand nicht zu seinem Wesen gehört. Kann man seinen Alltag mit jenem eines Spitzensportlers vergleichen? „Gute Frage“, sagt er und stimmt zu. Dreharbeiten, Theaterproduktionen, Konzerttourneen verlangen höchste Disziplin. Die Bühne ist für ihn eine Hochleistungssituation, die tägliches Training, Konzentration und Ausdauer verlangt. Talent allein reicht nicht. Gleichzeitig spürt man, dass ihn nicht der Wettbewerb antreibt, sondern die Leidenschaft für das, was er tut.
Mutmacher für Schülerinnen und Schüler. Vor den Sommerferien hat Philipp Hochmair eine Botschaft für junge Menschen, denen im Herbst ein Nachzipf in Deutsch ins Haus steht. In seiner Biografie spricht er offen über seine Leseschwäche. Dass ausgerechnet er einmal Mammuttexte auswendig lernt und Literaten wie Goethe, Kafka, Hofmannsthal oder Schiller auf die großen Bühnen bringt, erschien in seiner Schulzeit alles andere als selbstverständlich. Aber: „Schwierigkeiten müssen kein Hindernis sein. Wenn man sich nicht vom Weg abbringen lässt, können aus vermeintlichen Schwächen besondere Stärken entstehen“, sagt er.
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Über Philipp Hochmair
• Der gebürtige Wiener mit oberösterreichischen Wurzeln (52) absolvierte das Max Reinhardt Seminar, einer seiner Lehrer war Klaus Maria Brandauer.
• Hochmair war Ensemblemitglied am Burgtheater und am Hamburger Thalia Theater.
• Den Monolog des Karl Roßmann aus Kafkas „Amerika“ spielte er im Wohnzimmer des deutschen Altkanzlers Helmut Schmidt.
• Seinen Durchbruch im Fernsehen machte er als schwuler Politiker Schnitzler in der Serie „Vorstadtweiber“ und im international gefeierten Film „Die Wannseekonferenz“. Aktuell wurden gerade Dreharbeiten für „Blind ermittelt“ und „Der Geier“ abgeschlossen.
• In seinen Soloprogrammen („Werther!“, „Jedermann Reloaded“, „AMERIKA nach Kafka“ u. a.) bringt er dem Publikum Hochliteratur unkonventionell näher.
• Ein Wendepunkt in seinem Leben war, als er 2018 über Nacht für den erkrankten Tobias Moretti als Jedermann bei den Salzburger Festspielen einsprang.
Termine:
SALZBURG: Heuer steht Hochmair bei den Salzburger Festspielen von 18. Juli bis 25. August bereits zum vierten Mal als Jedermann auf der Bühne. Seine Buhlschaft ist die österreichisch-französische Schauspielerin Roxane Duran. Die Salzburger Festspiele 2026 werden interimistisch von Karin Bergmann geleitet, die zugleich das Literatur- und Theaterprogramm der Salzkammergut Festwochen Gmunden verantwortet. www.salzburgerfestspiele.at
GMUNDEN: „Hochmair, wo bist du?“ Open-Air-Performance am 30. Juli um 20.30 Uhr im Toscanapark in Gmunden. www.festwochen-gmunden.at
Weitere Termine: www.philipphochmair.com
Buchtipp
Katharina von der Leyen | Philipp Hochmair: „Hochmair, wo bist du?“ Biografie, mit zahlreichen privaten Bildern und Illustrationen. Brandstätter Verlag. ISBN: 978-3-7106-0900-8, € 26,00
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