Parov Stelar erobert Gmunden
In der Ausstellung „Leave The Future Behind“ und beim Open Air.
© Roland von der Aist
In der Ausstellung „Leave The Future Behind“ zeigt Parov Stelar bis 16. August im Kammerhof Museum Gmunden eine sehr persönliche Auswahl seiner Werke. Am 1. August kann man den Künstler live im Toskana Park bei einem Open Air erleben.
Mit der Ausstellung „Leave The Future Behind“ im Kammerhof Museum Gmunden rücken die Salzkammergut Festwochen das bildnerische Schaffen von Marcus Füreder alias Parov Stelar in den Mittelpunkt. Der Kunsthistoriker und ehemalige Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder betonte bei der Eröffnung der Ausstellung, dass der Musiker und Maler eine außergewöhnliche Erscheinung ist. „Ich bin wahrscheinlich einer der wenigen Oberösterreicher, die Parov Stelar vorher nicht gekannt haben“, sagt der gebürtige Linzer.
Doppelbegabung.
Als er gebeten wurde, einen Text für den Ausstellungskatalog zu verfassen, habe er sich zunächst intensiv mit Werk und Künstler beschäftigt. Dabei sei ihm schnell klar geworden, dass er es mit einer seltenen Doppelbegabung zu tun habe. „In meiner 40- bis 50-jährigen Karriere haben mir viele berühmte Schauspieler und Musiker ihre Hobbymalereien gezeigt – von Sylvester Stallone bis Brad Pitt. Meistens habe ich gesagt: Freut euch daran, aber das ist nicht reif für die Öffentlichkeit. Das gilt hier nicht“, betont Schröder. „Was Parov Stelar mit seiner Musik nicht mehr sagen kann, sagt plötzlich die Kunst. Und wenn die Kunst blind wird, springt die Musik ein. Beide Kunstgattungen sind bei ihm gleichrangig.“
Zeitgenössische Arbeiten.
Besonders beeindruckt ihn, wie zeitgenössisch Parov Stelar arbeitet. „Es ist ein großes Privileg, wenn man von einem Menschen sagen kann, er ist zeitgenössisch. Parov Stelar findet für unsere Zeit das richtige Bild oder den richtigen Ton.“ Obwohl Schröder bisher noch kein Konzert des Musikers besucht hat, hat er sich im Zuge seiner Recherchen intensiv mit dessen Werk auseinandergesetzt. Am 4. Dezember 2026 möchte er Parov Stelar schließlich erstmals live erleben – beim Konzert in der Wiener Stadthalle. Auch Parov Stelar selbst zeigte sich von den Worten Klaus Albrecht Schröders beeindruckt. „Es war, als wäre er neben mir gestanden und hätte in Sprache übersetzt, was ich mir gedacht habe“, sagte er nach Schröders kunsthistorischer Einordnung.
Parov Stelar im Interview.
Wir haben bei Parov Stelar nachgefragt, was ihn antreibt – als Musiker, Maler und kreativen Grenzgänger zwischen zwei Kunstwelten.
Parov Stelar, was erfahren Besucher der Ausstellung über Sie als Menschen?
Das hängt davon ab, wie viel Zeit sie sich nehmen und wie sensibel sie an die Werke herangehen. Ich bin mir sicher, dass man das eine oder andere über mich entdecken kann. Gleichzeitig finde ich das Verborgene spannender als eindeutige Antworten.
2021 haben Sie im Francisco Carolinum in Linz sehr autobiografische Werke gezeigt. Wie hat sich Ihre Malerei seit damals verändert?
Das Grundgefühl dahinter ist gleich geblieben. Ich kreise immer wieder um ähnliche Themen. Was mir selbst auffällt: Die Bilder sind bunter geworden.
Viele Werke zeigen Frauenfiguren, Mütter oder Kinder. Welche Geschichten stecken dahinter?
Ich hüte mich davor, meine Bilder zu interpretieren. Als Künstler versuche ich etwas sichtbar zu machen, das sich mit Sprache gar nicht so präzise ausdrücken lässt. Aber natürlich haben wir ein Mutter-Thema, doch das wäre zu offensichtlich – da steckt mehr dahinter.
Ihre Mutter ist ebenfalls Malerin. Wie sehr hat Sie das geprägt?
Natürlich hat mich meine Mutter geprägt. Ich bin praktisch im Atelier aufgewachsen. Für mich war der Beruf Künstler deshalb nie etwas Besonderes. Erst später versteht man, wie außergewöhnlich so etwas eigentlich ist.
Für mich ist kein einziges Bild fertig. Ich hasse es, fertig zu werden. Fertig sein ist tot!
Parov Stelar

Wie entstehen Ihre Bilder?
Die ersten Skizzen entstehen am Computer. Ich komme aus der Grafik und arbeite fast ein wenig Frankenstein-mäßig. Von einer Figur nehme ich vielleicht ein Ohr, von einer anderen ein Auge. Danach wird das Motiv klassisch mit Öl auf Leinwand gemalt.
Wann wissen Sie, dass ein Bild fertig ist?
Für mich ist kein einziges Bild fertig. Ich hasse es, fertig zu werden. Das hat immer etwas Endgültiges. Fertig sein ist tot.
Arbeiten Sie immer nur an einem Bild?
Nein, meistens hängen drei oder vier Leinwände gleichzeitig im Atelier. Ich bin sehr ungeduldig und wechsle ständig zwischen den Arbeiten.
Sie gehen in Kürze mit ihrem neuen Programm „Artifact“ auf Tour und arbeiten verstärkt mit einem eigenen Orchester. Welche Rolle spielt dabei der Auftritt im Loxone Campus in Kollerschlag am 2. Juli. Auf 450 Plätze limitiert?
Dort haben wir die Möglichkeit bekommen, unser neues Programm zu proben. Mit der aktuellen Besetzung sind wir auf Tour mehr als 40 Leute auf der Bühne. Mir gefällt die Geschichte von Loxone sehr gut. Ich finde es beeindruckend, einen international erfolgreichen Technologiekonzern in Kollerschlag aufzubauen. Das erinnert mich ein wenig an meine eigene Geschichte, weil ich aus Lichtenberg abstamme. Loxone hat uns die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, und daraus entstand die Idee, die Probenarbeit mit einem Wohnzimmerkonzert zu verbinden. Es kann also durchaus passieren, dass ich mitten im Konzert stoppe und sage, wir probieren es nochmal. Eine echte Generalprobe vor Publikum.
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