Kira Schinko als Wirtshausretterin
"Aufsperren statt Zusperren": Mit Kira Schinko präsentiert der ORF ein neues Gesicht auf den TV-Bildschirmen.
Kira Schinko @ Jenseide
Wer die Linzerin ist, warum sie besonders die Rolle der Frauen in der Gastronomie beleuchten möchte und dass sie in Linz auch als „Schattenbürgermeisterin“ bekannt ist, verrät sie im Interview.
Frau Schinko, wie kommt es, dass Sie mit der sechsteiligen Doku „Aufsperren statt Zusperren“ Ihr ORF-Debüt geben?
Ich moderiere wahnsinnig gerne und sehe es als große Ehre, ein eigenes Format im ORF bekommen zu haben. Es war tatsächlich ein längerer Weg, bis dieses Projekt realisiert wurde. Die Serie ist eine Co-Produktion des ORF mit der Produktionsfirma Jenseide, die mit Formaten wie „Ochs im Glas“ ihr Gespür für relevante Kulinarik-Themen unter Beweis gestellt hat. Auf mich ist man aufmerksam geworden, da ich im Rahmen der Kulturhauptstadt Salzkammergut 2024 die „Wirtshaus-Show“ als Produzentin und Gastgeberin auf die Beine gestellt habe. Auf dieser Basis wurde mir die neue Serie „Aufsperren statt Zusperren“ auf den Leib geschnitten. Die Idee, leerstehende Wirtshäuser für einen Tag wiederzubeleben und dabei die soziale Bedeutung dieser Orte zu beleuchten, trifft offenbar den Nerv der Zeit. Für mich war es wichtig, in diesem Reality-TV-Format authentisch zu bleiben – ich spreche in der Serie meinen oberösterreichischen Dialekt, um Nähe und Vertrauen zu schaffen. Ich hoffe auf viele Zuseher, auch wenn der Sendeplatz mit der ZiB 2 konkurriert. Aber es wäre toll, wenn die angepeilten 200.000 Zuseher geknackt werden.
Sterben die Wirtshäuser, geht viel der österreichischen Identität verloren. Warum liegt Ihnen dieses Projekt auch persönlich am Herzen?
Wirtshäuser sind weit mehr als nur Orte, an denen man isst und trinkt. Sie sind soziale Treffpunkte, kulturelle Anker und eben ein Stück Identität – gerade in kleineren Gemeinden. Mich hat es erschüttert zu sehen, wie viele Gasthäuser schon verschwunden sind und wo nur noch Leerstände sind. Meine Mutter war alleinerziehend, und wir waren während meiner Kindheit oft im Wirtshaus essen. Diese Orte waren für mich immer ein Stück Zuhause und ich habe mich liebend gerne zu den Stammtischen gesellt. Mit der Serie möchte ich zeigen, dass es sich lohnt, für diese Räume zu kämpfen, sie mit Liebe zu füllen und dass sie eine Zukunft haben können. In einer Zeit der digitalen Blasen sind solche realen Begegnungsorte wichtiger denn je.

Wie hat Ihr persönlicher Hintergrund dazu beigetragen, dass Sie sich so leidenschaftlich für soziale Treffpunkte einsetzen?
Ich habe Kommunikationswirtschaft studiert, war Mitbegründerin der Designagentur OrtnerSchinko und war lange in der Agenturwelt tätig – auch international. Darüber hinaus verstehe ich mich als politischer Mensch. Ich engagiere mich ehrenamtlich und versuche, meine Fähigkeiten für die Allgemeinheit einzusetzen. Ob als „Schattenbürgermeisterin“ in Linz, wie ich oft bezeichnet werde, und als Mitglied des OÖ Landeskulturbeirats – ich habe gelernt, wie wichtig es ist, Menschen zusammenzubringen und gemeinsam Lösungen zu finden.
Braucht es einen Wandel, vor allem was die Rolle der Frauen in der Gastronomie betrifft?
Ja, viele Frauen arbeiten besonders in der Gastronomie oft unentgeltlich, als „Oma bis ins hohe Alter“ oder sind 24/7 verfügbar, vor allem wenn es Familienbetriebe sind. Hier braucht es dringend systemische Veränderungen. Da sehe ich noch einen riesengroßen Aufholbedarf.
Neue ORF-Serie „Aufsperren statt Zusperren – Ist das Wirtshaus noch zu retten?“
Ab 18. Februar wöchentlich, jeden Mittwoch um 22 Uhr auf ORF 1. Alle sechs Folgen sind auf der Streaming-Plattform ORF ON verfügbar.
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