Ich bin Mama – und mehr!
Chefredakteurin Ulli Wright über Mutterschaft und neue Lebensphasen.
© Sarah Katharina Photography
Als Mutter von zwei Söhnen weiß ich: Kaum eine Lebensphase bringt so viele Ratschläge, Urteile und ungefragte Meinungen mit sich wie die Zeit nach der Geburt. Stillen oder nicht? Familienbett oder Kinderzimmer? Wann zurück in den Job? Fast jede Entscheidung scheint eine Rechtfertigung zu brauchen, oft noch, bevor man selbst zu Wort kommt. In dieser Ausgabe stellen wir zwei Frauen vor, die diesen Erwartungen nicht mehr folgen wollen.
Sophie Geschke, selbstständige Moderatorin und Redakteurin, erzählt, wie Aufträge plötzlich ausblieben, sobald ihre Schwangerschaft sichtbar war. Ihr Statement lautet: „Meine Arbeit ist meine Me-time. Ich will gesehen und wertgeschätzt werden.“ Auch Iris Brditschka, Geschäftsführerin im Familienbetrieb, formuliert es unmissverständlich: „Ich bin auch wer – nicht nur Mama.“ Sie nahm ihren Sohn von Anfang an mit ins Büro, stellte das Bällebad neben den Schreibtisch und macht klar: „Man kann ja nicht seine Identität, die man bis zur Geburt hatte, im Kreißsaal abgeben.“
Kaum eine Lebensphase bringt so viele Urteile und ungefragte Meinungen mit sich wie die Zeit nach der Geburt!
Ulli Wright
Dabei geht es nicht um Egoismus. Es geht um Sichtbarkeit, um finanzielle Unabhängigkeit, um das Recht, auch als Frau, Kollegin, Gestalterin zu existieren. Und es geht um Strukturen, die das ermöglichen müssen: ausreichende Kinderbetreuung, faire Chancen im Job,
flexible Modelle, echte Wertschätzung statt unterschwelliger Vorwürfe und althergebrachter Rollenmuster. Wir brauchen Mütter, die sichtbar bleiben dürfen: nicht nur auf Spielplätzen, sondern auch in Büros und Führungsetagen.
Vielleicht ist es Zeit, den Rechtfertigungsreflex loszulassen. Zeit, uns selbst zu sagen: Ja, ich bin Mutter. Und ja, ich bin auch Frau.
Herzlich, Ihre Ulli Wright
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