IVY: Schwangerschaftstest

Warum werde ich nicht schwanger?

Etwa jedes sechste Paar ist von einem unerfüllten Kinderwunsch betroffen.

4 Min.

© IVY Zentrum für Kinderwunsch

Rund eines von sechs Paaren durchlebt, wie zermürbend die Zeit des Kinderwunsches sein kann, wenn der positive Schwangerschaftstest auf sich warten lässt oder es zu Fehlgeburten kommt. Woran liegt es, dass so viele Paare kein Kind bekommen können? Wir haben direkt bei den medizinischen Experten nachgefragt, die im IVY Zentrum für Kinderwunsch in Wels täglich Menschen auf dem Weg zur Schwangerschaft begleiten. Dr. Thomas Duscha ist ärztlicher Leiter bei IVY und Spezialist für unerfüllten Kinderwunsch und Reproduktionsmedizin.

IVY: Dr. Thomas Duscha
Dr. Thomas Duscha, ärztlicher Leiter bei IVY und Spezialist für unerfüllten Kinderwunsch und Reproduktionsmedizin © Nicole Michlmayr

Wir versuchen es schon länger – woran kann es liegen, dass es mit der gewünschten Schwangerschaft nicht klappt?
Dr. Duscha: Europäische Daten zeigen: die Ursache, weshalb keine Schwangerschaft eintritt, liegt in 20-30 % der Fälle beim Mann, in 20-35 % bei der Frau und in 25-40 % auf beiden Seiten. Bei 10-20 % der Paare bleibt trotz ärztlicher Abklärung die konkrete Ursache für die Unfruchtbarkeit ungeklärt.
Warum werde ich nicht schwanger? Woran kann eine Unfruchtbarkeit bei der Frau liegen?
Dr. Duscha: Häufige Gründe für weibliche Unfruchtbarkeit sind eine altersbedingt verminderte Eizellqualität, hormonelle Störungen, Funktionsstörungen der Eileiter, Endometriose oder PCOS (neuerdings PMOS bezeichnet), Über-/ Untergewicht. Auch das Immunsystem oder genetische Faktoren können eine Schwangerschaft verhindern.

Warum wird meine Frau nicht schwanger? Kann es an mir als Mann liegen, dass wir kein Kind bekommen?
Dr. Duscha: Ja – beim Mann können diverse Gründe zu einer eingeschränkten Fruchtbarkeit führen. Genetische oder immunologische Ursachen, eine Chemo- oder Strahlentherapie, eine Mumpserkrankung in der Kindheit, schädliche Umweltfaktoren (z.B. Umweltgifte, elektromagnetische Strahlung, hormonwirksame Stoffe) oder ungesunde Lebensgewohnheiten (z.B. Extremsport, schlechte Ernährung, Alkohol, Nikotin, Anabolika) haben einen negativen Einfluss auf die Spermienqualität. Auch hohe Temperatur ist schlecht für die Samenqualität. Wichtig zu wissen ist, dass diese Auswirkungen zum Teil reversibel sind. Der männliche Körper produziert laufend neue Spermien. Die Spermienbildung dauert rund drei Monate – in diesem Zeitraum kann der Mann also durchaus selbst zur Verbesserung seiner Spermienqualität beitragen.

Wann sollte man zum Arzt, wenn eine Schwangerschaft ausbleibt?
Dr. Duscha: Es ist wichtig zu wissen, dass die Eizellqualität bei der Frau mit dem Alter sinkt, besonders rasch ab dem ca. 35. Lebensjahr. Dadurch wird auch die medizinische Unterstützung oft langwieriger und kostenintensiver, je später das Paar auf uns zukommt. Wir raten daher dringend dazu, mit der Abklärung der Ursachen nicht allzu lange zu warten und ab dem 30. Lebensjahr den Faktor der sinkenden Eizellqualität im Hinterkopf zu haben. Kommen Paare erst sehr spät zu uns (Frau >40), sind sie oft enttäuscht, wenn wir sie ehrlich über die Erfolgswahrscheinlichkeit aufklären, die in diesem Alter trotz medizinischer Unterstützung eingeschränkt ist.

Was ist der erste Schritt in eine Kinderwunschklinik? Brauche ich eine Überweisung?
Dr. Duscha: Eine Überweisung ist nicht erforderlich. Ein persönliches Erstgespräch ist auch relativ kurzfristig möglich und kostet 160 Euro – dabei nehmen wir uns 45-60 Minuten Zeit für das Paar und seine ganz individuelle Situation. Bei unseren regelmäßigen kostenlosen Infoabenden (online oder vor Ort) wird über Diagnostik- und Behandlungsmöglichkeiten bei Kinderwunsch informiert.

IVY: schwangere Frau
© Nicole Michlmayr

Was wird beim ersten Termin in einer Kinderwunschklinik gemacht?
Dr. Duscha: Beim Erstgespräch mit dem Paar werden nach einer ausführlichen Anamnese auch bereits mögliche körperliche Ursachen bei der Frau mittels Ultraschallkontrolle überprüft und der Hormonstatus wird kontrolliert. Auch die Fruchtbarkeit des Mannes kann bei diesem Termin mittels eines Spermiogrammes überprüft werden – dazu gibt der Mann in einem diskreten Raum eine Samenprobe ab, die im IVY Labor analysiert wird.

Sich an eine Kinderwunschklinik zu wenden, bedeutet nicht, eine künstliche Befruchtung in Anspruch nehmen zu müssen. Das Spektrum an Möglichkeiten ist groß – ob und welche Behandlungen erfolgen, das entscheidet das Paar in weiterer Folge gemeinsam mit den behandelnden ÄrztInnen.

Mit welchen Kosten müssen Paare rechnen, wenn eine künstliche Befruchtung erforderlich ist?
Dr. Duscha: Als Vertragskrankenanstalt des österreichischen IVF-Fonds haben Paare im IVY Zentrum für Kinderwunsch die Möglichkeit, die 70-prozentige finanzielle Unterstützung durch den Fonds zu erhalten. Der Selbstbehalt für eine IVF-Behandlung beträgt in diesem Fall ca. 1000-1500 Euro. Um anspruchsberechtigt zu sein, muss das Paar die vom Fonds definierten Voraussetzungen erfüllen. Mit dem 40. Geburtstag der Frau sowie dem 50. Geburtstag des Mannes erlischt die Möglichkeit auf eine vom Fonds geförderte Behandlung. Eine Kinderwunschbehandlung kann trotzdem erfolgen, ist dann jedoch privat zu bezahlen. Die Behandlungs- und Medikamentenkosten einer künstlichen Befruchtung liegen dann schnell im Bereich von rund 6.000 Euro.

Infos und Anmeldung unter www.ivy-kinderwunsch.at.

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