Snoezi: Not macht erfinderisch
eine persönliche Geschichte von Anita Pur und ihrem besonderen Sohn Neil
© Snoezi/Anita Pur
Anita Pur wurde im Alter von 23 Jahren Mama. Doch anders als gedacht. Ein Gendefekt ihres Sohnes Neil stellte das Leben auf den Kopf. Wie das Snoezi-Lagerungskissen für Menschen ohne Rumpf-/Kopfkontrolle geboren wurde, weil der Markt nichts Zufriedenstellendes hergab und sie beschloss, die Sache selber in die Hand zu nehmen, schildert die 42-Jährige in einem berührenden Interview. Snoezi ist übrigens eine Wortkreation aus Wahrnehmen (snuffelen) und Dösen (doezelen). Über 500 glückliche Besitzer gibt es bereits.
Frau Pur, hinter „Snoezi“ steht eine ganz persönliche Geschichte, von Ihnen und Ihrem besonderen Sohn Neil. Können Sie uns erzählen, wie die Idee geboren wurde?
Mein Sohn Neil war mehrfach beeinträchtigt aufgrund eines Gendefekts, der sich in komplexen Erkrankungen, Epilepsie und einer Lähmung aller Extremitäten zum Ausdruck brachte. Somit war er leider niemals in der Lage, zielgerichtete Bewegungen auszuführen, sich umzudrehen, zu stehen oder zu gehen.
Und eben auch nicht zu sitzen. Um das Umfeld besser wahrnehmen zu können, ist jedoch eine aufrechte Haltung essenziell. Und ich wollte für ihn eine gemütliche Alternative zum Rollstuhl. Denn niemand sitzt gern den ganzen Tag im selben Sessel. Zumal Dekubitusprophylaxe und Schmerzen auch immer ein Thema waren. Der Markt gab nichts Zufriedenstellendes her und somit beschloss ich, die Sache selber in die Hand zu nehmen.
Wie haben Sie das gemacht?
Ich begann, Teile aus Backpapier, später aus alten Stoffresten, auszuschneiden und setzte mich an die Nähmaschine. Nach und nach entstand ein „Polster“, der Neil rundherum stützen sollte. Wirklich alles funktionierte auf Anhieb und so saß er gut gestützt und ohne Druckstellen oder Schmerzen neben mir auf der Couch! Ich liebte es. Snoezi war geboren.
Wie ist es Ihnen dabei ergangen, das Lagerungskissen „Snoezi“ als Business auf die Beine zu stellen?
2018 erhielt ich das nationale und internationale Patent. Danach kreierte ich die Marke „Snoezi“. Neben dem Mama-Sein und der Pflege meines Sohnes habe ich immer wieder sporadisch für Kinder Kissen produziert. Über die Jahre wurden die Materialien sowie Funktionen optimiert und vier Größen entwickelt, um auch größeren Menschen mit Snoezi zu dienen. Meine Selbstständigkeit begann aber erst im Jahr 2021, nachdem ich mir etwa ein halbes Jahr Ruhe gewährte. Ich sah es als Geschenk, welches mir mein Sohn Neil nach seinem Tod im Mai 2020 im Alter von 14 Jahren hinterließ. Selbstständig mit Snoezi arbeiten zu dürfen ist das, was mir Halt und Antrieb gibt.
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Gab es auch Momente, wo Sie an Ihre Grenzen gestoßen sind?
Ich erhielt von allen Seiten großartige Unterstützung. Viele Therapeutinnen empfehlen und verwenden Snoezi als Therapiezubehör. Meiner Patentanwaltskanzlei und meinen Vertriebspartnern bin ich sehr dankbar und seit heuer entlastet mich eine Steuerberaterin. Mein Mann unterstützt mich außerdem z.B. auf der INTEGRA, auf der wir heuer das zweite Mal als Aussteller dabei waren.
Wo würden Sie sich mehr Unterstützung wünschen?
Ich würde mir wünschen, dass Snoezi von den gesetzlichen Krankenkassen als Hilfsmittel anerkannt wird und die Kosten dafür getragen werden. Snoezi hat sich mittlerweile bei hunderten von Kindern und deren Familien als enorme Erleichterung in deren Leben integriert.
Was war für Sie der wichtigste Lernprozess und würden Sie rückblickend etwas anders machen?
Geduldig zu sein und in Zeiten schwacher Auftragssituationen den Mut nicht zu verlieren. Ich würde rascher um Hilfe bitten und in den verschiedensten Situationen versuchen, etwas Verantwortung abzugeben.

Wie geht es mit „Snoezi“, in den Sie nach wie vor viel Herzblut und Handarbeit investieren, weiter?
Ich möchte einfach ganz vielen Menschen damit Gutes tun, auch außerhalb des DACH-Raums. Mittlerweile sind Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Kliniken sowie Kinderhospize mit Snoezi versorgt. Deshalb bin ich immer wieder am Tüfteln an einer Version, die abwischbar ist.
Wo ist Snoezi erhältlich?
Direkt bei mir (www.snoezi.com). Bestellen kann man per E-Mail, WhatsApp oder telefonisch. Im Falle einer Verordnung aus Österreich wird bei meinen Vertriebspartnern Fa. Orthotechnik Falkensammer und Orthotechnik M4 GmbH bestellt. Dort gibt es übrigens Demo-Snoezis zum Testen.
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