Frau sitzt in Sessel und hält Schild mit Aufschrift "Lady Boss" hoch

Maren Wölfl: “Frauen müssen nicht die besseren Männer sein”

Maren Wölfl ist Expertin für Female Leadership und schreibt in ihrem neuen Buch, warum Frauen nicht lauter, sondern klarer werden müssen.

6 Min.

© KI-generiert mit ChatGPT

Frauen in Führungspositionen sind längst ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor. Trotzdem stehen vielen von ihnen noch immer gesellschaftliche Erwartungen und strukturelle Hürden im Weg. In ihrem neuen Buch „Ein Female Wake-up Call“ schreibt Maren Wölfl, Expertin für Female Leadership, über weibliche Führung, alte Rollenbilder und wie ein einziger Satz ihr eigenes Leben verändert hat.

Ihr Buch heißt „Ein Female Wake-up Call“. Was war für Sie persönlich der Moment, an dem Sie gespürt haben: Es braucht genau jetzt diesen Weckruf für Frauen?
Maren Wölfl: Die Welt fühlt sich gerade ziemlich verrückt an. Deshalb frage ich am Anfang des Buches auch: Was ist überhaupt noch normal? Wahrscheinlich nur das Programm in der Waschmaschine (lacht). Genau deshalb braucht es jetzt dringend mehr Weiblichkeit auf dieser Welt.

Sie schreiben, dass Führung kein Titel, sondern eine Entscheidung ist. Was bedeutet moderne Führung für Sie – vor allem aus weiblicher Sicht?
Wir alle sind Leaderinnen, weil wir Vorbilder für jüngere Generationen sind. Es geht darum, für die eigenen Werte einzustehen – unabhängig von der Position im Unternehmen. Führung beginnt nicht erst im Management, sondern auch in der Rolle als Mutter, Tochter oder Kollegin. Entscheidend ist die Haltung, mit der ich durchs Leben gehe.

Viele Frauen kennen das Gefühl, es allen recht machen zu müssen. Warum fällt es oft so schwer, die eigene Stimme über Erwartungen von außen zu stellen?
Das hat viel mit Sozialisation zu tun und mit den Bildern davon, wie Frauen und Männer „sein sollen“. Gleichzeitig ist genau diese innere Stimme eine große Stärke von Frauen: Intuition, Bauchgefühl, Herz. Wir sollten viel öfter darauf hören.

Und wie gelingt das im Alltag?
Im Buch spreche ich von der „fleißigen Ameise“ im Hamsterrad. Wir laufen oft so schnell, dass wir nur noch funktionieren. Umso wichtiger ist es, bewusst auszusteigen und sich zu fragen: Bin ich dort richtig, wo ich gerade bin? Was möchte ich wirklich – unabhängig von gesellschaftlichen Erwartungen?

Maren Wölfl
© Katharina Schiffl

Sie sprechen offen über Selbstzweifel und alte Denkmuster. Welche Glaubenssätze begegnen Ihnen bei Frauen besonders häufig?
Ein Satz war für mich persönlich ein echter Gamechanger: Mein Partner und ich sind für Kinderbetreuung und Haushalt 50:50 verantwortlich. Allein dieser Gedanke verändert unglaublich viel. Frauen müssen sich zu Hause freischaufeln, um beruflich Kapazitäten zu haben. Ein weiterer Satz, den ich Frauen mitgeben möchte, ist: Einfach machen. Es wird gut. Darum steht auch am Anfang meines Buches: „Du kannst. Punkt. Ende der Durchsage.“

Frauen und Männer bringen unterschiedliche Kompetenzen mit und genau diese Mischung macht Teams und Unternehmen besser.

Maren Wölfl

Geht es also auch darum, sich selbst mehr zuzutrauen?
Frauen dürfen definitiv mehr Selbstbewusstsein haben. Gleichzeitig glaube ich daran, dass Vielfalt die größte Stärke ist. Männer und Frauen bringen unterschiedliche Kompetenzen mit und genau diese Mischung macht Teams und Unternehmen besser.

Der Gedanke von 50:50 war für Sie ein Wendepunkt. Was hat sich dadurch verändert?
Viele Frauen fühlen sich automatisch für alles zu Hause zuständig. Ich bin genauso aufgewachsen. Der Unterschied beginnt mit der Haltung. Dann heißt es nicht mehr: „Mein Partner unterstützt mich eh so gut.“ Nein, er unterstützt mich nicht, sondern übernimmt seinen Teil der Verantwortung. Das verändert den Umgang mit Mental Load und schlechtem Gewissen enorm. Und übrigens profitieren auch Männer davon.

Inwiefern?
Frauen arbeiten in Österreich insgesamt mehr als Männer – bezahlt und unbezahlt. Über die negativen Folgen für Frauen wird viel gesprochen, etwa finanzielle Abhängigkeit oder geringere Pensionen. Aber auch Männer würden profitieren, wenn Verantwortung und Einkommen auf zwei Schultern verteilt wären. Das nimmt Druck heraus.

Empathie, Kollaboration und Fürsorglichkeit sind weibliche Stärken, die Unternehmen dringend brauchen.

Maren Wölfl

Sie sagen auch: Viele Kompetenzen, die Frauen mitbringen, werden in Unternehmen unterschätzt. Welche meinen Sie konkret?
Empathie, Kollaboration und Fürsorglichkeit. Das sind weibliche Stärken, die Unternehmen dringend brauchen – gerade in Zeiten großer Veränderung.

Trotzdem sind Frauen in Führungspositionen noch immer unterrepräsentiert. Welche strukturellen Barrieren erleben Sie besonders häufig?
Für mein Buch habe ich die KI gefragt: „Was würdest du machen, um Frauen systematisch von Führungspositionen fernzuhalten?“ Die Antwort war erschreckend, weil viele dieser subtilen Mechanismen bereits Realität sind. Nicht laut und offensichtlich, sondern leise und strukturell.

Und wie können Unternehmen aktiv gegensteuern?
Entscheidend sind Fokus und Bewusstsein im Top-Management. Female Leadership ist kein Mitleidsprogramm für benachteiligte Frauen, sondern wirtschaftlich sinnvoll. Dafür braucht es einen ehrlichen Blick auf Prozesse – etwa beim Karenzmanagement, das nicht nur für Mütter, sondern genauso für Väter gedacht werden muss.

Meine Botschaft an Frauen: Einfach machen. Nicht alles zerdenken, sondern sich trauen und ausprobieren.

Maren Wölfl

In Ihrem Buch geht es nicht darum, „lauter“, sondern „klarer“ zu werden. Was meinen Sie damit?
Frauen sollten nicht versuchen, die besseren Männer zu werden. Es geht darum, sich mit den eigenen Stärken einzubringen. Unternehmen profitieren am meisten, wenn unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen. Der Weg dorthin ist allerdings oft anstrengend, weil Frauen in Führungsrollen noch immer gesellschaftlichen Erwartungen widersprechen. Über mich und wie ich mein Leben führe, wurde schon vieles gesagt. Aber irgendwann habe ich verstanden: Diese Urteile sagen mehr über andere aus als über einen selbst. Das ist unglaublich befreiend.

Sie plädieren für geschützte Räume, in denen Frauen mentale Stärke und Selbstführung entwickeln können. Warum sind solche Räume wichtig?
Weil Männer über Jahrzehnte starke Netzwerke aufgebaut haben. Frauen haben diese Strukturen im beruflichen Kontext oft noch nicht. Solche Räume schaffen Austausch, Verständnis und Verbundenheit. Viele merken dort zum ersten Mal: Ich bin nicht allein mit meinen Erfahrungen. Vielleicht bin ich nicht das Alien, sondern das Unicorn.

Welche eine Botschaft sollen Leserinnen nach der letzten Seite mitnehmen?
Bitte einfach machen. Nicht alles zerdenken, sondern sich trauen und ausprobieren. Wenn etwas nicht funktioniert, kann man den Weg immer noch anpassen. Und vor allem: den Fokus auf den eigenen Einflussbereich legen. Wir verbringen viel zu viel Zeit damit, uns über Dinge aufzuregen, die wir nicht verändern können. Entscheidend ist die Frage: Was kann ich selbst beeinflussen? Genau dort beginnt Veränderung.

Kostenlos zur “Friday Inspiration”:

Wir vergeben 10 Tickets für die „Friday Inspiration“ von Maren Wölfl. Einmal im Monat macht die Expertin für Female Leadership eine einstündige Online-Session für interessierte Frauen. Die nächste Session findet am 19. Juni zum Thema „Das Teilzeitpotenzial heben – smarte Maßnahme für HR und Führungskräfte“ statt. Mit dem Code WECKRUF können sich die ersten zehn Leserinnen kostenlos anmelden. Es gilt das Prinzip: First come, first serve.

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