Mobbing: Vier Kinder zeigen auf ein weiteres Kind im Vordergrund, das sich die Ohren zuhält.

Theater gegen Mobbing

Mit Hirn, Herz und Hingabe stärkt Gudrun Moser junge Leute durch ihre Mobbingpräventionsarbeit. Über das Theater entdecken sie, wie man Konflikte erkennt, versteht und gemeinsam Wege aus ihnen findet.

5 Min.

© Shutterstock

Gudrun Moser ist eine gefragte Ansprechpartnerin für Pädagogen. Denn sie widmet sich einem Thema von höchster – und in digitalen Zeiten stetig wachsender – Dringlichkeit: Mobbing. Die Aufmerksamkeit, welche die Projekte der Diplom-Musicaldarstellerin verdienen, kann deshalb gar nicht groß genug sein. Die Bühne gehört im Folgenden ganz ihr. 

Sie arbeiten schon seit vielen Jahren mit Kindern und Jugendlichen. Was ist für Sie das Wichtigste, das junge Menschen im Theater jenseits von Schauspieltechniken lernen können?

Gudrun Moser: Dass jeder Mensch, ob jung oder alt, wichtig ist und eine Aufgabe in der Gesellschaft hat. Wir alle sind Menschen, wir alle leben auf diesem Planeten, und wenn wir es schaffen, uns mit unseren Stärken und Schwächen zu akzeptieren und respektieren, haben wir eine Basis, um zu leben. Respekt vor anderen ist, so glaube ich, eine der wichtigsten Eigenschaften, die ein Mensch haben sollte. 

Das Projekt „Mobbing über Theater lösen“ ist ein Beispiel dafür, wie Kunst präventiv wirken kann. Wie reagieren die Kinder, wenn das Thema Mobbing durch Theater behandelt wird?

Die Schülerinnen und Schüler nehmen den Workshop sehr gut an. Über szenische Improvisation schlüpfen sie in Rollen, das heißt: Sie sind vermeintlich jemand anderer und erfahren über die Rollenarbeit, wie es sich anfühlt, der Gemobbte  oder der Mobber zu sein. 

Auf der Bühne sind alle Emotionen erlaubt. Emotionsarbeit ist wichtig, denn in unserer Gesellschaft haben Gefühle kaum noch Platz – sie gelten als tabu. Kinder müssen schon früh funktionieren, weil ihre Eltern viel arbeiten, um das Leben zu finanzieren. Der Satz „Zeit ist Geld“ trifft leider oft zu, doch Zeit mit der Familie ist unbezahlbar. Nur in der Familie lernen Kinder, was Liebe, Vertrauen, Angst oder Glück bedeuten. Fehlt dieses emotionale Fundament, suchen sie andere Ventile – und so entsteht Mobbing. Ob Täter oder Opfer, beide Seiten rufen nach Nähe, Liebe und Geborgenheit. Familie kann all das geben.

Wie genau funktioniert das in der Praxis? 

Zunächst ist es wichtig zu betonen, dass jeder Workshop anders ist, da es in jeder Klasse andere Probleme gibt. Natürlich gibt es ein Grundkonzept, anfangs werden etwa immer Körper und Stimme aufgewärmt, wird erste Emotionsarbeit geleistet, um sich kennenzulernen und Vertrauen zu gewinnen, vor allem zu mir. Im Vorfeld habe ich auch ein Gespräch mit dem Klassenlehrer oder der Klassenlehrerin, in dem mir das Problem geschildert wird. Die Zusammenarbeit mit den Lehrern ist essenziell, denn die Lehrer sind das Bindeglied zwischen den Schülern und mir. 

Am Ende des Workshops – er dauert zehn Schulstunden – gibt es eine Abschlussvorstellung. Ich schreibe das Stück für jede Klasse selber und behandle darin das spezifische Mobbing-Thema in der Klasse. Zur Vorstellung, die im Turnsaal der Schule stattfindet, werden einige Klassen, Lehrer, Direktoren, Eltern sowie unser Bürgermeister Paul Mahr und Stadtrat für Jugend und Gesundheit Berhard Stegh eingeladen, die noch keine Vorstellung versäumt haben. Ein herzliches Dankeschön auf diesem Weg an sie! 

Warum kann gerade Theater Kindern helfen, Mobbing zu erkennen, zu verarbeiten und zu verhindern?

Weil im Theater und auf der Bühne alles erlaubt ist. Theater hilft Kindern, Mobbing zu erkennen, zu verarbeiten und zu verhindern, weil sie durch das Hineinschlüpfen in Rollen emotional erleben, wie sich Mobbing anfühlt – ob als Opfer, Täter oder Beobachter – und so Empathie, Handlungsmöglichkeiten und Zivilcourage entwickeln. 

Wie fällt das Feedback zu Ihren Workshops aus – von Schülern, Lehrkräften, Eltern?

Die Schülerinnen und Schüler sind am Anfang immer etwas zurückhaltend, da sie ja nicht wissen, was sie erwartet. Aber nach der ersten Stunde finden sie Vertrauen in mich und meine Arbeit. Am Ende des Workshops haben sich die Schülerinnen und Schüler stark weiterentwickelt und der Zusammenhalt in der Klasse hat sich zum Positiven verändert. Das bestätigen auch die Lehrkräfte, die mir immer ein Feedback schreiben. 

Die Eltern sind am Anfang oft auch skeptisch, aber kommen dann immer sehr gerne zu den Vorstellungen und zeigen so, dass sie meine Arbeit anerkennen und wertschätzen. 

©Privat

Theater hilft Kindern, Empathie und Zivilcourage zu entwickeln.

Gudrun Moser

Neben den Schulprojekten führen Sie auch das „Kindermundtheater“ und die Kurse von „My Theater“. Was genau passiert dort? Und fließen Ihre Erfahrungen mit Mobbingprävention auch dort ein?

Ich achte in allen meinen Kursen sehr darauf, dass sich die Kinder wohlfühlen und Spaß haben. Dass sie lernen, sich gegenseitig zu unterstützen und zu helfen. Jede Vorstellung ist nur so gut wie der „Schlechteste“. Sobald ich merke, es gibt Unstimmigkeiten in der Gruppe, bespreche ich das, und wir finden gemeinsam eine Lösung. Dadurch gibt es einen sehr guten Zusammenhalt in meinen Kursen. 

Wenn Sie an die Zukunft denken: Welche Wünsche haben Sie für die Theaterarbeit mit jungen Menschen und welche Rolle kann Theater künftig in der Bildung spielen?

Dass es das „Kindermundtheater“ und das „My Theater“ noch viele, viele Jahre geben wird. Es wäre auch schön, wenn meine Arbeit noch stärker als das wahrgenommen wird, was sie ist: professionell, engagiert und mit großer Sorgfalt gemacht. 

Theater ist Bildung. Theater war schon immer das Sprachrohr des Volkes. Das sind wir, das sind unsere Geschichten, und das geht uns alle an. Theater bringt uns zum Lachen, zum Weinen, Angst zu haben, Vertrauen zu gewinnen, zu lieben, weiterzumachen, nicht wegzuschauen, Hilfe zu holen und all das zu diskutieren. 

Schnuppertage:

• 23. September, 16 Uhr: Schnuppertag „Kindermund-theater“ im Full Haus Marchtrenk in der Goethestraße 7

• 23. September, 17 Uhr: Schnuppertag „My Theater“ im Full Haus Marchtrenk 

Ob Schule, Firma oder privat – Gudrun Moser kann bei Interesse kontaktiert werden unter gugi056@yahoo.com oder 0676/639 56 88, auf Instagram oder auf ihrer Website: www.kindermundtheater.at.

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