Manuela Wenger: Wertschätzung to go
Manuela Wenger, Die Wertschätzerin, erklärt im Interview, warum Unternehmenskultur gerade in Zeiten von Künstlicher Intelligenz über Orientierung, Engagement und Zukunftsfähigkeit entscheidet.
Manuela Wenger, Die Wertschätzerin © MoveX
Kultur wirkt.
Künstliche Intelligenz verändert nicht nur Technologien, Prozesse und Geschäftsmodelle, sondern stellt auch grundlegende Fragen nach der Rolle des Menschen in der Arbeitswelt. Während Automatisierung neue Möglichkeiten eröffnet, wachsen zugleich Unsicherheit und Orientierungsbedarf in Organisationen. Unternehmenskultur, Führung und zwischenmenschliche Beziehungen werden zu entscheidenden Erfolgsfaktoren im Wandel. Manuela Wenger, Die Wertschätzerin, begleitet Unternehmen in Transformationsprozessen. Mit ihrem strategischen 360°-Ansatz „Next.Culture“ zeigt sie auf, wo Kultur Orientierung gibt, wo sie Energie kostet und was es braucht, damit Zusammenarbeit, Führung und Bindung wieder wirksam werden.
Manuela Wenger im Interview
Frau Wenger, Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt rasant. Was bedeutet dieser Umbruch für Menschen und Unternehmenskultur?
Wir dürfen KI nicht nur als Technologiethema sehen, sondern auch als das, was sie mit uns Menschen am Arbeitsplatz macht. International zeigen sich bereits Auswirkungen: In den USA haben Uni-Absolventen so schlechte Jobchancen wie zuletzt während der Corona-Zeit, in Deutschland steigt die Arbeitslosigkeit unter jungen Akademiker deutlich an. Besonders betroffen sind Einstiegs-Tätigkeiten in wissensintensiven Berufen, die sich als erste automatisieren lassen, etwa Recherche-Tätigkeiten in Kanzleien oder Befundungen in der Radiologie. Viele Menschen fragen sich: Bin ich noch gebraucht? Wie sieht meine Rolle in Zukunft aus? Genau hier zeigt sich, wie tragfähig Unternehmenskultur wirklich ist. Organisationen müssen Perspektiven geben, Ängste ernst nehmen und Menschen im Umgang mit KI befähigen. Der Mensch muss trotz allem im Mittelpunkt bleiben.
Studien zeigen sinkendes Engagement. Was bedeutet das konkret für Unternehmen?
Gerade in Zeiten steigender Leistungsanforderungen wird Beziehungsmanagement zum Schlüsselfaktor. Menschen ziehen sich zurück, wenn sie sich nicht gesehen, gehört oder wirksam fühlen, mit direkten Folgen für Zusammenarbeit, Innovationskraft und Bindung. Engagement entsteht nicht durch Benefits, sondern durch gelebte Beziehung: durch Führung, den Umgang mit Leistung und Entwicklung sowie das Gefühl, Teil von etwas Sinnvollem zu sein.
Wenn wir von Beziehungsmanagement sprechen, kommen wir zu Ihrem Herzensthema Wertschätzung. Warum ist sie so wichtig?
Wertschätzung ist kein „Nice-to-have“, sondern ein echter Performancefaktor. Studien zeigen, dass Teams mit hoher emotionaler Bindung deutlich produktiver und rentabler arbeiten – nämlich rund 20 Prozent mehr Produktivität und Rentabilität sowie sinkende Krankenstände und geringere Fluktuation. Wenn man bedenkt, dass eine Kündigung im Schnitt rund eineinhalb Jahresgehälter kostet, wird die wirtschaftliche Relevanz deutlich.
Zugleich ist Wertschätzung sehr vielfältig.
Wir reden oft aneinander vorbei, weil jeder etwas anderes darunter versteht. Deshalb braucht es Klarheit: Was bedeutet Wertschätzung für mich – und was für mein Gegenüber? Erst dann kommen wir vom ICH zum DU und weiter zum WIR und damit zu funktionierender Zusammenarbeit. Genau aus diesem Grund habe ich mein Buch „Wertschätzung to go“ geschrieben – als praxisnahen Zugang für den Arbeitsalltag..
Wertschätzung ist kein „Nice-to-have“, sondern ein echter Performancefaktor.
Manuela Wenger
Sie begleiten Unternehmen in Transformationsprozessen ihrer Unternehmenskultur. Wie kann man sich eine solche Begleitung vorstellen?
Kulturarbeit beginnt oft mit einem konkreten Anlass – etwa einer Mitarbeiterbefragung, einer Evaluierung psychischer Belastungen oder dem Gefühl, an Attraktivität als Arbeitgeber zu verlieren. Die Themen dahinter sind jedoch individuell. Jedes Unternehmen steht an einem anderen Punkt, mit eigenen Herausforderungen und Zielen. Deshalb begleite ich Organisationen maßgeschneidert, je nach Ausgangslage, Kulturreife und gewünschter Entwicklung.
Für umfassendere Prozesse habe ich meinen strategischen 360°-Ansatz „Next.Culture.“ entwickelt. Er verbindet Analyse und Begleitung und zeigt auf, wo Kultur Orientierung gibt, wo sie Energie kostet und was es braucht, damit Zusammenarbeit, Führung und Bindung wieder wirksam werden. Damit entsteht eine klare Praxisgrundlage für Entscheidungen und nächste Schritte.
Sie schaffen mit Ihren WertschätzungSummits Räume für Austausch und Reflexion. Warum braucht es solche Formate gerade jetzt?
Gerade in Phasen tiefgreifender Transformation braucht es Orte, an denen Führung, Unternehmens-kultur und Zusammenarbeit praxisnah reflektiert werden können. Solche Dialog- und Denkräume habe ich mit den WertschätzungSummits bereits mehrfach geschaffen – unter anderem bei Biogena in Salzburg. Im Herbst setzt sich der Dialog fort: mit WertschätzungSummits im Oktober in München und im November in Wien. Weitere Infos unter
www.WertschaetzungSummit.at.
Buchtipp

Manuela Wenger, Wertschätzung to go, € 24
Erhältlich bei: diewertschaetzerin.at
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