Ulli Wrigth, Chefredakteurin der Oberösterreicherin

Editorial: Wein trinken, Wasser predigen

In vielen Artikeln habe ich dazu aufgerufen, regelmäßig zur Vorsorge zu gehen. Nur selbst habe ich meinen Rat kaum befolgt.

2 Min.

© Sarah Katharina Photography

Wein trinken, Wasser predigen – so ähnlich habe ich es lange mit der Vorsorge gehalten. In vielen Artikeln habe ich dazu aufgerufen, regelmäßig zur Vorsorge zu gehen. Nur selbst habe ich meinen Rat kaum befolgt. Zur Mammografie bin ich zwar alle zwei Jahre gegangen, vor allem dank der Erinnerung, die zuverlässig ins Haus flattert. Alles andere habe ich auf später verschoben.

Berufliche Termine, Familie, Freunde – für alles fand ich Zeit. Nur für meine Gesundheit offenbar nicht. Erst als Freundinnen die Diagnose Brustkrebs bekamen, wurde ich achtsamer. Im Sommerurlaub setzte ich mich schließlich eine Stunde hin und vereinbarte all jene Untersuchungstermine, die längst fällig waren.

Gut so. Denn nach einer Untersuchung erhielt ich die Nachricht, mein Ergebnis sei da und ich solle mich melden. Ich habe in dieser Nacht kaum geschlafen. Allein der Gedanke, dass sich mein Leben von einer Minute auf die andere verändern könnte, hielt mich wach. Am nächsten Tag kam die Entwarnung: Es war etwas Harmloses. Die Erleichterung war riesig.

Allein der Gedanke, dass sich mein Leben von einer Minute auf die andere verändern könnte, hielt mich wach.

Wie entscheidend es sein kann, rechtzeitig hinzuschauen und seinen Körper zu kennen, zeigt die Geschichte von Julia Speiser. Vor einem Jahr, an ihrem 38. Geburtstag, ertastete sie einen Knoten in ihrer Brust und ließ ihn abklären. Die Diagnose: aggressiver Brustkrebs. Nach 16 Chemotherapien, einer Operation, 20 Bestrahlungen und 18 Immuntherapien sagt sie: „Dass ich heute dort stehe, wo ich stehe, verdanke ich der frühen Diagnose.“ Im Interview erzählt die zweifache Mutter und Unternehmerin, wie sie durch dieses schwere Jahr gegangen ist, ohne ihren Optimismus zu verlieren. Liebe Julia, danke für deine Offenheit. Und dafür, dass du anderen betroffenen Frauen zeigst, dass sie mit ihrer Angst nicht allein sind.

Gehen Sie zur Vorsorge. Hören Sie auf Ihren Körper. Und nehmen Sie sich selbst genauso wichtig wie die Menschen, für die Sie immer Zeit finden.
 
Ihre Ulli Wright

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