
Katrin steckt nicht nur ihr ganzes Herzblut in ihre Bio-Landwirtschaft, sondern studiert nebenbei an der BOKU. Für unser Covershooting posiert sie im Dirndl von der Wechselstube im Benediktinerstift Lambach. ©Dominik Derflinger.
Katrin Eckerstorfer (28) aus St. Johann am Wimberg ist unsere „Bäuerin des Jahres 2025“. Mit nur 24 Jahren hat die gelernte Bürokauffrau den Hof ihrer Eltern übernommen. Im Interview erzählt sie, wie sie die Landwirtschaft gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Georg auf Bio-Heumilch umgestellt hat und mit innovativen Ideen weiterführt.
Mehr als 11.000 Stimmen zeigten beim diesjährigen Online-Voting, wie sehr unsere Leserinnen und Leser hinter ihren Bäuerinnen stehen. Gewonnen hat Katrin Eckerstorfer vom Bio-Hof „Petern z’Kitzberg“ in St. Johann am Wimberg. Eine junge Frau, die mit Herz, Mut und Leidenschaft ihren ganz eigenen Weg geht.

Katrin hat den elterlichen Hof vor vier Jahren übernommen – als Quereinsteigerin, die ursprünglich eine kaufmännische Ausbildung gemacht hat und aktuell Agrarwissenschaften studiert. Gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Georg hat sie den Betrieb auf Bio-Heumilch umgestellt und für die Rinder einen neuen Wohlfühlstall gebaut. Aber Katrin ist nicht nur eine leidenschaftliche Bio-Bäuerin, sondern auch Direktvermarkterin, die mit ihrem „BioECK“ vor dem Hof frische Milchprodukte, Brot, Gemüse, Säfte und Honig direkt zu den Menschen bringt.
Nominiert wurde Katrin unter anderem auch von ihrer Schwägerin, die sie bei unserem
Covershooting im Benediktinerstift Lambach begleitet hat. An ihrer Seite auch Lebenspartner Georg, der unsere „Bäuerin des Jahres“ mit Humor und Liebe begleitet hat.

Katrin, wie war der Moment, als du erfahren hast, dass du Bäuerin des Jahres bist?
Ich war gerade in voller Montur im Folientunnel und wollte mit der Motorsense loslegen, als plötzlich das Handy läutete. Also habe ich mich wieder ausgezogen und am Telefon erfahren, dass ich „Bäuerin des Jahres“ geworden bin. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet, die Freude war überwältigend.
Du bist 28 Jahre jung und hast vor vier Jahren den Hof von deinen Eltern übernommen. War für dich immer klar, dass du Bäuerin wirst?
Nein, ich hatte auch andere Pläne. Außerdem habe ich zwei Brüder, und früher war es selbstverständlich, dass der Älteste den Hof übernimmt. Erst als ich meinen Lebenspartner Georg kennengelernt habe, ist die Leidenschaft zur Landwirtschaft wieder entfacht und die Idee, den Hof zu übernehmen, entstanden. Er kommt ebenfalls von einem Bauernhof und teilt meine Leidenschaft für die Biolandwirtschaft. Mein Bruder war fest in seinem Beruf verwurzelt und hat uns so den Betrieb überlassen, den Georg und ich seitdem gemeinsam führen.
Leben deine Eltern auch am Hof und helfen sie noch mit?
Ja, meine Eltern wohnen in einem eigenen Haus am Hof. Uns war wichtig, dass sie wirklich in Pension gehen können. In vielen Betrieben arbeitet die ältere Generation noch lange Zeit voll mit, das wollten wir bewusst anders handhaben. Meine Eltern haben sich ihre Pension mehr als verdient. Natürlich unterstützen sie uns trotzdem: Meine Mama kocht, wir können jederzeit bei ihr essen, und wenn wir einmal weg müssen, sind sie sofort zur Stelle.
Wie unterscheidet sich dein Zugang zur Landwirtschaft von dem deiner Eltern?
Meine Eltern führten den Hof im Nebenerwerb und als konventionellen Betrieb. Für Georg und mich war klar, den Betrieb auf biologische Landwirtschaft umzustellen. Anfangs haben wir beide noch Vollzeit gearbeitet, doch schnell waren wir uns einig: Wenn man so viel Herzblut und Zeit in den Hof steckt, sollte man auch davon leben können. Ich arbeite noch fünf Stunden pro Woche als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Biokompetenzzentrum Schlägl, was meine praktische Arbeit am Hof und mein Studium an der BOKU perfekt ergänzt.
Bio ist für mich nicht nur ein Siegel, sondern eine Lebenseinstellung.
Katrin Eckersdorfer
Wie viele Rinder leben bei euch am Hof und welche Bereiche der Landwirtschaft deckt ihr ab?
Wir haben 40 Rinder, davon 24 Milchkühe. Vor vier Jahren haben wir einen Tierwohlstall gebaut, in dem sich die Kühe frei bewegen und hinlegen können, wo sie möchten. Ich glaube, sie sind dort sehr glücklich. Außerdem betreiben wir eine Direktvermarktung mit Milchprodukten, Getreide, Brot, Säften und Honig. Mir ist wichtig, ein breites und abwechslungsreiches Angebot zu haben.
Bezüglich Direktvermarktung hast du mit dem „Bio-Eck“ einen Selbstbedienungsladen vor eurem Hof gegründet. Wie kam es dazu?
Das war immer ein Traum von mir, und wenn ich etwas ausprobieren will, dann mache ich es einfach. Dass aus dem Traum vom „Bio-Eck“ Realität wurde und dass es so gut angenommen wird, freut mich riesig. Es ist etwas ganz Besonderes, die eigene Milch zu verarbeiten und regionale Produkte anbieten zu können.

Sind alle Produkte, die ihr anbietet, aus eurer eigenen Landwirtschaft?
Ja, alles stammt von unserem Hof. Ich mache zum Beispiel Frischkäse, Joghurtbällchen, Grill- und Hirtenkäse sowie Fruchtjoghurts mit hausgemachten Fruchtzubereitungen. Besonders beliebt ist unsere Rohmilch, die gibt es in Flaschen nur direkt beim Bauern und nicht in den Geschäften. Außerdem backe ich Brot mit einem Sauerteig, den ich vor 15 Jahren angesetzt habe. Der ist einfach großartig, und auf mein Brot gibt es mittlerweile einen regelrechten Run.
Ihr habt den Betrieb auf Bio-Heumilch umgestellt. Was ist daran das Besondere?
Die Heufütterung ist die ursprünglichste Art der Rinderfütterung, evolutionär gesehen haben Kühe schon immer Heu und Gras gefressen. Als Heumilchbetrieb verzichten wir zur Gänze auf vergorene Futtermittel. Bio ist für mich nicht nur ein Siegel, sondern eine Lebenseinstellung. Natürlich gibt es viele Auflagen: Der Stall muss zum Beispiel Mindest-Auslaufflächen bieten, Pestizide sind tabu, und alles muss genau dokumentiert werden. In der Direktvermarktung ist jedes einzelne Produkt bio-zertifiziert, das heißt, jede Rezeptur muss schriftlich festgehalten werden. Bei 50 bis 60 Produkten kommt da einiges zusammen.
In Österreich sperren täglich neun Bauernhöfe zu, in Oberösterreich wurden zwischen 2020 und 2023 fast 2.000 Betriebe aufgegeben. Woran liegt das deiner Meinung nach?
Die Betriebe werden tendenziell größer, weil viele kleine Landwirte aufhören – gerade im Vollerwerb ist es oft finanziell nicht mehr tragbar. Das ist schade. Kleinstrukturierte Betriebe müssen erhalten bleiben, denn unsere Landschaft ist nur so schön, weil kleine Bauern noch selbst mit dem Rechen auf der Wiese stehen. Auch in der Hofnachfolge hat sich einiges verändert: Heute übernehmen in der Regel nur noch jene, die wirklich wollen und nicht, weil sie müssen. Das bringt zwar Veränderungen, eröffnet aber auch neue Chancen.
Wie reagieren die Leute, wenn sie erfahren, dass du als junge Frau deinen eigenen Betrieb führst?
Sehr positiv! Besonders, wenn sie hören, dass ich Bio-Bäuerin bin. Das gibt oft noch einmal einen kleinen Bonus. Wenn man hinter dem steht, was man tut, und seine Arbeit mit Herzblut macht, dann spüren das auch andere. Wir dürfen uns in der Landwirtschaft nicht darauf verlassen, dass andere für uns Werbung machen, sondern erzählen, wie es wirklich ist. Landwirtschaft ist nicht das Schweinchen im Fernsehen, das herumspringt und redet. Das ist einfach völlig unauthentisch.
Landwirtschaft heißt auch: kein Wochenende, kaum Urlaub. Wie gehst du damit um?
Es stimmt, eigentlich arbeitet man die ganze Woche. Selbst wenn man sich vornimmt, einmal nichts zu tun, entdeckt man doch wieder etwas, das gemacht werden muss. Beim Käsen kann ich zum Beispiel nicht einfach sagen: „Am Sonntag mache ich nichts.“ Das ist oft sehr herausfordernd. Trotzdem überwiegt eindeutig das Positive, weil ich meinen Arbeitsplatz zu Hause habe und nicht pendeln muss. Und wenn man sein Hobby zum Beruf machen kann, ist das für mich das Schönste überhaupt.

Wie erlebst du den Klimawandel? Welche Entwicklungen machen dir Sorgen?
Die extremen Wetterphasen, wie langanhaltender Regen oder große Hitze mit Trockenheit, sind eine enorme Herausforderung, auch psychisch. Dass sich das Klima verändert, ist spürbar. Unsere Arbeit ist schwieriger geworden, und selbst die Lebensmittelsicherheit ist nicht mehr ganz gewährleistet. Auch die Tiere leiden unter langanhaltender Hitze, und man muss Wege finden, ihre Körpertemperatur zu senken.
Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in die Landwirtschaft. Ihr habt einen neuen Stall gebaut, nutzt ihr digitale Tools?
Wir sind eher „oldschool“ unterwegs (lacht). Der direkte Kontakt und das Kuscheln mit den Kühen sind mir wichtig. Sie sind für uns nicht nur Nutztiere, sie sind wie Haustiere. Ich will keine Datenauswerterin sein, sondern die Kühe täglich sehen, mit ihnen reden und spüren, wie es ihnen geht. Vollautomatisierte Systeme nutzen wir nicht, aber wir nutzen Tools zur Leistungserfassung und zum Gesundheitsmonitoring.
Auf Instagram bist du als #biokati aktiv. Welches Bild möchtest du dort von dir und eurer Arbeit vermitteln?
Ich möchte ein authentisches Bild von unserer Biolandwirtschaft wiedergeben und zeige, wie wir wirklich arbeiten und wie viel rund um die Uhr auf dem Hof passiert. Vor allem liegt mir auch die Qualität der Lebensmittel am Herzen, denn was wir essen, wirkt direkt auf unseren Körper. Frei nach dem Motto: „Du bist, was du isst.“
Und wenn du in die Zukunft schaust, wo siehst du deinen Hof in zehn Jahren? Was wünschst du dir von Politik und Gesellschaft?
Ich wünsche mir faire Preise für unsere Produkte, die ihrem Wert gerecht werden. Die kleinstrukturierte Landwirtschaft sollte stärker gefördert werden, mit klarer Differenzierung zur Agrarindustrie in anderen Ländern. Außerdem lohnt es sich, kreativ zu sein und auf Vielfalt zu setzen. Auf einem Teil unserer Fläche bauen wir zum Beispiel Bio-Gemüse an, mit dem wir einen Wirt im Ort und ein kleines regionales Geschäft beliefern.
Wenn du einmal nicht am Hof arbeitest, wobei kannst du am besten abschalten?
Das ist tatsächlich schwierig, weil Freizeit bei uns sehr knapp ist. Abschalten kann ich beim Unkrautzupfen. Und wir haben hinter dem Hof einen richtig schönen Platz, von dem man einen tollen Blick ins Mühlviertel hat. Außerdem ist es mir wichtig, Zeit mit meinen Freundinnen zu verbringen. Georg und ich sind auch bei der örtlichen Musikkapelle aktiv. Aber meist nur im Herbst und Winter, da wir seit fünf Jahren immer wieder Baustellen neben dem Betrieb haben, und das macht es natürlich nicht einfacher.
In Kürze:
Glücklich macht mich, … wenn aus einem Samenkorn eine Pflanze wird.
Niemals vergessen werde ich, … wie ich Georg vor acht Jahren am Hollerbergfest kennengelernt habe, ganz oldschool – und euren Anruf, dass ich „Bäuerin des Jahres“ bin.
Schwach werde ich … beim verschmitzten, liebevollen Blick meines Bauern.
Es ärgert mich, … wenn Rinder als Klimasünder hingestellt werden, obwohl sie wertvolle Futterverwerter sind.
Mein Motto: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“
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