Zu viel von Allem und zu wenig vom Richtigen …
In seinem neuen Buch zeigt Psychiater Michael Lehofer auf, warum uns Überfluss oft erschöpft.
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In einer Zeit, in der wir rund um die Uhr erreichbar sind, in der Technologien unser tägliches Erleben strukturieren und das äußere Tempo immer weiter zunimmt, drängt sich eine Frage auf, die kaum noch gestellt wird: Was macht ein gutes, ein erfülltes Leben aus?
Genau dieser Frage widmet sich der Psychotherapeut, Psychologe und Psychiater Dr. med. Dr. phil. Michael Lehofer in seinem Buch „Zu viel von Allem und zu wenig vom Richtigen: Begegnung – Lebendigkeit – Liebe“.
Nicht Mangel ist das Problem:
Schon der Titel bringt seine zentrale These auf den Punkt. Wir leben in einer Welt des Überflusses: zu viele Informationen, zu viel Input, zu viele Optionen, zu viele Kontakte. Gleichzeitig fehlt es uns aber an dem, was unser Leben wirklich nährt – an Tiefe, an Nähe, an echtem Erleben. Nicht Mangel ist das Problem unserer Zeit, sondern die Verwechslung von Fülle mit Bedeutung.
Begegnung schenkt Lebendigkeit:
Im Zentrum des Buches steht das Phänomen der zwischenmenschlichen Begegnung. Michael Lehofer zeigt, dass echte Begegnungen – solche, in denen wir wirklich anwesend sind, zuhören und wahrnehmen – nicht nur selten geworden sind, sondern durch Ablenkung, Hektik und digitale Dauerkommunikation fundamental bedroht werden. Dabei sind es gerade diese Begegnungen, die Lebendigkeit schenken und unserem Leben Sinn verleihen. Wo sie fehlen, wird das Leben flach, austauschbar und innerlich leer.
Haltung statt Technik:
Er beschreibt eine Gesellschaft, die permanent vernetzt ist und dennoch an echter Verbundenheit leidet. Beziehungen verkommen zu Kontaktlisten, Gespräche zu raschem Informationsaustausch, Nähe wird unterbrochen von Bildschirmen und Gedanken, die bereits beim Nächsten sind. Dem stellt Michael Lehofer keine Technik, sondern eine Haltung entgegen: Offenheit, Präsenz und die Bereitschaft, sich berühren zu lassen – auch auf die Gefahr hin, verletzlich zu werden.
Krisen als Schlüssel zur Freiheit:
Ein weiterer wichtiger Gedanke des Buches ist der Umgang mit Krisen. Laut Lehofer müssen diese nicht möglichst schnell überwunden oder „repariert“ werden. Er versteht sie als Einladungen, innezuhalten und die Richtung des eigenen Lebens zu hinterfragen. Denn gerade in Momenten des Umbruchs, der Unsicherheit oder des Verlustes zeigt sich, was wirklich trägt. Nicht Erfolg, nicht Effizienz, nicht permanente Selbstoptimierung, sondern innere Klarheit und tragfähige Beziehungen.
Der Vergänglichkeit stellen:
Besonders eindringlich ist Michael Lehofers Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit. Das Wissen um den Tod ist für ihn kein düsterer Gedanke, sondern eine Quelle von Klarheit. „Wer sich der Vergänglichkeit stellt, lebt bewusster, entscheidet ehrlicher und verschiebt das Wesentliche nicht ständig auf später.“ In der Akzeptanz dessen, was endlich ist, liegt für Lehofer paradoxerweise die Möglichkeit zu einem erfüllteren Leben – eines, das nicht von Ablenkung bestimmt ist, sondern von Präsenz, Beziehung und Sinn.
Bewusster Verzicht:
Verwöhnung beschreibt Michael Lehofer nicht als Luxus, sondern als Zustand ständiger Befriedigung, der uns innerlich abstumpft. Wenn alles jederzeit verfügbar ist, verliert das Erleben seine Tiefe. Verwöhnung, so Lehofer, verlernt das Warten. Doch gerade dort, wo etwas fehlt, wo etwas nicht sofort erfüllt wird, beginnt Bedeutung. Erst wenn wir Unbequemes aushalten, entsteht Resonanz. Nicht im Zuviel, sondern im bewussten Verzicht gewinnt das Leben wieder Geschmack.
BUCHTIPP:

Das Buch „Zu viel von Allem und zu wenig vom Richtigen“ von Michael Lehofer ist kein klassischer Ratgeber, sondern ein philosophisch geprägter, psychologisch fundierter Wegweiser.
Kneipp Verlag Wien, 192 Seiten, € 25
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