Bäuerliche Work-Life-Balance: Zu Besuch bei Isabella Rebhan und den Milchkühen auf der Weider in Haag am Hausruck

Bäuerliche Work-Life-Balance

Ein Besuch bei Isabella Rebhan auf dem „Auerhof“ im Bezirk Grieskirchen schärft das Bewusstsein für Regionalität, für ein Leben im Rhythmus der Natur und dafür, was Kinder am Bauernhof lernen können.

5 Min.

Aus der Gastronomie kommend hat Isabella Rebhan in den Biobetrieb „Auerhof“ in Haag am Hausruck eingeheiratet, wo sie ihre Liebe zur Natur und zu den Tieren entdeckt hat. © Ana Mrvelj

Inmitten der sanften Hügel von Haag am Hausruck liegt der „Auerhof“ – ein Ort, an dem klar wird, wie erfüllend es sein kann, im Rhythmus der Natur zu arbeiten. Isabella Rebhan hat hier ihr Glück gefunden. Mit Hingabe zeigt sie, wie der Spagat zwischen Tradition und Moderne gelingt und wie sich Arbeit mit Familie unter einen Hut bringen lässt. Dabei ist die 42-Jährige nicht nur Mutter von drei Kindern im Alter von 15, elf und vier Jahren, sondern auch Bezirksbäuerin, Delegierte bei Berglandmilch und in der Leader-Region engagiert.

Der Rhythmus der landwirtschaftlichen Arbeit tut Körper und Seele gut.

Isabella Rebhan

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Wurzeln in der Gastronomie.

Ausgehend vom elterlichen Hotel Mauernböck in Rottenbach, führte sie ihr Weg von der Gastronomie und dem Eventmanagement in die Welt der Biolandwirtschaft, wo sie heute mit ihrem Mann Bernhard in vierter Generation einen Betrieb im Vollerwerb mit insgesamt 160 Tieren führt. Die Haupteinkünfte erzielt der Betrieb mit etwa 60 Milchkühen und einer Kälberaufzucht. Dass die Familie ein großes Herz für Tiere hat, wird Besuchern spätestens klar, wenn die Minischweine „Sunny“ und „Bunny“ neugierig angewackelt kommen und mit ihren Rüsseln über die saftigen Wiesen fegen. „Meistens bekomme ich Tiere zu meinem Geburtstag geschenkt“, erzählt Isabella Rebhan lachend.

Schule am Bauernhof.

Bei einem Rundgang präsentiert sich der „Auerhof“ als wahres Paradies für Tiere und Kinder. Neben den Minischweinen bevölkern auch Ponys, Ziegen, Hasen, Katzen und Meerschweinchen den Hof und bieten eine Umgebung, die zum Entdecken und Lernen einlädt. „Es ist mir wichtig, Kindern zu zeigen, wo unsere Lebensmittel herkommen“, sagt Isabella Rebhan. Vom Ursprung der Milch bis zum Butter schütteln: Als Bezirksbäuerin setzt sie sich dafür ein, dass Kinder ein Bewusstsein für die Herkunft ihrer Lebensmittel entwickeln. Mit Projekten wie „Schule am Bauernhof“ möchte sie dem Nachwuchs die Bedeutung der regionalen Landwirtschaft näherbringen und vermitteln, wie viel Arbeit in den Lebensmitteln steckt.

Es ist mir wichtig, Kindern zu zeigen, wo unsere Lebensmittel herkommen. 

Isabella Rebhan

Milch: Qualität, die sich lohnen sollte.

Der „Auerhof“ ist ein typischer Veredelungsbetrieb, der sich auf die Produktion von Milch spezialisiert hat. Die Kühe behalten ihre Hörner, eine Seltenheit, die den Tieren ein natürlicheres Leben ermöglicht und sogar die Qualität der Milch positiv beeinflusst. „Unsere Milch entspricht S-Klasse – eine Klassifizierung, die für hohe Qualität steht“ und auch für die Marke „Ja natürlich“ verarbeitet wird, erklärt Isabella Rebhan stolz. Bei den Konsumenten hätten Lebensmittel wie Milch zwar einen hohen Stellenwert und der Standard in Österreich sei hoch, aber die Wertschätzung der Arbeit in der Landwirtschaft sei nicht immer gegeben, besonders wenn es um Preisdiskussionen geht. „Ich würde mir schon mehr Anerkennung für die Qualität und den Aufwand wünschen, der in die Produktion von Lebensmitteln, insbesondere Milch, fließt“, so die Hausruckviertlerin. Sie hebt hervor, dass der Preis für Milch stark schwanken kann und dies erhebliche Auswirkungen auf die Einnahmen eines Betriebs hat. Für Isabella Rebhan ein Umstand, wo am falschen Fleck gespart wird.

Investieren und modernisieren.

Die Finanzen stets im Blick zu behalten, das ist betriebswirtschaftlich unerlässlich. „Investitionen sind ein ständiger Begleiter in der Landwirtschaft,“ gibt Isabella Rebhan zu bedenken, die sich zur Finanzministerin des Betriebs entwickelt hat. „Wir müssen immer wieder in unseren Hof investieren, um modern und effizient zu bleiben. Es ist ein Kreislauf – das Geld, das wir verdienen, fließt oft zurück in den Betrieb. Gerade bei den großen Projekten, wie dem Bau neuer Stallungen oder der Anschaffung von Maschinen, müssen wir genau kalkulieren. Aber es ist wichtig, dass wir uns weiterentwickeln, um den Anforderungen gerecht zu werden und unseren Bio-Status zu erhalten.“

Herausforderungen der Biolandwirtschaft.

Die Herausforderungen in der Biolandwirtschaft sind zahlreich. Die Einhaltung der strengen Richtlinien erfordert ständige Aufmerksamkeit und Anpassung. „Man kann jederzeit eine Kontrolle haben“, sagt die Bäuerin, was aber auch gut und wichtig wäre. Besonders die Unkrautbekämpfung am Feld ist ein großes Thema, das viel Handarbeit erfordert, denn Pestizide sind im Bioanbau verboten. Trotz der Herausforderungen ist sie überzeugt von der Bedeutung der bäuerlichen Arbeit und der biologischen Landwirtschaft – für den Menschen, aber auch zur Pflege der Landschaft.

Mit der Natur verbunden.

Im Gespräch merkt man, dass Isabella Rebhan ihre Berufung gefunden hat. Sie hat sich in die Welt der Landwirtschaft eingearbeitet und dabei eine tiefe Verbindung zur Natur und ihren Rhythmen entwickelt. „Der Rhythmus der landwirtschaftlichen Arbeit tut Körper und Seele gut“, ist sie überzeugt. Die Arbeit auf dem Hof bietet ihr die Möglichkeit, immer bei ihren Kindern zu sein und gleichzeitig eine erfüllende Tätigkeit auszuüben. Als weitgehende Selbstversorger bauen die Rebhans ihre Tomaten und Kartoffeln an, backen ihr eigenes Brot, stellen Produkte wie Joghurt her und genießen die Früchte ihrer Arbeit. „In der Gastronomie hat man viel Leistungsdruck, hier kann ich mir die Zeit besser einteilen“, erzählt die Landwirtin.

Der Lohn für die Arbeit.

Das Leben auf dem Bauernhof ist nicht immer einfach. Die Arbeit ist hart, Urlaub selten und die Freizeit begrenzt. Doch Isabella Rebhan und ihre Familie haben einen Weg gefunden, ihre Arbeit mit ihrem Leben zu verbinden und den Kindern ein Aufwachsen im Einklang mit der Natur zu ermöglichen. „Die Vorteile überwiegen auf jeden Fall“, bestätigt die Dreifachmama. Hier zeigt sich, dass die Landwirtschaft nicht nur Arbeit ist, sondern eine Lebensweise, die Körper und Seele gut tut.

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