Mimisglobe: Sudern verbindet!
Influencerin Marlene Berger, besser bekannt als "Sudertante" @mimisglobe, über Erfolg, Dialekt und Inspiration.
© Sarah Katharina
Vor zwei Jahren arbeitete Marlene „Mimi“ Berger noch 40 Stunden in der Presseabteilung von ORF III und drehte abends ihre Satire-Videos. Heute ist „mimisglobe“ ihr Beruf. Mit Schmäh, Dialekt und einem genauen Blick auf den Alltag begeistert die 28-Jährige nicht nur auf Social Media, sondern hat vor Kurzem auch im Fernsehen überzeugt.
125.000 Follwer auf Instagram
Wenn Papa im Garten werkt, Mama mit den Katzen spricht oder jemand am Würstelstand eine „Eitrige“ bestellt, hört Marlene, besser bekannt als Mimi, ganz genau hin. Denn der Alltag liefert der 28-jährigen Grieskirchnerin, die seit zehn Jahren in Wien lebt, die besten Geschichten. Dass daraus einmal ein Beruf werden würde, hätte sie im August 2024 nicht gedacht, als sie beim Wandern in Südtirol ihr erstes Suder-Video postete. Heute folgen ihr auf Instagram 125.000 Menschen, sie moderierte bereits ein eigenes ORF-Format und machte aus ihrem Content ein kleines Unternehmen.

Modelqualitäten bei Covershooting
Zum Covershooting trafen wir Mimi Berger im Schlossmuseum Linz, wo sie in Outfits vom Modehaus KOLM ihre Modelqualitäten unter Beweis stellte. Gesudert wurde trotz 30 Grad im Schatten nicht. Dafür erzählte sie beim Blick über Linz von ihrem Heimatgefühl – und ließ durchblicken, dass Oberösterreich vielleicht schon bald wieder mehr als nur regelmäßiger Besuch sein könnte.
Mit „Eurovision Vintage Feelings“ haben Sie erstmals ein eigenes ORF-Format moderiert, vor Kurzem waren Sie auch bei Barbara Stöckl zu Gast. Spüren Sie, dass sich gerade beruflich einiges verändert und neue Möglichkeiten entstehen?
Ja, absolut. Aktuell eröffnen sich viele Möglichkeiten. Ich hätte mir nie gedacht, dass man durch Social Media zu Moderationen kommen kann oder irgendwann sagt: „Hey, vielleicht machen wir ein Kabarett.“ Im Moment scheint vieles möglich zu sein, und es ist schön zu sehen, wie sich das alles entwickelt.
Auf Social Media sind Sie als „Sudertante“ bekannt. Warum funktioniert das Sudern in Österreich so gut?
Weil sich viele Leute darin wiederfinden. Sudern hat einen hohen Wiedererkennungswert. Es ist zwar oft ein bisschen negativ behaftet, aber ich persönlich sehe es gar nicht so negativ. Wenn ich heute sage: „Das Wetter ist aber auch nicht so mächtig“, und Sie sagen: „Na, wirklich nicht“, sind wir sofort im Gespräch und irgendwie gleich auf einer Wellenlänge. Sudern hat für mich deshalb auch etwas Verbindendes. Wir tun es schließlich alle – und genau deshalb schickt man so ein Video gerne weiter und sagt: „Schau, genau das hab ich mir auch gedacht!“
Ihre Videos sind kleine Ein-Frau-Shows: Sie spielen, erzählen und inszenieren sich selbst. Standen Sie schon immer gerne im Rampenlicht?
Ja. Mein Bruder Florian, der mich beruflich unterstützt, und ich hatten schon als Kinder eine ähnliche Konstellation wie heute: Ich habe gerne Theater gespielt und wollte auf die Bühne, und er war lieber im Hintergrund und hat den Beleuchter gemacht. (lacht) Für mich war schon früh klar, dass ich einmal moderieren, vor der Kamera stehen oder Schauspielerin werden möchte. Besonders das Theater hat mich immer fasziniert. Dieser Wunsch, Menschen zu unterhalten, war schon immer da.
Ihre Karriere als Content-Creatorin ist noch sehr jung. Was haben Sie gemacht, bevor Social Media zum Beruf wurde?
Ich habe in Wien Publizistik im Bachelor studiert und danach einen Master in Zeitgeschichte und Medien absolviert. Schon während des Studiums habe ich viele Praktika gemacht – beim Radio in Linz und später auch beim Fernsehen in Wien. Danach war ich zwei Jahre bei ORF III in der Presseabteilung tätig. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass mir das Kreative fehlt: mich selbst auszuprobieren, Ideen umzusetzen und auch vor der Kamera zu stehen. Parallel dazu hat sich Social Media immer stärker entwickelt – und so hat sich eines nach dem anderen ergeben.



Ich rede, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Mein Dialekt gehört einfach zu mir!
Marlene “Mimi” Berger
Im August 2024 haben Sie Ihr erstes Video gepostet. Hätten Sie damals gedacht, dass daraus einmal Ihr Beruf wird?
Überhaupt nicht. Mein erstes Video habe ich beim Wandern mit einer Freundin gemacht und dabei einfach ein bisschen gesudert. Dann habe ich gemerkt, wie viel Spaß mir das macht. Videos zu drehen und zu schneiden, habe ich schon als Jugendliche geliebt. Aber ich hatte nie die Intention, Influencerin zu werden, und hätte auch nicht gedacht, dass man davon tatsächlich leben kann.
Wann wurde mehr daraus?
Ab Jänner 2025 habe ich regelmäßig gepostet und plötzlich kamen immer mehr Kooperationsanfragen. Von Video zu Video habe ich dazugelernt und irgendwann gemerkt, wie viel eigentlich dahintersteckt: Man muss ein Unternehmen anmelden, Buchhaltung machen, sich um Verträge und Kooperationen kümmern. Das bringt einem niemand bei – das meiste ist Learning by Doing. Erst da wurde mir bewusst, dass Social Media tatsächlich ein richtiges Business ist und für mich zum Beruf werden könnte. Damals habe ich noch 40 Stunden gearbeitet und die Videos abends nebenbei gemacht.
Im Herbst 2025 haben Sie schließlich Ihren Job aufgegeben und sich selbstständig gemacht. Wie viel Mut hat Sie dieser Schritt gekostet?
Ich hatte auf jeden Fall Respekt davor. Social Media ist unglaublich schnelllebig und ich wusste nicht: Funktioniert das wirklich langfristig oder ist das vielleicht nur eine Welle, die in einem Jahr wieder vorbei ist? Meine Familie hat mich aber sehr unterstützt. Meine Oma und meine Mama sind meine größten Fans, vor allem hat mich auch mein Papa bestärkt. Er hat gesagt: „Du bist jung, du hast eine gute Ausbildung – was soll passieren? Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Das hat mir sehr geholfen. Und ich habe diesen Schritt bis heute nie bereut.

Nach außen wirkt das Influencer-Dasein oft ziemlich „easy“. Wie viel Arbeit steckt hinter einem 30-sekündigen Video?
Von der Aufnahme bis zum fertigen Video kann die Produktion zwischen einem halben und einem ganzen Tag dauern. Und es geht längst nicht nur darum, Videos zu produzieren. Wer langfristig erfolgreich sein möchte, muss sich eine eigene Marke aufbauen. Viele nutzen ihre Reichweite irgendwann für eigene Produkte, ein Kabarett oder den Schritt in Film und Fernsehen. Dazu kommen Pressetermine, Events und Networking. Es ist ein ganzheitlicher Job, der von außen schwer zu greifen ist. Genau deshalb braucht man irgendwann auch ein Team und Unterstützung.
Wie viele Menschen arbeiten aktuell hinter „mimisglobe“?
Mittlerweile sind es vier Personen, die mit mir zusammenarbeiten. Meine Managerin übernimmt die Kommunikation mit Kooperationspartnern und kümmert sich um vieles Organisatorische. Dazu kommt ein Videograf, der mich unter anderem beim Schneiden unterstützt, und seit Kurzem habe ich auch eine Assistentin fürs Community-Management. Und dann ist da natürlich noch mein Bruder, der mich schon lange begleitet und mir zur Seite steht. Man unterschätzt wirklich, wie viel Arbeit hinter Social Media steckt.
Ich liebe es, Menschen zum Lachen zu bringen. Wo genau mich das hinführt, lasse ich auf mich zukommen!
Marlene “Mimi” Berger
Bei diesem Job verschwimmen die Grenzen zwischen Privat- und Berufsleben schnell. Schaffen Sie es, abzuschalten?
Das ist schwierig. Selbstständig bedeutet eben oft auch „selbst und ständig“. Dazu kommt, dass das Handy mein ständiger Begleiter und gleichzeitig mein wichtigstes Arbeitsgerät ist. Deshalb tue ich mir schwer damit, einmal wirklich offline zu sein. Dabei weiß ich, dass solche Auszeiten wichtig wären – auch für die Kreativität. Im Moment bin ich aber noch in einer Phase, in der so viel passiert und ich am liebsten alles mitnehmen möchte.
Der Algorithmus ist unberechenbar und Reichweite kann schwanken. Was passiert, wenn Ihnen einmal die Ideen fehlen?
Es gibt durchaus Phasen, in denen mir nichts einfällt. Natürlich entsteht dann ein gewisser Druck und ich denke mir: „Wenn ich die Idee nicht habe und den Content nicht produziere – wer macht es dann?“ Gleichzeitig habe ich gelernt, dass Kreativität nicht auf Knopfdruck funktioniert. Langfristig geht es ohnehin viel weniger um einzelne Klicks oder Followerzahlen, sondern darum, welche Marke man sich aufbaut und wer dahinter steht. Ich kenne Menschen mit 20.000 Followern, die sehr gut davon leben können, und andere mit 100.000, bei denen das nicht funktioniert. Entscheidend sind die eigene Nische und vor allem der Markenwert.
Mittlerweile sind Sie weit über Social Media hinaus bekannt: Landeshauptmann Thomas Stelzer greift Ihre Videos auf, Sie hatten bereits Ihre eigene TV-Sendung. Werden Sie auch auf der Straße erkannt?
Ja, schon. Mein Opa hat ganz am Anfang zu mir gesagt: „Irgendwann kommt der Tag, an dem es dir nicht mehr taugt, wenn dich die Leute erkennen.“ Dieser Tag ist zum Glück noch nicht gekommen. (lacht) Natürlich hat Social Media mein Privatleben schon sehr verändert. Man steht plötzlich in der Öffentlichkeit und manchmal möchte ich auch einfach ganz privat irgendwo hingehen. Aber grundsätzlich freue ich mich über jeden Einzelnen, der auf mich zukommt und mit mir über meine Videos plaudert. Wenn mir jemand erzählt, dass ich ihn damit zum Lachen gebracht habe, ist das für mich das Schönste an meinem Job.
Auf Instagram folgen Ihnen mittlerweile 125.000 Menschen. Wo viel Reichweite ist, sind oft auch Hater nicht weit. Wie gehen Sie mit negativen Kommentaren um?
Da bin ich zum Glück kaum betroffen. Natürlich schreibt einmal jemand: „Das finde ich jetzt nicht lustig.“ Aber dann denke ich mir: Dann schau halt woanders hin. (lacht) Dass mich jemand persönlich beleidigt oder massiv angreift, erlebe ich kaum.
Was war Ihr viralstes Video?
Mein Würstelstand-Video mit rund 2,5 Millionen Views – und ich weiß bis heute nicht genau, warum es so durch die Decke gegangen ist. (lacht) Es geht darum, wie man in Wien am Würstelstand bestellt, und um typische Ausdrücke wie „a Eitrige mit an Bugl und an G’schissenen“. Ich glaube, dass gerade diese sprachlichen Eigenheiten in Österreich unglaublich viel ausmachen. Sie schaffen Wiedererkennung und ein Gefühl von „Das kenn ich!“. Wahrscheinlich hat das Video genau deshalb so viele Menschen erreicht.
Sie leben seit zehn Jahren in Wien, Ihren oberösterreichischen Dialekt haben Sie sich trotzdem bewahrt. Ist er mittlerweile sogar ein Teil Ihrer Marke?
Die Oberösterreicherin kriegst du aus mir einfach nicht raus. (lacht) Ich rede, wie mir der Schnabel gewachsen ist, mein Dialekt gehört einfach zu mir – und damit natürlich auch zu meinen Videos. Beim Dialekt geht es nicht nur darum, was man sagt, sondern auch wie man etwas sagt und betont. Ich bekomme oft Nachrichten wie: „Wie du das sagst, erinnert mich so sehr an meine Mama oder Oma.“ Dialekt weckt Erinnerungen und schafft ein Gefühl von Heimat und Nähe. Viele Ausdrücke und Redewendungen von früher gehen heute verloren. Umso schöner finde ich es, wenn ich ein bisschen dazu beitragen kann, dass sie erhalten bleiben.

Wo finden Sie die Ideen für Ihre Videos?
Meine größte Inspirationsquelle ist das echte Leben. Mein wichtigstes Arbeitswerkzeug ist meine Beobachtungsgabe. Ich liebe es, daheim im Wirtshaus oder in einem Café zu sitzen und einfach zuzuhören, worüber und wie die Leute reden. Das ist oft das reinste Kabarett. Genauso ist es in meiner Familie: Ich beobachte meinen Papa bei der Gartenarbeit oder höre meiner Mama zu, wie sie mit den Katzen spricht. Wenn ich dann einer Freundin davon erzähle und sie sagt: „Meine Mama ist genauso“, weiß ich: Das könnte eine Videoidee sein. Die besten Geschichten schreibt eben oft der ganz normale Alltag.
Woher kommt der Name „mimisglobe“ – und warum kennt Sie kaum jemand als Marlene?
Ich habe als kleines Kind ständig auf mich selbst gedeutet und „Mimimi“ gesagt – und irgendwann ist mir der Spitzname einfach geblieben. In der Schule gab es dann auch noch eine zweite Marlene, also war ich endgültig die Mimi. Selbst bei meiner Matura hieß es: „Liebe Mimi, hier ist dein Maturazeugnis.“ Marlene nennen mich nur sehr wenige. Eigentlich sagt das fast nur meine Mama, meistens dann, wenn ich etwas angestellt habe. (lacht)
Sie leben seit zehn Jahren in Wien, sagen aber, Oberösterreich werde bald wieder Ihr Zuhause. Zieht es Sie tatsächlich zurück?
Ja, schon. Ich bin ungefähr zweimal im Monat in Oberösterreich – und es wird auch bald wieder mein Zuhause werden. Besonders das Salzkammergut ist für mich einer der schönsten Flecken überhaupt. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, wieder in Oberösterreich zu leben. Es gibt einfach nichts Schöneres als daheim.
Wenn Sie ein paar Jahre vorausblicken: Sehen Sie sich eher als Content-Creatorin, Moderatorin, Unternehmerin oder vielleicht sogar auf der Kabarettbühne?
Ich glaube, es ist alles offen – und genau das ist das Schöne an diesem Beruf. In zwei Jahren kann sich schon wieder alles komplett verändert haben. Aber eines weiß ich: Ich liebe es, Menschen zum Lachen zu bringen. Wo genau mich das hinführt, lasse ich einfach auf mich zukommen.
In Kürze:
Glücklich macht mich … meine Familie, meine Freunde, gute Gespräche und ein Tag am See.
Niemals vergessen werde ich … meinen ersten TV-Moment – wenn plötzlich ein Traum in Erfüllung geht.
Es motiviert mich, wenn … mir Menschen schreiben: „Das ist wie bei uns daheim“ oder „Du hast mir den Tag versüßt.“
Es ärgert mich, wenn … jemand den letzten von Omas Marillenknödeln isst.
Mein Motto: „Der wichtigste Glaube ist der an sich selbst.“