Michaela Altendorfer ist “Oberösterreicherin des Jahres”
Aus Sorge wurde eine Herzensmission: Michaela Altendorfer gründete vor 20 Jahren den Verein Herzkinder Österreich.
© Anna Altendorfer
Aus einer persönlichen Krise entstand eine Initiative, die heute Familien in ganz Österreich begleitet: Als Mutter eines herzkranken Kindes gründete Michaela Altendorfer den Verein Herzkinder Österreich und gibt Betroffenen seitdem Halt, Orientierung und Hoffnung. Die Auszeichnung zur „OBERÖSTERREICHERIN des Jahres“ sieht sie vor allem als Anerkennung für eine gemeinsame Herzensmission.
Was war Ihr erster Gedanke, als Sie erfahren haben, dass wir Sie als Oberösterreicherin des Jahres auszeichnen – gerade mit Blick auf Ihren persönlichen Weg?
Michaela Altendorfer: Mein erster Gedanke war große Dankbarkeit. Wenn man mitten in der Arbeit steckt, denkt man selten an Auszeichnungen, sondern an die Familien und Kinder, denen man helfen möchte. Umso berührender ist es für mich, dass aus meinem persönlichen Weg etwas entstehen durfte, das heute vielen herzkranken Kindern und ihren Familien Unterstützung gibt. Diese Auszeichnung sehe ich deshalb vor allem als Anerkennung für die gemeinsame Arbeit vieler Menschen, die Herzkinder Österreich mittragen. Allein wäre das nie möglich gewesen. Und sie bedeutet mir sehr viel, weil sie zeigt, dass das Thema herzkranke Kinder und ihre Familien gesehen wird.
Wenn Sie heute auf die Anfänge von Herzkinder Österreich zurückblicken: Was war damals die größte Herausforderung, vor der Sie gestanden sind?
Die größte Herausforderung war das Gefühl, mit den Sorgen und Ängsten allein zu sein. Medizinisch waren mein Sohn und ich sehr gut betreut, aber viele Fragen des Familienalltags blieben offen. Damals gab es in Österreich keine Anlaufstelle für betroffene Familien – genau diese Lücke habe ich selbst gespürt. Deshalb habe ich mir vorgenommen, etwas zurückzugeben und andere Familien zu unterstützen, wenn unsere eigene Geschichte gut ausgeht. Aus dieser Dankbarkeit dem Leben gegenüber ist schließlich Herzkinder Österreich entstanden.
Ihr Sohn Jakob ist heute 26 Jahre alt. Wie hat sich Ihre Perspektive als Mutter eines Kindes mit Herzfehler im Laufe der Jahre verändert?
Am Anfang waren vor allem Sorge, Angst und Unsicherheit da. Viele Familien müssen sich zunächst von Vorstellungen verabschieden, die sie für ihr Kind hatten – dafür braucht es Zeit. Entscheidend ist aber der Moment, in dem man beginnt, die Situation anzunehmen. Dann kommt wieder Hoffnung ins Leben. Mit den Jahren habe ich gelernt, nicht nur die Sorgen zu sehen, sondern auch die enorme Stärke und Lebensfreude dieser Kinder. Jakob hat mir gezeigt, wie viel trotz aller Herausforderungen möglich ist. Dafür empfinde ich heute vor allem große Dankbarkeit.
Ich versuche, betroffenen Familien zu zeigen, dass sie diesen Weg nicht allein gehen müssen.
Michaela Altendorfer
Hat es einen Moment in Ihrer Arbeit für die Herzkinder gegeben, der Sie besonders berührt oder geprägt hat?
Besonders prägend ist für mich die Schwangerschaftsbegleitung von Familien, die gerade erst die Diagnose Herzfehler erhalten haben. In diesen Gesprächen begegnen mir oft große Angst und Verzweiflung. Deshalb versuche ich vor allem, Mut zu machen und zu zeigen, dass niemand diesen Weg allein gehen muss. Sehr berührend ist es auch, wenn Familien Jahre später erzählen, dass ihnen diese Gespräche Hoffnung und Halt gegeben haben.
Was sind aus Ihrer Sicht die größten Lücken im Gesundheitssystem bzw. in der Unterstützung für Familien mit herzkranken Kindern?
Medizinisch sind herzkranke Kinder durch die beiden Kinderherzzentren Linz und Wien sehr gut versorgt. Die größte Lücke sehe ich in der psychosozialen Begleitung der Familien. Mit der Diagnose beginnt oft eine emotionale Ausnahmesituation – verbunden mit Ängsten, organisatorischen und finanziellen Belastungen. Hier fehlt häufig langfristige und strukturierte Unterstützung, etwa bei psychologischer Begleitung oder im Alltag mit Kindergarten und Schule. Denn ein Herzfehler betrifft immer die ganze Familie.
Was können Sie Eltern sagen, die gerade erst mit der Diagnose eines komplexen Herzfehlers bei ihrem Kind konfrontiert worden sind?
Das Wichtigste ist: Ihr seid nicht allein. Die Diagnose eines komplexen Herzfehlers ist zunächein großer Schock. Gerade in dieser ersten Zeit ist es wichtig, Menschen an der Seite zu haben, die zuhören, auffangen und wissen, was man gerade durchmacht. Niemand versteht einen so gut wie Menschen, die selbst in der gleichen Situation waren. Das verbindet. Herzkinder Österreich begleitet Familien in allen Bundesländern mit Erfahrung, Wissen und ganz viel Menschlichkeit. Oft hilft schon ein Gespräch, um wieder Hoffnung und Orientierung zu finden.
Inwiefern hat Ihr Engagement auch Ihr eigenes Leben und Ihre persönlichen Prioritäten beeinflusst?
Mein Engagement hat mein Leben und meine Prioritäten stark verändert. Durch die Erfahrungen mit meinem Sohn und die Begegnungen mit vielen Familien habe ich gelernt, wie wertvoll Gesundheit, Zeit und Zusammenhalt sind. Viele alltägliche Dinge verlieren an Bedeutung, wenn man erlebt hat, wie verletzlich das Leben sein kann. Die Arbeit mit den Familien zeigt mir jeden Tag, worauf es wirklich ankommt, und ist für mich eine echte Herzensangelegenheit und mein persönliches Danke ans Leben.
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