© Antje Wolm

Sabine Sallmann: Mein Job als Fachoptikerin

Mit Optikermeisterin und Kontaktlinsenmeisterin Sabine Sallmann von Optik Lindorfer blicken wir hinter die Kulissen eines Berufes zwischen Hightech, Handwerk und Mode.

4 Min.

© Antje Wolm

Dienstagvormittag, 10 Uhr: Eine Kundin kommt zu Optik Lindorfer in Enns. Sie braucht eine neue Gleitsichtbrille. Bei Optik Lindorfer beginnt ein Termin mit einem ausführlichen Gespräch und mit einer Tasse Kaffee. Wie sieht der Alltag aus? Arbeitet die Kundin viel am Bildschirm? Ist sie sportlich aktiv? Liest sie gerne? Welche Entfernungen sind wichtig? Erst wenn Sabine Sallmann genau weiß, was die Kundin braucht, beginnt die Sehanalyse – mit moderner, KI-unterstützter Technik und viel Erfahrung. Danach werden Fassungen probiert, Farben besprochen, Typ und Persönlichkeit berücksichtigt.
„Eine Brille soll einen Menschen nicht verändern, sondern seinen Typ unterstreichen“, sagt die Optikermeisterin und Kontaktlinsenmeisterin, die vier Filialen in Enns, St. Valentin, Stadt Haag und im Donaupark Mauthausen führt.

© Antje Wolm
Seit fast 30 Jahren ist Optikermeisterin und Kontaktlinsenmeisterin Sabine Sallmann im Beruf und leitet mittlerweile vier Optik Lindorfer-Filialen in Enns, St. Valentin, Stadt Haag und im Donaupark Mauthausen. © Antje Wolm

Frau Sallmann, Sie sind seit fast 30 Jahren im Beruf. War Optikermeisterin immer Ihr Berufswunsch?
Nicht immer. Nach der Matura habe ich zuerst an ein Medizin- oder Biologiestudium gedacht. Dann habe ich in den elterlichen Betrieb in Enns hineingeschnuppert – und bin geblieben. Mich hat diese Mischung fasziniert: Technik, Handwerk, medizinisches Wissen, Reparaturen, aber auch Mode und vor allem der Kontakt mit Menschen.

Wie verlief Ihr beruflicher Weg?
Ich habe mit 19 Jahren die Lehre zur Augenoptikerin begonnen und danach die Meisterschule absolviert. Optikermeisterin und Kontaktlinsenmeisterin werden meist in Kombination gemacht. Heute führen mein Mann und ich vier Fachgeschäfte an unterschiedlichen Standorten.

Was macht für Sie die Selbstständigkeit aus?
Ich mag das Organisatorische und die Abwechslung. Kein Tag ist gleich. Wir haben mehr als zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, alle Filialen sind Fachoptikerbetriebe. Zusätzlich habe ich eine Ausbildung zur diplomierten Farb- und Stilberaterin gemacht. Dieses Wissen gebe ich auch an unser Team weiter.

Wenn jemand mit einer neuen Brille glücklich in den Spiegel schaut, dann weiß ich jedes Mal, warum ich diesen Beruf liebe.

Was unterscheidet einen Fachoptikerbetrieb von großen Ketten?
Für mich ist es das individuelle Eingehen auf die Kundinnen und Kunden. Wir nehmen uns Zeit – von der Bedarfsanalyse über den Sehtest bis zur Typberatung und Kontaktlinsenanpassung. Es geht nicht nur darum, Brillen zu verkaufen. Wir schauen: Wer sitzt vor uns? Was braucht diese Person wirklich? Welche Fassung passt zur Persönlichkeit? Ich glaube, die Zukunft geht wieder stärker zurück zur Individualität. Wertigkeit statt Masse ist das Gebot der Stunde.

Wie läuft eine Beratung in Ihren Fachgeschäften konkret ab?
Bei einer Gleitsichtbrille planen wir zum Beispiel mindestens eine Stunde ein. Nach einem ausführlichen Gespräch folgt der Sehtest mit moderner Technik. Danach wählen wir gemeinsam Fassungen aus. Mit Videozentrierung werden die Gläser exakt berechnet und bestellt. Sie werden vom Hersteller gefertigt, in unserer hauseigenen Werkstatt geschliffen und in die Fassung eingesetzt. Bei perfekt durchgeführter Bedarfsanalyse, ist auch die Verträglichkeit bei Gleitsichtbrillen gegeben.

© Antje Wolm
Um sorgenfrei Kontaktlinsen tragen zu können, bedarf es auch hier einer genauen Analyse und Anpassung.© Antje Wolm

Welche Voraussetzungen sollte man für diesen Beruf mitbringen?
Man muss gerne mit Menschen arbeiten. Der soziale Aspekt ist enorm wichtig, besonders im Umgang mit Kindern, die eine Brille oder Kontaktlinsen brauchen. Gleichzeitig braucht es technisches und medizinisches Verständnis, Feinmotorik und Interesse an Mode. Und man muss offen bleiben. Technik und Sehversorgung entwickeln sich ständig weiter – etwa beim Myopie-Management für Kinder, ein Ansatz, der das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit verzögert. Ich sitze mit fast 50 Jahren selbst wieder in der FH, um immer am neuesten Stand zu sein.

Was lieben Sie an ihrem Beruf?
Dass wir Menschen helfen können. Wenn jemand mit einer neuen Brille plötzlich wieder entspannt lesen kann oder glücklich in den Spiegel schaut, dann weiß ich jedes Mal, warum ich diesen Beruf liebe.

Wege zum Beruf

Der klassische Weg führt über eine 3,5-jährige Lehre (Duale Ausbildung Augenoptikerin zum Augenoptiker und Hörgeräteakustiker:in mit Berufsschule in Hall in Tirol. Danach kann an der HTL in Hall in Tirol die Meisterausbildung absolviert werden.

Nach der Matura ist auch ein Studium möglich: An der FH Gesundheit Tirol kann man Optometrie/Augenoptik studieren und mit dem Bachelor of Science (BSc) abschließen. Auch ein Masterstudium ist möglich.

Zusätzlich gibt es berufsbegleitende Ausbildungen sowie Umschulungen für Quereinsteiger – etwa über WIFI, BFI oder OHI.

Das könnte Sie auch interessieren:

Pamela Obermaier: So geht Selbstwert!

Wie zwei Frauen den Himmel erobern

Abo

Wählen Sie Ihr persönliches Abo aus

×