Panik, Perspektiven & Pixel

Mit dem diesjährigen Thema „Panik“ lädt das Ars Electronica Festival von 3. bis 7. September in Linz dazu ein, Ängste zu hinterfragen und mutig neue Zukunftsperspektiven zu entwickeln. 

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Doris Lang-Mayrhofer mit der Goldenen Nica, dem Oscar der digitalen Kunst. Die ausgezeichneten Arbeiten 2025 des Prix Ars Electronica werden im Lantos Kunstmuseum präsentiert.©Anna Steinecker

Wir haben bei Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer nachgefragt, warum es wichtig ist, dass sich Kunstformate auch mit emotional aufwühlenden Themen auseinandersetzen. Wenn Linz von 3. bis 7. September zum Treffpunkt für ZukunftsdenkerInnen, KünstlerInnen, ForscherInnen und Tech-Pioniere wird, ist wieder Ars Electronica-Zeit. Das weltweit größte Festival für Medienkunst und Technologie bringt rund 100.000 Besucherinnen und Besucher aus über 70 Nationen in die oberösterreichische Hauptstadt – und mit ihnen Ideen, Diskussionen und Inspiration.

Frau Stadträtin, seit 2016 verantworten Sie in Linz die Bereiche Kultur, Tourismus und Kreativwirtschaft, wie haben sich diese Bereiche in den vergangenen neun Jahren entwickelt? Worauf sind Sie besonders stolz? 

Für mich ist die Verbindung von Kultur und Wirtschaft einer der Linzer Erfolgsfaktoren. Kultur ist heute essenzieller Bestandteil für die erfolgreiche Entwicklung von Linz, das gilt auch für die Attraktivität als Wirtschaftsstandort und besonders im Tourismus. Linz hat in den letzten beiden Jahren erstmals die Million-Nächtigungsgrenze geknackt. Dank neuer Festivals und Open Airs gibt es auch kein Sommerloch mehr bei den Buchungen. Ein großes Kulturangebot und eine starke freie Szene machen Linz als Arbeits- und Kreativstandort attraktiv. In der internationalen Positionierung haben wir mit Ars Electronica bzw. UNESCO City of Media Arts und Anton Bruckner zwei starke Marken. Nach dem Kulturhauptstadtjahr 2009 hat Linz vor allem im Vorjahr beim großen Brucknerjubiläum viel kulturelles Selbstbewusstsein getankt.

Das Ars Electronica Festival startete 1979 als kleine, experimentelle Veranstaltung. Heute ist es weltweit das größte Festival für Medienkunst und Zukunftstechnologien. Worauf führen Sie diese positive Entwicklung zurück? 

Diese Entwicklung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis konsequenter inhaltlicher Arbeit, internationaler Netzwerke und einer klaren strategischen Ausrichtung. Wir in Linz haben früh erkannt, welches Potenzial im Zusammenspiel von Kunst, Technologie und Gesellschaft steckt. Die Ars Electronica ist weit mehr als ein Museum mit Besucherrekorden, sie ist auch eine Schule der Zukunft. Sie beschäftigt sich bereits seit Jahrzehnten mit dem Thema Künstliche Intelligenz und hat sich in diesem Bereich eine Expertise aufgebaut. Die Ars Electronica ist erwerbswirtschaftlich tätig und wird von internationalen Firmen für Projekte beauftragt. Damit ist sie zu einem wichtigen Innovations- und Wirtschaftspartner für Unternehmen und Institutionen weltweit geworden.

Nach der „Hoffnung“ im Vorjahr, widmet sich das diesjährige Ars Electronica Festival der „Panik“. Warum ist es wichtig, dass sich Kunstformate auch mit emotional aufwühlenden Themen auseinandersetzen? 

Gerade in dieser auch geopolitisch herausfordernden Zeit braucht es Zukunftsperspektiven und Visionen, und keine ‚Angstmache‘. Es ist die Rolle der Kunst und der Ars Electronica, die uns in Zeiten eines radikalen Wandels die Möglichkeit gibt, uns international auszutauschen, um uns mit den brisanten Themen und Fragen unserer Zeit zu befassen, wie Demokratie, Migration und neuen Technologien, um uns als Gesellschaft stetig weiterzuentwickeln.

Das Festival findet jedes Jahr an verschiedenen Schauplätzen in Linz statt. Welche sind das? 

Neben dem zentralen Festivalareal in der POSTCITY sind auch heuer wieder das Ars Electronica Center, das Design Center Linz, die Kunstuniversität Linz, das Lentos Kunstmuseum und weitere Orte in der ganzen Stadt mit dabei. Ein besonderes Highlight ist heuer die Eröffnung in der größten Kirche Österreichs – dem Linzer Mariendom. Das Festival ist in der ganzen Innenstadt spürbar.

Auch heuer gibt es im Rahmen des Festivals wieder rund 500 Veranstaltungen, haben Sie einen Tipp, wie man sich am besten orientiert? 

Um einen guten Überblick zu behalten, empfehle ich einen Blick auf den Festivalplan auf der Website oder in der App. So kann man gezielt seinen Schwerpunkt setzen, sei es bei Ausstellungen, Vorträgen oder Performances. Die Highlights sind der Pre-Opening-Walk am Dienstag, die Eröffnung am Mittwoch im Mariendom, die Preisverleihung der Goldenen Nica am Donnerstag im Design Center und die große Konzertnacht in der Gleishalle der Postcity am Freitag. 

Sie laden traditionell zu einem eigenen Empfang zur Festivaleröffnung ein. Welche Botschaft wollen Sie damit senden? 

Als Vorsitzende der Ars Electronica ist der Empfang für mich ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber den vielen Mitwirkenden und Partnern aus Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Es ist mir wichtig, Netzwerke zu fördern, Brücken zu schlagen, auch zwischen der öffentlichen Hand und der Privatwirtschaft. Denn Kultur braucht beides: Freiraum und Rückhalt, aber auch unternehmerisches Denken und finanzielle Unterstützung.

©Zoe Goldstein

Ich lade alle ein, Linz mit offenen Augen zu erkunden, frei nach dem Motto – ‚Take a Risk. Visit Linz‘. 

Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer

Wie viele internationale Gäste werden heuer beim Festival erwartet? 

Wir rechnen mit mehr als 100.000 Besuchern aus über 70 Ländern. Diese starke internationale Präsenz ist auch ein echter wirtschaftlicher Impuls für die Stadt – von den Hotels über die Gastronomie.

Wie schaut es mit den Besuchern aus Oberösterreich und Linz aus. Gibt es da noch Luft nach oben? 

Das Festival ist in Linz stark verankert, aber natürlich gibt es immer Potenzial, noch mehr Menschen aus der Region dafür zu begeistern. Unser Ziel ist es, Schwellenängste abzubauen und die Themen des Festivals für ein breites Publikum zugänglich zu machen. Deshalb unterstützen wir auch Programme für Schulen, Familien und Menschen, die vielleicht zum ersten Mal mit digitaler Kunst in Berührung kommen. 

Der Prix Ars Electronica gilt als der bedeutendste Medienkunstpreis der Welt – die Goldene Nica ist quasi der Oscar der digitalen Kunst. Die Preisträger 2025 stehen bereits fest. Inwieweit werden sie beim Festival in Linz präsentiert? 

Die ausgezeichneten Arbeiten werden im Rahmen der Prix Ars Electronica-Ausstellung im Lentos Kunstmuseum präsentiert. Zusätzlich gibt es Talks, Panels und Medienformate, die Einblicke in die Hintergründe geben. Damit schaffen wir nicht nur Sichtbarkeit für herausragende künstlerische Leistungen, sondern auch Inspiration für die nächste Generation von Kreativen. Ich bin sehr stolz, dass zwei Linzer Schüler aus der HBLA für künstlerische Gestaltung für ihren Kurzfilm den Sieg in der Jugendkategorie u19 geholt haben. Die Preisverleihung findet am Donnerstag im Design Center statt.

Linz ist seit einigen Jahren auch UNESCO City of Media Arts. Was bedeutet das für die Stadt und auch für Österreich? 

Der Titel ist eine internationale Auszeichnung, aber auch ein klarer Auftrag. Linz, als Stadt der Ars Electronica, soll ein Ort bleiben, an dem Medienkunst und Digitalisierung nicht nur präsentiert, sondern auch produziert, gefördert und weitergedacht wird. 

Wenn jemand zum ersten Mal zum Ars Electronica Festival kommt – was würden Sie diesen Personen mitgeben, um Linz als Stadt auch abseits des Programms zu entdecken und zu erleben? 

Ich lade alle ein, Linz mit offenen Augen zu erkunden, frei nach dem Motto – „Take a Risk. Visit Linz“. Unsere Innenstadt erzählt Geschichte: Vom barocken Hauptplatz über das Nordico, zur schönen Donaulände bis hin zum Blick auf das Schlossmuseum, den Pöstlingberg oder den Mural Harbor. Das Lentos wiederum zeigt internationale Kunst auf höchstem Niveau. Und auch kulinarisch hat Linz viel zu bieten. Von traditionellen Wirtshäusern bis zu moderner Küche mit regionalem Fokus. 

Neunmal Ars Electronica als Kultur-Stadträtin – gibt es einen Moment, auf den Sie sich jedes Jahr freuen? 

Mein persönliches Highlight ist die Postcity. Wer heuer zum ersten Mal beim Festival mit dabei ist, hat die Chance, diese einmalige Location mit ihren Bunkerräumlichkeiten ein letztes Mal zu erleben. Dort kann man beispielsweise einem Roboter oder Cyborg begegnen und in eine ganz andere Welt eintauchen. Mich begeistert aber auch die Internationalität in dieser Woche, die in der ganzen Stadt spürbar und erlebbar ist. Wenn man plötzlich fast nur mehr Englisch in der Straßenbahn hört, dann fühlt man sich wie in einer Millionenstadt hier bei uns in Linz. 

Sie sind gelernte Innenarchitektin und Tischlermeisterin, haben erfolgreich ein Unternehmen geführt und kamen als Quereinsteigerin in die Politik. Inwiefern helfen Ihnen diese beruflichen Erfahrungen in Ihrer Funktion als Stadträtin, vor allem in so vielfältigen Bereichen wie Kultur, Tourismus und Kreativwirtschaft? 

Mein Handwerksberuf hat mir früh beigebracht, präzise zu arbeiten, kreativ zu denken und Verantwortung zu übernehmen. Diese Bodenhaftung ist mir auch in der Politik wichtig. Ich sehe mich als Gestalterin mit klarer Linie, unternehmerischem Denken und dem Anspruch, Lösungen zu schaffen, die langfristig wirken. Politiker brauchen eine Vision, um den Menschen eine Zukunftsperspektive zu geben und Mut zu machen.

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