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Seit den frühen Blogger-Zeiten zählt Nina Radman zu den bekanntesten Influencerinnen Österreichs. Doch hinter perfektem Content, Reisen und Reichweite steckt oft enormer Druck. Nach einer intensiven Zeit zog sie bewusst die Notbremse und verschwand für zweieinhalb Monate komplett aus den sozialen Medien. Im Gespräch geht es um mentale Gesundheit, ihre ADHS-Diagnose, den Umgang mit Social Media – und darüber, warum Erfolg heute für sie vor allem mit Lebensqualität verbunden ist.
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Du zählst zu den erfolgreichsten Influencerinnen des Landes und bist schon in der Blogger-Zeit gestartet: Wenn du heute auf deinen Weg zurückblickst – was war aus deiner Sicht der wichtigste Faktor für deinen Erfolg?
Nina Radman: Ich glaube, da spielen viele Faktoren zusammen. Ich hatte sicher den Vorteil, relativ früh dabei gewesen zu sein, als ich 2011/2012 mit meinem Blog gestartet habe, weil es damals einfach noch nicht so viele gab. Dadurch konnte ich ohne großen Plan langsam in alles hineinwachsen und mich ausprobieren.
Gleichzeitig habe ich das Ganze immer als Hobby gesehen und nie verbissen verfolgt, sondern aus Spaß gemacht beziehungsweise damit begonnen. Danach hat es sich zu meinem Job entwickelt, und ich bin froh, dass sich das so ergeben hat. Ich weiß nicht, ob ich heute an derselben Stelle wäre, wenn ich später mit dem Gedanken gestartet hätte: „Das will ich beruflich machen.“

Zwei Dinge waren für mich, glaube ich, besonders wichtig: dass ich mir immer selbst treu geblieben bin und mich online nie verstellt habe – und dass ich nur Dinge gemacht habe, für die ich wirklich brenne. Ich glaube, die Leute spüren, ob etwas echt ist oder nicht. Niemand ist perfekt, Nahbarkeit und Ehrlichkeit sind einfach viel wichtiger.
Viele sehen das Leben von Influencer:innen als glamourös – du sprichst offen über Depressionen und Überforderung. Was wird in dieser Branche am meisten unterschätzt?
Ich glaube, viele unterschätzen komplett, wie viel Arbeit hinter diesem Job steckt. Man ist extrem viel am Handy, ständig online und immer auf der Suche nach neuen Ideen, Motiven und Inspiration. Diese kurzen Reels, die man sieht, wirken oft leicht, aber dahinter stecken Stunden an Arbeit. Von außen sieht es oft nach Urlaub aus, gerade wenn man viel reist, aber es bleibt Arbeit.
Der Druck, ständig liefern zu müssen und sich immer wieder neu zu erfinden, ist auch nicht zu unterschätzen. Man sieht nach außen meist nur das Schöne, aber nicht den Aufwand, den Stress und die mentale Belastung dahinter. Genau deshalb ist es mir wichtig, auch ehrlich über die weniger perfekten Seiten zu sprechen und das mit meiner Community zu teilen.
Du hast kürzlich bewusst die Notbremse gezogen und zweieinhalb Monate komplett offline verbracht. Was war der Moment, in dem du gemerkt hast: Jetzt geht es nicht mehr so weiter?
Ich war schon immer ein Mensch, der gerne viel macht und immer noch mehr will. Als ich Mama geworden bin, habe ich gedacht, ich kann dieses Tempo einfach weiterfahren, aber das war rückblickend unrealistisch. Meine ADHS-Diagnose, die ich letztes Jahr bekommen habe, hat mir vieles verständlicher gemacht – auch, warum ich oft so funktioniere, wie ich funktioniere.
Letztes Jahr war insgesamt einfach sehr intensiv, privat und beruflich. Ich habe immer mehr gemerkt, dass ich nicht mehr bei mir bin. Mir ging es oft nicht gut, und ich konnte auch nicht so tun, als wäre alles in Ordnung. Irgendwann war für mich einfach klar, dass es so nicht weitergeht. Deshalb habe ich ganz bewusst eine Pause gemacht, um mein Leben und meinen Alltag neu zu sortieren und wieder mehr Leichtigkeit hineinzubringen.
Wie schwierig war dieser Schritt, diese Pause – und würdest du ihn rückblickend wieder genauso treffen?
Der Schritt war schon schwer, weil ich diesen Job seit über zehn Jahren mache und natürlich die Angst da war, danach nicht mehr relevant zu sein. Gleichzeitig war es dann doch irgendwie leichter als gedacht, weil es für mich der einzig richtige Weg war und ich wusste: Nur so komme ich wieder aus meinem Loch heraus. Diese Gedanken und Glaubenssätze kommen automatisch.

Gleichzeitig habe ich aber gespürt, dass es keine andere Option gibt, wenn ich wieder mehr Lebensqualität haben will. Ich wollte wieder mehr für meine Familie da sein und auch für mich selbst. Im Nachhinein war es eine der besten Entscheidungen, weil ich dadurch wirklich Tempo herausnehmen konnte. Ich habe mir bewusst Zeit genommen, wenig gemacht und einfach wieder durchgeatmet. Und ja, ich würde es jederzeit wieder genauso machen, weil Gesundheit einfach an erster Stelle stehen sollte.
Was hast du in dieser Zeit über dich selbst gelernt, das vorher untergegangen ist?
Ich habe gelernt, dass ich nicht ständig leisten muss, um wertvoll zu sein. Dass ich auch einfach mal sein darf, ohne etwas zu produzieren oder zu erreichen. Mir ist bewusst geworden, wie sehr mich auch kleine Dinge unterbewusst stressen können und wie lange ich das ignoriert habe.
Heute höre ich viel mehr auf mein Bauchgefühl und nehme meine eigenen Grenzen ernster. Ich reflektiere mehr, frage mich, woher Stress kommt und was ich verändern kann. Diese Zeit hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, gut auf sich selbst zu schauen – und dass weniger oft einfach mehr ist.
Als Mutter eines kleinen Sohnes denkst du bereits an seine digitale Zukunft. Was macht dir dabei am meisten Sorgen – und wie möchtest du später damit umgehen?
Ich finde das Thema extrem schwierig, weil man nicht weiß, wie sich alles entwickeln wird. Mir ist wichtig, mein Kind zu schützen, deshalb zeige ich ihn auch nicht von vorne und halte vieles privat. Ich finde, jeder sollte selbst entscheiden dürfen, ob er im Internet sichtbar sein möchte – und mein Kind kann das noch nicht selbst entscheiden.
Gleichzeitig glaube ich nicht, dass man Kinder komplett von Social Media fernhalten kann oder sollte. Viel wichtiger ist es, ihnen einen gesunden Umgang damit beizubringen. Wie genau das später aussehen wird, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Ich beobachte das alles und werde für uns einen Weg finden, der sich richtig anfühlt.
Wie sieht dein persönlicher „gesunder“ Umgang mit Social Media heute konkret aus?
Ich versuche immer noch, meinen eigenen Weg zu finden, weil es ein ständiger Prozess ist. Ganz konkret habe ich Social Media nicht mehr am Homescreen, damit ich nicht automatisch daraufklicke. Außerdem habe ich fixe Bildschirmzeiten, in denen meine Apps gesperrt sind – vor allem abends und nachts. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber grundsätzlich hilft mir das sehr.
Ich nehme mir bewusst Offline-Zeiten und poste auch nicht mehr jeden Tag, weil die Welt nicht untergeht, wenn man mal nichts teilt. Mir ist wichtig geworden, wieder mehr im Moment zu leben und nicht alles durchs Handy zu sehen. Dieses bewusste Zurücknehmen macht einen riesigen Unterschied, aber es ist ein Prozess.
Hat sich deine Definition von Erfolg nach deiner Pause verändert?
Ich habe mich selbst nie als „super erfolgreich“ gesehen, auch wenn ich weiß, dass ich mir viel aufgebaut und erreicht habe. Ich bin oft sehr streng mit mir und arbeite noch daran, das mehr anzuerkennen. Erfolg war für mich aber nie eine Zahl an Followern oder Aufträgen. Klar lässt man sich davon beeinflussen und unter Druck setzen, aber dieses Gefühl von „Jetzt habe ich es geschafft, weil ich das und das erreicht habe“, hatte ich so nie.
Für mich bedeutet Erfolg, Menschen wirklich zu erreichen und etwas in ihnen auszulösen. Wenn mir jemand schreibt, dass er oder sie sich durch meinen Content weniger allein fühlt, dann ist das für mich das Größte. Dieses Gefühl, jemanden berühren oder helfen zu können, ist unbezahlbar. Und genau das ist auch meine Definition von Erfolg, die ich mir immer wieder bewusst machen möchte.
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Elisabeth Trauner ist Redakteurin bei Unser SALZBURG und mit Stift, Block und Herz immer zur Stelle, wenn Menschen spannende Geschichten zu erzählen haben. Sie hört Podcasts, braucht Krimis und True Crime-Dokus zum Einschlafen und probiert gerne neue Kochrezepte aus, die aber meistens komplett schief gehen.
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