Wollen Männer wirklich immer?
Männer wollen ständig Sex, Frauen sind davon genervt und benutzen Migräne als Ausrede. Stimmt das im Beziehungsalltag wirklich oder handelt es sich dabei um ein Klischee, das längst überholt ist? Unsere Expertin Doris Kaiser weiß mehr.
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Die Frage, ob es einen geschlechtsspezifischen Unterschied im sexuellen Verlangen gibt oder nicht, beschäftigt auch die Wissenschaft. 2022 wertete ein Forschungsteam der Universität Saarbrücken mehr als 200 Studien zur sexuellen Motivation von Männern und Frauen aus. Dabei wurden Daten der vergangenen 26 Jahre von insgesamt 620.000 Frauen und Männern analysiert. Das Resultat: Männer denken deutlich häufiger an Sex, verspüren mehr Lust darauf und masturbieren häufiger. Jenes Ergebnis zeigte sich auch über Ländergrenzen, Altersgruppen oder sexuelle Orientierung hinweg.
Unterschiede beim Ausleben von Sexualität.
Diese Erkenntnis spiegelt sich in meiner Praxis wider. Auch wenn ich schon einige Paare beraten habe, bei denen es andersrum war, höre ich doch von vielen Frauen, dass ihre Partner öfter das Bedürfnis nach Sex haben als sie. Dabei scheinen Männer unkomplizierter beim Ausleben ihrer Sexualität zu sein als Frauen. Ihre Lust ist weniger an äußere Einflüsse gekoppelt und sie sind nicht so leicht ablenkbar wie ihre Partnerinnen. Diese müssen meist körperlich und seelisch entspannt sein, um Sex genießen zu können. Bei Männern ist es oft umgekehrt: Sie entspannen beim Sex!
Nähe und Vertrauen als Voraussetzung.
Mit Intimität verhält es sich ähnlich: Während viele Männer über Sexualität Nähe aufbauen, brauchen die meisten Frauen das Gefühl von Vertrauen und Geborgenheit, um sich auf Sex einlassen zu können. Auch wenn Sex nicht in einer Beziehung stattfindet, will der Großteil der Frauen doch auf irgendeine Art und Weise emotional berührt werden, sich gesehen und begehrt fühlen, bevor sie sich öffnen.
Frauen müssen meist körperlich und seelisch entspannt sein, um Sex genießen zu können. Bei Männern ist es oft umgekehrt: Sie entspannen beim Sex!
Doris Kaiser – Die Sexualexpertin für Frauen
Kein Sex = Du liebst mich nicht.
Ein hilfreicher Ansatz, um die unterschiedlichen Bedürfnisse in einer Partnerschaft zu verstehen, sind die sogenannten „Fünf Sprachen der Liebe“, ein Konzept von Gary Chapman. Laut des amerikanischen Paartherapeuten gibt es fünf grundlegende Wege, wie Menschen Liebe und Zuneigung ausdrücken und empfangen: Lob & Anerkennung, ungeteilte Zweisamkeit, Geschenke, die von Herzen kommen, Hilfsbereitschaft und Zärtlichkeit. Zum letzten Punkt gehören Streicheleinheiten, Umarmungen und Berührungen. Für viele Männer sind diese Handlungen gleichbedeutend mit Sex. Das liegt zum Großteil an der Erziehung und an den gesellschaftlichen Rollenbildern. Wenn sich ein Mann durch den Austausch von Berührung geliebt fühlt, ist eine längere sexuelle Durststrecke für ihn gleichbedeutend mit Liebesentzug – auch wenn diese möglicherweise überhaupt nichts mit ihm zu tun hat. Umgekehrt dürfen wir nicht vergessen, dass das Klischee vom allzeit bereiten und willigen Mann enormen Druck aufbauen kann. Sollte Ihr Partner also mal keine Lust auf Sex haben oder keine Erektion bekommen, zweifeln Sie nicht an seiner Liebe oder an Ihrer erotischen Ausstrahlung. Männer sind keine Maschinen und brauchen genauso wie Frauen passende Voraussetzungen!
Ohne Vorwürfe darüber reden.
Natürlich lässt sich das sexuelle Verlangen nicht auf das Geschlecht reduzieren. Viele Faktoren haben darauf Einfluss, wie zum Beispiel Stress, Hormone, Lebensstil, Gesundheit oder Lebensumstände. Wie in allen Beziehungsfragen ist es auch hier wichtig, Unterschiede anzuerkennen und sich gegenseitig keine Vorwürfe zu machen. Reden Sie stattdessen über Ihre Wünsche und Bedürfnisse, um eine gemeinsame Basis zu finden! Wenn Sie Unterstützung dabei brauchen, bin ich gerne für Sie da.
www.doriskaiser.com
Buchtipp:
„Die fünf Sprachen der Liebe“ – Wie Kommunikation in der Partnerschaft gelingt, Gary Chapman, Verlag Francke-Buch, € 15,90
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