Sarah Eckstein © Dominik Derflinger

Sarah Eckstein: Juwelierin aus Leidenschaft

Zwischen Liebe, Neuanfang und Unternehmergeist fand Sarah Eckstein in Oberösterreich nicht nur ein neues Zuhause, sondern auch zurück zu ihren familiären Wurzeln im Schmuckhandel.

8 Min.

Für Sarah Eckstein steht an erster Stelle, dass jede Kundin und jeder Kunde ihr Geschäft zufrieden verlässt. © Dominik Derflinger

Manchmal verändert eine einzige Entscheidung das gesamte Leben. Als Sarah Eckstein vor zehn Jahren der Liebe wegen von München nach Oberösterreich zog, ließ sie nicht nur ihre Heimat, ihre Familie und ihr Trachtengeschäft hinter sich, sondern wagte für ihren Mann Marcelino Strauss – in Linz als „Teppichdoktor“ bekannt – einen Neuanfang und wurde Teil eines Familienunternehmens, in dem Zusammenhalt und Qualität großgeschrieben werden.

Für Sarah Eckstein bedeutet Unternehmertum zugleich Rückkehr und Aufbruch: Seit drei Jahren führt sie den Juwelier Eckstein in Linz-Urfahr mit viel Herzblut und knüpft damit an die Tradition ihrer Familie im Gold-, Uhren- und Schmuckhandel an. Demnächst eröffnet sie eine Filiale auf der Spittelwiese und macht damit den nächsten wichtigen Schritt in ihrer unternehmerischen Laufbahn.

Sarah Eckstein © Dominik Derflinger
Sarah Eckstein führte vier Jahre lang mitten in München ein Trachtengeschäft, bevor sie der Liebe wegen nach Oberösterreich übersiedelte. © Dominik Derflinger

Frau Eckstein, vor drei Jahren haben Sie Juwelier Eckstein in Linz-Urfahr eröffnet. Was hat Sie dazu motiviert?
Meine Familie widmet sich bereits in der dritten Generation dem Juwelierhandwerk sowie dem Handel mit Gold und Antiquitäten. Ich bin also familiär mit dieser Branche aufgewachsen. Mein Vater ist leider sehr früh verstorben, und wir Kinder haben das Geschäft damals nicht weitergeführt. Das war eine schwere Zeit für uns. Ich habe eine Ausbildung im Handel und Verkauf gemacht, war danach allerdings nicht mehr im Gold- und Schmuckbereich tätig. Bevor ich nach Oberösterreich übersiedelt bin, führte ich vier Jahre lang mitten in München mein eigenes Trachtengeschäft. Ich hatte viele Kundinnen und Kunden – und es war wirklich eine sehr schöne Zeit. Ich glaube, der Handel liegt mir im Blut.

Was hat Sie schließlich von München nach Oberösterreich gebracht?
Die Liebe zum „Teppichdoktor“ (lacht). Für Marcelino habe ich in München alles aufgegeben. Das war ein sehr großer Schritt für mich, denn meine Familie – meine Geschwister, meine Mutter sowie Freunde und Bekannte – leben alle in München. Aber die Liebe war so groß, dass ich wusste: Das ist es mir wert. Und es war definitiv die richtige Entscheidung.

Für meinen Mann habe ich in München alles aufgegeben. Und es war definitiv die richtige Entscheidung.

Sarah Eckstein

Verraten Sie uns, wie Sie Ihren Mann kennengelernt haben?
Marcelino war alleinerziehender Vater, und ich war alleinerziehende Mutter. Er hat mich über Facebook angeschrieben. Als ich gesehen habe, dass sein Sohn genauso heißt wie meiner – nämlich Massimo – dachte ich zuerst, das sei ein Scherz. Später haben wir festgestellt, dass „Massimo“ für uns beide ein Wunschname für unsere Söhne war. Und das Schönste daran ist: Massimo, der Ältere (19), und Massimo, der Jüngere (17), verstehen sich hervorragend. Sie sind unzertrennlich und gehen sehr liebevoll miteinander um.

Sarah Eckstein © Dominik Derflinger
Ob Schmuck, Luxusuhren, Gold, Silber oder Edelsteine – Sarah Eckstein und ihr Team sind erfahrene Partner für An- und Verkauf. © Dominik Derflinger

Wie kam es dazu, in Linz-Urfahr mit Juwelier Eckstein ein eigenes Geschäft zu eröffnen?
Das war ein Zufall. Direkt neben dem „Teppichdoktor“ in der Hauptstraße in Urfahr stand das Geschäftslokal von Juwelier Durstberger leer, nachdem dieser geschlossen hatte. Als es uns angeboten wurde, fühlte sich das für mich wie eine Fügung an. Ich dachte mir: Warum nicht zurück zu meinen Wurzeln und wieder ins Gold- und Schmuckgeschäft einsteigen? Also habe ich den Schritt gewagt und mich mit Juwelier Eckstein selbstständig gemacht. Mein Mann ist allerdings kurz darauf mit dem „Teppichdoktor“ in ein größeres Geschäft in die Herrenstraße übersiedelt.

Sie bieten neue und gebrauchte Schmuckstücke und Uhren an. Welche Trends gibt es momentan?
Der Trend geht wieder vermehrt zu getragenem Schmuck und Vintage-Schmuck. Wir bekommen von Kundinnen und Kunden oft wunderschöne Schmuckstücke aus vergangenen Zeiten, die handgearbeitet sind und viel zu schade wären, um sie einzuschmelzen. Deshalb lassen viele Menschen ihre alten Schmuckstücke umarbeiten, damit sie wieder tragbar sind oder modernisiert werden. Das gilt auch für Vintage-Uhren. In diesem Bereich ist die Nachfrage hoch, vor allem bei Herren – von hochwertigen Marken wie Cartier, Breitling, Longines oder Rolex bis hin zu klassischen alten Stücken.

Gibt es auch spezielle Materialien beim Schmuck oder bei Steinen, die gerade ein Comeback erleben?
Im hochwertigen Goldschmuck bleiben die Klassiker aktuell. Bei den Edelsteinen sind vor allem Brillanten und Diamanten gefragt. Beim Modeschmuck sind es Stücke, die man mit kleinen Handgriffen komplett verändern kann, wie die austauschbaren Elemente bei Ohrringen der deutschen Schmuckdesignerin Heide Heinzendorff.

Juwelier Eckstein ist auch als seriöser Partner im An- und Verkauf von Schmuck, Luxusuhren, Gold, Silber und Edelsteinen bekannt. Was raten Sie Verkäufern?
Wir bieten Goldankauf, Silberankauf und Edelsteinankauf an. In diesem Bereich gibt es leider viele schwarze Schafe, die oft aus dem Ausland kommen, kurzfristig Geschäftslokale mieten und dann wieder verschwinden. Sie treten zum Beispiel als Pelzankäufer auf, sind aber eigentlich nur am Gold interessiert. Das ist in meinen Augen unseriös.

Also sollte man immer zu Experten gehen?
Ja, ich empfehle, zu einem ansässigen Goldhändler oder Juwelier zu gehen. Dort wird man gut beraten und fair bezahlt. Es gibt klare Preise nach Tageskurs. Wir zahlen sogar sieben Prozent über dem Tageskurs.

Wie läuft so ein Ankauf ab?
Die Kunden bringen unterschiedliche Stücke wie beschädigten Schmuck, Zahngold, Silber und vieles mehr. Alles wird fachmännisch geprüft. Jede Legierung wird getestet, jedes Schmuckstück einzeln bewertet. Edelsteine und Brillanten prüfen wir auf Echtheit und Qualität. Danach machen wir ein Angebot. Wenn die Kundinnen und Kunden einverstanden sind, kaufen wir die Stücke sofort an.

Ich sehe uns als Nahversorger im Uhren- und Schmuckbereich.

Sarah Eckstein

Der Goldpreis ist gefühlt im Dauerhoch. Wie wirkt sich das auf Ihr Geschäft aus?
Beim Goldverkauf gab es allgemein einen großen Ansturm. Viele Menschen verkaufen Schmuck, der zu Hause liegt und nicht getragen wird. Wenn man bedenkt, dass Gold früher viel günstiger war und sich der Preis mittlerweile vervielfacht hat, ist das für viele ein guter Zeitpunkt zu verkaufen.

Juwelier Eckstein ist vor allem auch für die Uhrmacherwerkstatt bekannt. Was bieten Sie diesbezüglich an?
Die Uhrmacherwerkstatt ist das Herzstück unseres Geschäfts. Wir haben einen Uhrmachermeister im Haus, der diesen Beruf seit 40 Jahren ausübt und sogar alte Pendeluhren und Wanduhren serviciert und repariert. Das bietet heute fast niemand mehr an, weil es sehr aufwendig ist. Zusätzlich arbeiten zwei Goldschmiede für uns, die Anfertigungen übernehmen. Wir bieten also wirklich ein Rundum-Service. Ich würde sagen, wir sind ein Nahversorger im Uhren- und Schmuckbereich für viele Kundinnen und Kunden.

Wie findet man das passende Schmuckstück als Geschenk für eine Person? Gibt es da bestimmte Regeln?
Das ist individuell verschieden, aber blonde Damen mögen oft silbernen Schmuck, also Weißgold oder Silber, weil das kühler wirkt. Dunkelhaarige Damen tendieren eher zu Gold. Wenn Kundinnen und Kunden kommen und ein Geschenk suchen, gehen wir mit viel Fingerspitzengefühl vor. Wir fragen zuerst, welcher Typ die Person ist, für welchen Anlass das Geschenk gedacht ist und welche Vorlieben vorhanden sind. So tasten wir uns Schritt für Schritt vor und finden meistens das passende Schmuckstück.

Sarah Eckstein © Dominik Derflinger
Sarah Eckstein und ihr Mann Marcelino Strauss, bekannt als „Teppichdoktor“ mit Geschäften in Linz und St. Pölten. © Dominik Derflinger

Ihr Mann ist der bekannte „Teppichdoktor“ mit Geschäften in Linz und in St. Pölten. Wie erleben Sie das Unternehmertum als Paar bzw. als Familie im Alltag?
Mein Mann und ich sind mit Leib und Seee Unternehmer. Den „Teppichdoktor“ sehen wir als Familienunternehmen, in das auch unsere Söhne bereits involviert sind. Der ältere Massimo arbeitet im Vertrieb, in der Beratung sowie im Verkauf und betreut viele Kundinnen und Kunden. Er führt unseren Standort in St. Pölten schon sehr selbstständig. Der jüngere Massimo macht gerade eine Ausbildung bei uns als Lehrling und ist ebenfalls stark eingebunden.

Wodurch zeichnet sich Juwelier Eckstein in Linz-Urfahr aus?
Wir verfügen über großes Fachwissen und machen unsere Arbeit mit viel Herzblut. Ich lege großen Wert auf persönliche Betreuung und darauf, dass wir uns für jede Kundin und jeden Kunden Zeit nehmen – egal, ob jemand ein hochwertiges Schmuckstück oder Modeschmuck kauft beziehungsweise eine Batterie für die Uhr wechseln lassen möchte. Am wichtigsten ist mir, dass alle zufrieden aus dem Geschäft gehen.

Gibt es ein Schmuckstück, das Sie nie ablegen?
Ja, meinen Verlobungsring.

Sie sind Mutter von zwei Söhnen, Geschäftsfrau und mit einem Unternehmer verheiratet. Wie sieht es mit Freizeit aus?
Momentan haben wir ehrlich gesagt kaum Freizeit. Mit einer Familie fallen auch am Wochenende Aufgaben an, und ich versuche, die Balance zwischen Geschäft, Familie und Privatleben zu halten.

Kommen Sie noch häufig nach München?
Nicht sehr oft, aber etwa einmal im Monat klappt es.

Wie haben Sie sich in Oberösterreich eingelebt?
Sehr gut. Mein Mann hat mich in Linz schnell in seinen Freundes- und Bekanntenkreis integriert, und ich wurde sehr herzlich aufgenommen.

Wenn Sie in die Zukunft blicken: Welche Vision haben Sie für Juwelier Eckstein?
Wir sind gerade dabei, eine Zweitfiliale auf der Spittelwiese in Linz zu eröffnen. Das wird ebenfalls ein sehr schönes Geschäft, in dem wir denselben Service anbieten wie in Urfahr.
Für die Zukunft wünsche ich mir vor allem, dass wir unser Unternehmen erfolgreich weiterführen können und unsere Kinder gut versorgt und glücklich in ihrem Beruf sind.

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