Dein Coworking Space
Die Welserin Sonja Krennmair teilt ihre jahrelangen Erfahrungen und praxisnahen Tipps in einem kompakten Büchlein sowie in unserem Interview.
Sonja Krennmair © Starmayr
Ihr Wissen über Coworking Spaces nicht weiterzugeben, wäre „unterlassene Hilfeleistung“, sagt die Marketingstrategin Sonja Krennmair mit einem Augenzwinkern. Deshalb teilt die Welserin ihre jahrelangen Erfahrungen in der Branche und praxisnahen Tipps in einem kompakten Büchlein sowie in unserem Interview.
Sonja Krennmair im Interview
Sonja Krennmair ist Coworking-Expertin, Autorin und verbindet über 15 Jahre Erfahrung im Marketing mit ihrer Leidenschaft für moderne Arbeitswelten und der Bildung von Communities. Das Thema „Coworking Space“ fasziniert sie von der ersten Stunde an, seit sie 2016 in Wels einen der ersten und gleichzeitig erfolgreichsten Coworking Spaces Oberösterreichs mitaufgebaut und später geleitet hat. Heute gibt es im Bundesland über 40 Coworking Spaces (coworking-netzwerk.at), Tendenz steigend. Sonja Krennmair hat sich von hier bis Wien intensiv mit dieser Form des Arbeitens beschäftigt, stellt sich heute als Beraterin für den Aufbau von Coworking Spaces zur Verfügung und bündelt ihr Wissen in Büchern.
Sonja, du bist Coworkerin der ersten Stunde, engagierst dich ehrenamtlich im Netzwerk Coworking Oberösterreich und hast aktuell ein Buch zu dieser Thematik verfasst. Was hat dich dazu inspiriert, dich so intensiv mit der Coworking-Branche zu beschäftigen?
Die Möglichkeit, Menschen zusammenzubringen und ihnen eine Plattform zu bieten, auf der sie sich entfalten können, ist mein Antrieb. Als ich das Konzept des Coworking erstmals kennengelernt habe, war ich sofort begeistert von der Idee, eine flexible und
kreative Arbeitsumgebung zu schaffen, die nicht nur Infrastruktur bietet, sondern auch echte Synergien und Netzwerke ermöglicht. Zur damaligen Zeit war ich Bezirksvorsitzende der Jungen Wirtschaft Wels, und es war mir ein großes Anliegen, junge Unternehmen und Unternehmerinnen zu unterstützen. Diese Leidenschaft hat sich über die Jahre weiter vertieft.
Für mich sind Coworking Spaces ein Zukunftskonzept mit großem Potenzial.
Sonja Krennmair
Du hebst den großen Wert des Miteinanders in einem Coworking Space hervor. Welche Maßnahmen haben sich deiner Erfahrung nach als besonders effektiv erwiesen, um die Community zu fördern?
Hinhorchen ist das Wichtigste. Besonders effektiv hat sich gezeigt, regelmäßig persönliche Gespräche mit den Coworkern zu führen, um ihre Bedürfnisse, Herausforderungen und Wünsche zu verstehen. Dabei hilft es, gezielt nachzufragen, wie man sie unterstützen kann – sei es bei der Suche nach Partnern, Investoren oder neuen Geschäftsmöglichkeiten. Ein weiterer Schlüssel sind Events, die auf die Interessen der Community abgestimmt sind. Workshops, gemeinsame Frühstücksrunden, Netzwerkabende oder sogar sportliche Aktivitäten fördern den Zusammenhalt und die Interaktion.
Du beschreibst ausführlich die räumliche Planung eines Coworking Spaces. Welche Herausforderungen hast du in der Praxis erlebt?
Die räumliche Planung eines Coworking Spaces bringt einige Herausforderungen mit sich, die man unbedingt berücksichtigen muss. Eine der größten Hürden ist, dass man schon vor dem Bau oder der Einrichtung an viele Details denken muss, die später entscheidend sind. Zum Beispiel gibt es strenge arbeitsrechtliche Vorschriften, sobald Mitarbeiter angestellt sind – von der Mindestdeckenhöhe über ausreichendes Tageslicht bis hin zu barrierefreien Toiletten. Das sind Dinge, die man leicht übersehen kann, die aber später große Probleme verursachen können, wenn etwa der Arbeitsinspektor kommt. Ein weiteres Thema ist die Infrastruktur. Viele unterschätzen den Platzbedarf für IT-Räume, Server, WLAN-Hotspots oder auch Lagerflächen. Auch scheinbar kleine Details wie eine Dusche für Mitarbeitende, die mit dem Rad kommen oder in der Mittagspause joggen, können einen großen Unterschied machen. Und dann gibt es natürlich die Anforderungen an Besprechungsräume – von kleinen, schallisolierten Räumen für Videokonferenzen oder als Rückzugsort bis hin zu großen Seminarbereichen.
Was möchtest du Gründern von Coworking
Spaces betreffend Finanzierung mit auf den Weg geben?
Was einem bewusst sein muss: Ein Coworking Space ist keine Cash-Cow, es steckt viel Arbeit dahinter. Immer mehr Konzerne und Menschen, die finanziell gut aufgestellt sind, kommen auf die Idee, einen Coworking Space zu betreiben, weil leerstehende Immobilien wie zum Beispiel ehemalige Bankfilialen oder Poststellen vorhanden sind. Auch für Investoren können Coworking Spaces als Brutstätte für vielversprechende Start-ups interessant sein. Die Verbindung dieses ressourcenschonenden Modells mit regionaler Wertschöpfung und der Möglichkeit, Fachkräfte flexibel einzubinden, macht Coworking Spaces für mich zu einem Zukunftskonzept mit großem Potenzial – Stichwort New Work.
Was möchtest du mit deinem Buch bewirken?
Ich brenne für das Thema und möchte meine jahrelang gesammelte Expertise weitergeben, sonst wäre das für mich unterlassene Hilfeleistung. Darüber hinaus möchte ich das Thema Coworking bekannter machen, denn viele wissen noch nicht, welche Vorteile und Möglichkeiten dieses Konzept bietet.

Dein Coworking Space:
erfolgreich planen, gründen und betreiben
(Sonja Krennmair).
Im Buchhandel erhältlich, € 18.
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