Bianca Huber, das "Milchmädchen" aus St. Ägidi.

Bianca Huber: Wo “weißes Gold” fließt

Milch ist ein Naturprodukt voller Nährstoffe und zugleich Ergebnis harter Arbeit und Hingabe.

7 Min.

Bianca Huber, das "Milchmädchen" aus St. Ägidi. © Andreas Maringer

Bianca Huber hat 2023 den elterlichen Hof übernommen, die Ärmel hochgekrempelt und direkt in moderne Technik wie den Melkroboter investiert. Damit die Landwirtschaft Zukunft hat und die Freude an der Natur und die Arbeit mit den Tieren erhalten bleibt, wie ein Vor-Ort-Besuch in der Donauregion zeigt.

„Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit!“ – das Sprichwort von Friedrich Schiller steht für den Mut zur Veränderung und ist wegweisend für den Hof von Familie Huber. Denn dass es Veränderungswillen und frischen Wind auch in der Landwirtschaft braucht, haben schon Biancas 
Eltern erkannt und diese Einstellung ihrer Tochter in die Wiege gelegt. Keine zehn Pferde haben die 
Betriebsnachfolgerin und Bezirksbäuerin von Schärding bisher von hier weggebracht und wenn man sich umschaut und ihren Worten lauscht, kann man erahnen, warum.

„Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit!“

Friedrich Schiller
Bianca Huber führt einen Milchviehbetrieb mit 40 Kühen
und 40 Kälbern, ist Bezirksbäuerin von Schärding und hat einige Jahre Milch an Volksschulen ausgeliefert.
Bianca Huber führt einen Milchviehbetrieb mit 40 Kühen und 40 Kälbern, ist Bezirksbäuerin von Schärding und hat einige Jahre Milch an Volksschulen ausgeliefert. © Andreas Maringer

Milchbetrieb zwischen Tradition und Moderne. In idyllischer Hanglage zur Donau, umrahmt von saftigen Wiesen und dem blauen Himmel, liegt der Hof eingebettet. Die Dreiflüssestadt 
Passau sowie die Hügellandschaft des Mühlviertels sind nur einen Steinwurf entfernt. Während unten im Tal der Donaustrom vorbeizieht, fließt am Hof „weißes Gold“, wie Bianca Huber ihre Milch nennt. 40 Milchkühe sind „als Mitarbeiter“ eingestellt, nochmal 40 Kälber kommen aus der Nachzucht dazu. Vor drei Jahren hat Bianca den Betrieb in St. Ägidi von ihren Eltern, die sie nach wie vor tatkräftig unterstützen, übernommen. Während uns die 42-jährige Bäuerin über den Hof führt, wird schnell klar, dass hier nicht nur Kühe und Kälber 365 Tage im Jahr versorgt werden, sondern auch Tradition und Moderne Hand in Hand gehen. Im Gespräch wird deutlich, wie Wetterextreme die Landwirtschaft vor neue Herausforderungen stellen und warum wir das „weiße Gold“ tagtäglich – und nicht nur am Weltmilchtag am 
1. Juni – feiern sollten.

Bäuerin Bianca Huber im Interview

Was bedeutet es für Sie persönlich, Bäuerin zu sein?
Es war schon immer ein Traum von mir. Ich habe bei meinen Eltern gesehen, wie schön es ist, auf einem Hof aufzuwachsen, wo die Familie immer da ist. Man lebt mit der Natur, riecht sie, spürt sie – das ist etwas Besonderes. Natürlich gibt es Herausforderungen, aber die Selbstständigkeit und die Freiheit, die man hat, sind unbezahlbar. Niemand sagt mir, wann ich aufstehen muss oder wie ich meinen Tag gestalten soll. Das ist ein großes Privileg.

Was hat sich am Hof verändert, seit Sie ihn übernommen haben?
Ich habe gleich einen Melkroboter angeschafft, der zwar eine enorme Investition ist, aber die Arbeit sehr erleichtert und mir mehr Spielraum im Tagesablauf verschafft. Früher haben wir Milch an Volksschulen ausgeliefert, da hieß es um vier Uhr morgens aufstehen und los; oft waren wir erst gegen Mittag wieder zurück. Allerdings ist der Bedarf gesunken, und eine Volksschule wurde komplett geschlossen. Jetzt konzentrieren wir uns mehr auf die Lieferung an die Molkerei und Vermarktung ab Hof. Dazu kommt die Herstellung von Topfen für eine Caritas-Küche zweimal in der Woche.

Welchen Stellenwert hat Milch für Sie persönlich?
Milch ist für mich das ‚weiße Gold‘. Ich trinke jeden Morgen pure Milch, sie gibt mir Kraft und eignet sich sowohl für süße als auch saure Gerichte. Milch hat eine unglaubliche Geschmacksvielfalt. Man schmeckt die Unterschiede heraus, je nach Betrieb und Futter ergibt sich ein anderer Geschmack. Wenn ich mal im Urlaub bin und keine frische Milch habe, geht sie mir sofort ab. Milch ist für mich nicht nur ein Lebensmittel, sondern ein Stück Lebensqualität. Immer wieder besuchen uns Schulklassen am Hof, damit sie sehen, wo die Milch herkommt und wieviel Sorgfalt die Herstellung erfordert.

Landwirtschaft wird häufig als klimaschädigend hingestellt, besonders wegen der Methanemissionen der Rinder. Doch tatsächlich ist das ein natürlicher Kreislauf.

Bianca Huber

Klima, Wetterextreme, Bürokratie: Was sind für Sie die größten Herausforderungen in der Landwirtschaft?
Das Klima ist eine große Herausforderung. Da wir auf den Feldern auch unser eigenes Futter anbauen, macht uns die zunehmende Trockenheit zu schaffen, und wir müssen auf trockenresistentere Pflanzen umstellen. Letztes Jahr hatten wir eine Plage mit Engerlingen, die uns Ernteausfälle bescherte. Auch die Bürokratie ist enorm – jede Kleinigkeit muss dokumentiert werden, von Schnittzeitpunkten des Getreides bis hin zur Restmilch für die Katzen. Das kostet Zeit – und Nerven.

Sie sind auch Bezirksbäuerin von Schärding. Wie wichtig ist die Vernetzung untereinander?
Sehr wichtig! Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen hilft, neue Ideen zu entwickeln und sich gegenseitig zu unterstützen. Ich war kürzlich bei einer Veranstaltung in Vorarlberg und habe gesehen, wie dort vermarktet wird. Das inspiriert und motiviert. Milchbetriebe prägen den gesamten Bezirk Schärding. Ob bei der Landesgartenschau in Schärding im Vorjahr oder zum Weltmilchtag am 1. Juni: mit unseren Aktivitäten wollen wir die Konsumenten und besonders auch die Jugend erreichen, um Bewusstsein zu schaffen, denn ohne Landwirte geht es nicht. Teilweise haben die Menschen ein falsches Bild von der Landwirtschaft.

Inwiefern haben die Menschen ein falsches Bild von der Landwirtschaft?
In den Medien wird die Landwirtschaft häufig als klimaschädigend hingestellt, besonders wegen der Methan-
emissionen der Rinder. Aber das ist nicht die ganze Wahrheit. Methan ist Teil eines natürlichen Kreislaufs: Es wird von den Tieren ausgestoßen, gelangt in die Atmosphäre und wird dort abgebaut, bevor es wieder von Pflanzen aufgenommen wird. Diese Pflanzen dienen erneut als Futter. Es ist ein geschlossener Kreislauf, der nicht einfach als schädlich abgestempelt werden sollte.

Wie zeigt sich dieser Kreislauf in der Tierhaltung auf Ihrem Hof?
Artgerechte Tierhaltung und moderne Stallkonzepte, wie sie auf unserem Hof umgesetzt werden, leisten ebenso einen wichtigen Beitrag, um die Umweltbelastung zu minimieren. Unsere Ställe sind lichtdurchflutet, offen und bieten den Tieren viel Platz. Das Wohl der Tiere steht bei uns an erster Stelle – und das spiegelt sich auch in der Qualität der Produkte wider.

„Meine Eltern haben mir die Freiheit gegeben, neue Wege zu gehen.
Das ist nicht selbstverständlich.“

Bianca Huber

Was braucht die Landwirtschaft für eine gute Zukunft?
Weniger Bürokratie und mehr Unterstützung für junge Leute, die Betriebe übernehmen wollen. Es ist wichtig, dass sie die Freiheit haben, neue Wege zu gehen, ohne vergrämt zu werden. Meine Eltern haben mir diese Freiheit gegeben, und das hat mir den Einstieg erleichtert.

Welche Botschaft möchten Sie den Konsumenten mitgeben?
Regional kaufen! Es ist wichtig, die heimischen Landwirte zu unterstützen. Wer österreichische Produkte kauft, stärkt die Betriebe vor Ort und trägt dazu bei, dass die Landwirtschaft bestehen bleibt. Es geht nicht nur um den Preis, sondern auch um Qualität und Nachhaltigkeit.

___________

Das könnte Sie auch interessieren:

Jetzt nominieren: Bäuerin des Jahres als Coverstar

Bäuerin des Jahres 2025

Bäuerin Christine Schausberger: Wie kommt das Gras in den Burger?

Abo

Wählen Sie Ihr persönliches Abo aus

×