15 Jahre Roboterchirurgie am Klinikum Wels-Grieskirchen
Seit 15 Jahren unterstützt das da Vinci-System Operationen am Klinikum Wels-Grieskirchen. Bei einer Pressekonferenz zeigten die Ärzte, wie Patientinnen und Patienten davon profitieren – und welche Ausbildung es braucht, um mit dem Roboter zu operieren.
© Klinikum Wels-Grieskirchen / Nik Fleischmann
2011 hielt der erste da Vinci-Operationsroboter am Klinikum Wels-Grieskirchen Einzug. Heute arbeiten vier Fachbereiche mit dem System: Urologie, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Gynäkologie sowie Thoraxchirurgie. Knapp 5.000 Eingriffe wurden seither roboterassistiert durchgeführt, heuer werden es rund 500 sein.
„Diese Bilanz unterstreicht die hohe medizinische Kompetenz und die erfolgreiche interdisziplinäre Zusammenarbeit unserer Fachbereiche“, sagt Mag. Carmen Katharina Breitwieser, Geschäftsführerin des Klinikums Wels-Grieskirchen. Gebündelt wird dieses Wissen im Zentrum für Robotische Medizin, das unter anderem die Planung komplexer Eingriffe sowie gemeinsame Qualitäts- und Ausbildungsstandards koordiniert.

Der Mensch steuert
Auch bei modernster Technik bleibt die Kontrolle bei der operierenden Ärztin oder dem operierenden Arzt. Das System wird von einer Konsole aus gesteuert. „Jede Bewegung wird vom Roboter absolut zitterfrei auf die Patientin oder den Patienten übertragen“, erklärt Prim. Dr. Clemens G. Wiesinger, MSc, FEBU, Leiter der Urologie und Sprecher des Zentrums für Robotische Medizin. Eine vergrößerte, hochauflösende 3D-Ansicht des Operationsgebiets erleichtert die Orientierung und unterstützt präzises, gewebeschonendes Arbeiten.
Jede Bewegung wird vom Roboter absolut zitterfrei auf die Patientin oder den Patienten übertragen.
Prim. Dr. Clemens G. Wiesinger, MSc
“da Vinci-Führerschein”
Bevor Chirurginnen und Chirurgen mit dem da Vinci-System operieren dürfen, absolvieren sie eine spezielle Ausbildung, die rund sechs Monate dauert. Zunächst üben sie am Simulator, um die Instrumentensteuerung und die nötige Fingerfertigkeit zu trainieren. „Chirurgie ist auch ein Handwerk, je häufiger man es macht, desto besser wird man“, sagt Prim. Priv.-Doz. Dr. Rainer Gattringer, Ärztlicher Leiter des Klinikums Wels-Grieskirchen.
Neben der praktischen Erfahrung spielt die Zusammenarbeit der Fachbereiche eine zentrale Rolle. Das Zentrum für Robotische Medizin schafft dafür den organisatorischen Rahmen: Bei gemeinsamen Eingriffen können die beteiligten Disziplinen ihre Operationsschritte gezielt aufeinander abstimmen und ihr Wissen bündeln.
Feinarbeit auf engstem Raum
Bei komplexen Eingriffen im Bauchraum unterstützt die Technik das gezielte Entfernen von Tumorgewebe. „Gleichzeitig können wichtige umliegende Strukturen bestmöglich geschont werden“, sagt MR Prim. Dr. Walter Schauer, PMPH, Leiter der Allgemein- und Viszeralchirurgie. Das System kommt unter anderem bei Operationen an Dick- und Mastdarm, Magen und Bauchspeicheldrüse zum Einsatz.
In der Frauenheilkunde wird es etwa zur Entfernung von Endometriose-Herden und bei Senkungszuständen von Blase, Gebärmutter und Scheide genutzt. „Die Roboterchirurgie bringt vor allem bei jenen gynäkologischen Operationen Vorteile, wo auf engstem Raum viel zu nähen ist bzw. sehr feine Nähte zu setzen sind“, erklärt Prim. Univ.-Prof. Dr. Klaus Reisenberger, Leiter der Frauenheilkunde und Geburtshilfe.
Die Roboterchirurgie bringt vor allem bei jenen gynäkologischen Operationen Vorteile, wo auf engstem Raum viel zu nähen ist bzw. sehr feine Nähte zu setzen sind.
Prim. Univ.-Prof. Dr. Klaus Reisenberger
Ein Meilenstein für Oberösterreich
Ein besonderer Schritt gelang 2015: Am Klinikum Wels-Grieskirchen wurde erstmals in Oberösterreich eine roboterassistierte Lobektomie durchgeführt – die Entfernung eines Lungenlappens. Heute wird die Robotik in der Thoraxchirurgie vor allem bei Lungenkrebsoperationen eingesetzt.

Nicht jeder Eingriff wird automatisch mit dem Roboter durchgeführt. Im Mittelpunkt steht immer die für den jeweiligen Patienten sicherste und sinnvollste Operationsmethode.
OA Dr. Rudolf Puschmann
Kleinere Zugänge können weniger Schmerzen und eine raschere Erholung ermöglichen. Welche Methode geeignet ist, wird individuell entschieden. „Nicht jeder Eingriff wird automatisch mit dem Roboter durchgeführt“, betont OA Dr. Rudolf Puschmann, Standortleiter des OÖ Referenzzentrums für Herz-, Gefäß- und Thoraxchirurgie am Klinikum. Entscheidend seien unter anderem die Lage und Größe der Erkrankung, Begleiterkrankungen und mögliche Voroperationen. „Im Mittelpunkt steht immer die für den jeweiligen Patienten sicherste und sinnvollste Operationsmethode.“