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Optik Stütz & Kroboth: Europa mitten in Linz
Neueröffnung Optik Stütz & Kroboth in Linz. Firmengründer Manfred Kroboth und sein Sohn Moritz sprechen über mutige Expansion, Familienzusammenhalt und Zukunftspläne.
© Social Agency
Es war ein Auftakt, der sich gewaschen hat: Mehr als 1.000 Menschen besuchten Optik Stütz & Kroboth am Eröffnungstag in Linz, am Abend wurde ausgelassen gefeiert. Die lockere Stimmung passt zu Manfred Kroboth und seinem Sohn Moritz, die heuer gleich zwei neue Standorte eröffneten: Anfang März in Enns und am 4. September gemeinsam mit dem Linzer Traditionsoptiker Karl Stütz den neuen Store auf der Spittelwiese 1 in Linz. Wir haben bei Vater und Sohn nachgefragt, wie die Idee zum “First European Eyewear Store” entstand und was ihre familiäre Doppelspitze so erfolgreich macht.
Moritz, was hat Optik Kroboth dazu bewogen, gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten zu expandieren?
Wir wollten nicht nur auf Veränderungen reagieren, sondern selbst gestalten. Mein Vater hat Optik Kroboth auf starken Werten aufgebaut. Auf diesem Fundament konnte ich ein Wachstumskonzept für unsere Unternehmensgruppe entwickeln und neue Strukturen, Prozesse und Logistik einbringen. Wir glauben fest daran, dass persönliche Beratung und der stationäre Handel Zukunft haben, wenn man bereit ist, sich weiterzuentwickeln. Als kleines Unternehmen müssen wir beweglich bleiben – wie ein Speedboot, das flexibel durch wirtschaftliche Wellen fährt.

Manfred, 1998 haben Sie Optik Kroboth in Perg gegründet. Hätten Sie sich vorstellen können, fast 30 Jahre später, gemeinsam mit Ihrem Sohn zu expandieren?
Nein, ich habe bei null begonnen. Unter der Woche verkaufte ich in meinem kleinen Geschäft Brillen, am Wochenende stand ich in der Werkstatt. Meine Frau arbeitete bei einer Bank und kümmerte sich zusätzlich um Verkauf, Büro und die Reinigung. Wir sind keine Optiker-Dynastie, ich konnte kein Unternehmen übernehmen. Wir haben Optik Kroboth mit viel Herzblut aufgebaut.
Ich habe bei null begonnen. Unter der Woche verkaufte ich in meinem kleinen Geschäft Brillen, am Wochenende stand ich in der Werkstatt.
Manfred Kroboth gründete 1998 Optik Kroboth in Perg
Wie sind Sie mit Karl Stütz zusammengekommen, der mit 64 Jahren in Linz noch einmal voll durchstartet?
Moritz: Über meine Agentur “Social Agency” lernte ich Karl kennen. Die Chemie zwischen uns hat auf Anhieb gepasst. Stütz Optik besteht seit 1963 und Karl ist einer der letzten echten Linzer Optiker. Es wäre schade gewesen, wenn dieses Wissen und die Geschichte des Unternehmens verschwinden würden. Am Ende sagten wir: “Jetzt oder nie – machen wir gemeinsam etwas!” Noch am selben Abend weckte ich meinen Vater und erzählte ihm von dieser Chance. Danach ging alles sehr schnell. Wir setzten die gesamte Logistik in Gang, mobilisierten unser Agenturteam und holten auch unser eingespieltes Handwerkerteam für Linz ins Boot.
Manfred: Den ganzen Sommer über arbeiteten wir praktisch ohne freien Tag. Innerhalb von nur zweieinhalb Monaten stellten wir den neuen Standort in Linz auf die Beine. Das war ein enormer Kraftakt, aber auch ein Herzensprojekt. Mit Karl Stütz verbinden wir nun die Tradition eines Linzer Optikunternehmens mit modernen Strukturen und neuen Ideen.

Jeder Ihrer Standorte hat eine eigene Persönlichkeit und feste Bezugspersonen. Wie wichtig ist Ihnen das?
Manfred: Unsere Geschäfte müssen eine Seele haben. Deshalb setzen wir auf Menschen, die vor Ort verwurzelt sind und dem jeweiligen Standort ein Gesicht geben: in Enns ist das Optikermeister Fabio Brenner, ein gebürtiger Ennser, in Linz der bekannte Fachoptiker Karl Stütz. Gerade in einer Zeit, in der große Ketten den Markt prägen und vieles anonymer wird, wollen wir als Familien- unternehmen bewusst einen anderen Weg gehen. Unser Leitsatz lautet: “Vom Kunden zum Gast und vom Gast zum Freund.” Da kommt wahrscheinlich auch der Wirtssohn in mir durch (lacht).
Was ist das Besondere am neuen Linzer Standort?
Moritz: Im Obergeschoss befindet sich unser “First European Eyewear Store”. An unserer Europa-Wand präsentieren wir ausschließlich Fassungen, die zu 100 Prozent in Europa hergestellt werden – viele davon in Österreich. Dazu zählen Andy Wolf und kleinere Manufakturen aus Deutschland und Frankreich. Ergänzt werden sie durch Gläser von Zeiss, geschliffen werden die Brillen direkt in Linz. So bleibt die Wertschöpfung möglichst regional.
Findet man bei Ihnen vor allem exklusive Marken oder auch preisgünstige Brillen?
Manfred: Bei uns soll jede und jeder die passende Brille finden. Unser Sortiment reicht von preisgünstigen Modellen bis zu exklusiven Designerfassungen. Entscheidend ist, dass die Brille zum Menschen, zu seinen Anforderungen und zu seinem Stil passt.

Das Handwerk spielt eine zentrale Rolle.
Manfred: Absolut. Alle Brillen werden in unseren drei eigenen Werkstätten geschliffen und individuell angepasst. Mit sieben Augenoptikmeisterinnen und Augenoptikmeistern sind wir fachlich bestens aufgestellt und betreuen auch komplexe Sonderfälle. Wir möchten fachlich stark, aber ebenso modisch, modern und nahbar sein.
Bilden Sie auch Lehrlinge aus?
Moritz: Derzeit bilden wir fünf Lehrlinge aus und wir haben auch einen Lehrer an Bord, der uns unterstützt. Im kommenden Jahr wird unsere Werkstatt in Perg deutlich vergrößert und modernisiert. So bewahren wir Know-how, bleiben unabhängig und investieren in die Zukunft unseres Berufes.
Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter begleiten Sie schon seit 15 oder sogar 20 Jahren. Was macht diese starke Bindung aus?
Manfred: Wir haben so gut wie keine Kündigungen. Dadurch ist eine besondere Vertrauensbasis entstanden. Hinter dem Unternehmen stehen vertraute Gesichter und feste Ansprechpersonen. Mittlerweile arbeiten in der Optik und der Agentur insgesamt 42 Menschen. Auf dieses Team sind wir sehr stolz.
Moritz, Ihre Agentur ist ein wichtiger Motor dieser Entwicklung. Was genau machen Sie?
Moritz: Ich habe die Agentur mit 18 Jahren nach der Marketing HAK gegründet. Heute beschäftigen mein Geschäftspartner Stefan Neugschwandtner und ich 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und betreuen rund 200 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Wir verbinden Marketing und Social Media mit digitalen Lösungen und Softwareentwicklung. Für die Augenoptik haben wir “Optik-Marketing” entwickelt: eine eigene App samt Plattform, auf der Betriebe alles finden, was sie für Marketing und Digitalisierung benötigen. Das Angebot wird inzwischen in Österreich, Deutschland und der Schweiz genutzt.
Als kleines Unternehmen müssen wir beweglich bleiben – wie ein Speedboot, das flexibel durch wirtschaftliche Wellen fährt!
Moritz Kroboth, Kfm. Geschäftsführer Optik Kroboth, Inhaber der Social Agency
Welchen Vorteil bringt diese Verbindung aus Agentur und Augenoptik?
Moritz: Wir können sehr schnell handeln und Ideen direkt in die Praxis umsetzen. Lange Abstimmungswege mit externen Dienstleistern fallen weg. Gerade weil sich Märkte und das Verhalten der Kundinnen und Kunden schnell verändern, sind diese Flexibilität und Geschwindigkeit eine große Stärke.
Sie sind erst 22 und bereits kaufmännischer Geschäftsführer von Optik Kroboth. Wie fühlt sich diese Verantwortung an?
Moritz: Für mich ist es eine große Ehre, gemeinsam mit meinem Vater Verantwortung für unsere Unternehmensgruppe und die Menschen dahinter zu übernehmen. Die Verantwortung ist groß, aber sie motiviert mich auch, unsere Betriebe langfristig sicher und zukunftsfähig aufzustellen.
Wie sind die Aufgaben innerhalb der Familie verteilt?
Moritz: Jeder bringt seine Stärken ein. Ich bin vor allem für Logistik, wirtschaftliche Themen, Digitalisierung und Strategie zuständig. Mein Vater hat das besondere Gespür dafür, Menschen zusammenzubringen und eine Atmosphäre zu schaffen, in der sie sich wohlfühlen. Meine Mutter ist unsere modische Expertin und gestaltet gemeinsam mit Fabio Brenner den Standort in Enns. So hat jeder seinen Bereich, aber wir verfolgen dasselbe Ziel. Auch mein 15-jähriger Bruder Leo steht bereits in den Startlöchern und beginnt eine Lehre zum Augenoptiker.
Sie führen die Unternehmensgruppe als Vater-Sohn-Doppelspitze. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?
Moritz: Es gibt durchaus hitzige Diskussionen. Gerade jetzt modernisieren wir sehr viel und stellen bestehende Strukturen auf den Kopf. Da treffen unterschiedliche Erfahrungen und Ideen aufeinander. Was uns verbindet, ist die Leidenschaft für das Unternehmen. Es geht nie darum, wer recht hat, sondern um die beste Lösung für die Firma. Mein Vater ist für mich ein großes Vorbild – als Unternehmer und als Mensch.
Manfred: Moritz bringt ein enormes Tempo mit. Da heißt es manchmal, Schritt zu halten – aber genau dadurch entwickelt sich das Unternehmen weiter. Er weiß, auf welchen Werten Optik Kroboth aufgebaut ist, und verbindet diese mit neuen Ideen. Darin liegt unsere Stärke.


