Dominik Hees: Vom Schicksalsschlag zur Traumrolle
Nach seiner Krebserkrankung wird der deutsche Musical-Star Dominik Hees ab Herbst 2026 die Hauptrolle des „Biests“ in „Die Schöne und das Biest“ im Wiener Raimund Theater spielen. Vorher wird der Sänger am 10. Juli bei „Musical am Dom“ in Linz Station machen.
© Jan Frankl
Mit 37 Jahren kann Dominik Hees bereits auf ein bewegtes Leben zurückblicken: Schon früh eroberte der Wahl-Wiener die Musicalbühnen im Sturm und feierte zahlreiche Erfolge im deutschsprachigen Raum. Gleichzeitig musste er auch gesundheitliche Rückschläge verkraften – 2023 kämpfte er gegen eine schwere Krebserkrankung. Im Gespräch erzählt Dominik Hees vom Spagat zwischen Bühne, Karriere und persönlichen Schicksalsschlägen.
Dominik, bald wirst du als „Biest“ in Wien auf der Bühne stehen. Noch vor wenigen Jahren war aber unklar, ob du überhaupt je wieder auftreten kannst …
Ja, vor gut drei Jahren entdeckte man einen großen Tumor in meiner Brust.
Wie kam es damals zur Diagnose und wie hast du diese Zeit erlebt?
Ich stand damals in Wien auf der Bühne und hatte zunächst das Gefühl, als wäre eine Rippe verrutscht oder etwas eingeklemmt. Obwohl die Physiotherapie kaum geholfen hat, habe ich mir anfangs keine großen Sorgen gemacht. Wenig später wurde ich aber immer wieder krank: Erkältung, Magen-Darm, Fieber.
Wann hast du gemerkt, dass mehr dahintersteckt?
Ein Schlüsselmoment war während einer Show. Wir sollten Fackeln halten – und plötzlich hatte ich das Gefühl, dass ich das nicht mehr schaffe, weil ich so schwach wurde. In der Pause bin ich zum Betriebsarzt gegangen – da hatte ich 40,8 Grad Fieber. Und dieses Fieber bin ich danach nicht mehr wirklich losgeworden.
Wie ging es dann weiter?
Bei einem Lungenröntgen und einer Computertomografie entdeckte man schließlich einen 12,5 Zentimeter großen Tumor in meiner Brust. Er hatte bereits einige Organe verdrängt und drückte an der Wirbelsäule auf die Hauptschlagader und die Hohlvene. Die Situation war lebensbedrohlich – ich musste sofort im Krankenhaus bleiben.
Heute, im dritten Jahr nach der Erkrankung, merke ich: Da ist etwas, das ich nicht mehr bin – aber da ist auch so viel Neues dazu gekommen.
Dominik Hees

Ein Moment, der alles verändert …
Ja, von einem Tag auf den anderen. Bereits eine Woche nach der Diagnose begann die Chemotherapie, die mehrere Monate dauerte. Die Behandlung selbst habe ich gar nicht als so extrem empfunden, weil es mittlerweile wirklich gute Medikamente gegen die Nebenwirkungen gibt. Aufgrund der Größe des Tumors konnte man ihn erst operieren, als er auf etwa Zitronengröße geschrumpft war – und diese Operation war definitiv das Herausforderndste für mich. Dabei wurden verwachsene Venen entfernt sowie ein Stück Lunge und ein Teil des Herzens, die jeweils durch Implantate ersetzt wurden. Das verändert natürlich den gesamten Kreislauf. Ich hatte plötzlich im Ruhepuls rund 40 Schläge mehr – und das hat sich bis heute nicht wieder vollständig normalisiert. Sport ist nach wie vor eine Herausforderung, aber gleichzeitig – neben der Musik – auch das, was mir am meisten Freude macht.
Wie hast du die Zeit der Erkrankung im Hinblick auf dein Umfeld erlebt?
Ich glaube, es war für alle um mich herum viel schlimmer als für mich selbst. Für meine Eltern und meine Frau war es eine extreme Herausforderung, da anfangs nicht klar war, ob ich überleben werde. Ich selbst hatte eher die Einstellung: „Wenn es so sein soll, dass mein Leben hier endet, dann akzeptiere ich das.” In dieser Phase habe ich aber sehr viele echte Gefühle verdrängt und in einer Art Tunnel gelebt. Ich habe einfach alles hingenommen und alles getan, damit möglichst wieder alles so wird wie vorher. Erst später habe ich nach und nach realisiert, was damals überhaupt passiert ist. Besonders viel Kraft hat mir meine damals zweijährige Tochter gegeben. Unsere Beziehung ist in dieser Zeit noch viel enger geworden.
Wie erklärt man das einem zweijährigen Kind?
Obwohl sie noch so klein war, hat sie sehr viel mitbekommen. Damals hat sie auch zum ersten Mal weinend gesagt: „Papa, ich lieb dich!“ Ich konnte sie lange Zeit nicht tragen, weil ich an der Brust operiert war. Später hat sie dann fast täglich freudestrahlend gejubelt: „Papa kann mich wieder tragen!“ Wir haben das Thema auch immer offen mit ihr besprochen und den Tumor den „bösen Ball“ genannt. Und dieser „böse Ball“ ist nach wie vor immer wieder ein Thema. In dieser Zeit haben wir Dankbarkeit für das Leben an sich für uns neu definiert.
Wie war es, als du das erste Mal nach deiner Erkrankung wieder auf der Bühne stehen konntest?
Im Nachhinein gesehen war es viel zu früh, und ich hatte manchmal das Gefühl, ich würde kollabieren. Lange war für mich nicht klar, ob ich überhaupt noch einmal auftreten kann. Die Krankheit hat mir quasi meine „Superkräfte“ genommen, die mich früher angetrieben haben und mir auch im Job eine gewisse Edge gegeben haben. Ich musste auch immer wieder Shows absagen, weil ich morgens gemerkt habe, dass ich es nicht schaffen werde. Heute, im dritten Jahr danach, merke ich: Da ist etwas, das ich nicht mehr bin – aber da ist auch so viel Neues dazugekommen. Ich glaube auch, dass ich die Rolle des „Biests“ erst durch die Erkrankung wirklich greifen kann, weil ich einen anderen Zugang zu Themen wie Einsamkeit oder Entstellung habe.
Apropos „Die Schöne und das Biest“: Freust du dich auf diese neue Herausforderung?
Ja, ich freue mich sehr! Viele aus dem Team hinter der Show, die ab Herbst im Raimundtheater in Wien laufen wird, waren bereits bei der Originalproduktion beteiligt und haben dieses Musical mitentwickelt. Bereits das Vorsingen hat mich total erfüllt, weil ich sofort das Gefühl hatte, dass wir auf einer Wellenlänge sind. Ich glaube, durch alles, was ich erlebt habe, habe ich eine Ruhe in mir gefunden, die mich in dieser Situation sehr getragen hat. Es hat sich einfach richtig angefühlt – und ich freue mich irrsinnig, dass es mit dem Engagement geklappt hat.
Was macht für dich die Rolle des „Biests“ so besonders?
Dass da jemand Strategien entwickelt, mit denen er immer wieder gegen Wände läuft, um aus einer persönlichen Verletzung herauszukommen. In dieser Figur stecken so viele Masken, die man als Schauspieler nutzen kann.
Vorher kommst du am 10. Juli zu „Musical am Dom“ – ist es dein erstes Mal in Linz?
Ich war zwar schon in Linz, klar, aber ich bin tatsächlich noch nie in Oberösterreich aufgetreten. Es wird meine OÖ-Premiere!
Am Linzer Domplatz werde ich auch mit meiner Frau Mili ein Duett singen, worauf wir uns sehr freuen.
Dominik Hees
Neben Musical-Größen wie Drew Sarich, Nienke Latten oder Mark Seibert wird an diesem Abend auch deine Frau Milica Jovanovic auftreten. Wird es vielleicht sogar ein Duett geben?
Ja, mit Mili werde ich auf jeden Fall auch ein Duett singen, worauf wir uns beide sehr freuen. Gemeinsam mit meinen Kollegen werden wir ein tolles Programm auf die Beine stellen. Die Konzertbesucher können sich auf jeden Fall auf einen wunderschönen Musicalabend beim Linzer Dom freuen!
Dominik Hees bei „Musical am Dom“
Am 10. Juli kann man Dominik Hees um 20 Uhr bei MUSICAL AM DOM erleben. Weitere Musicalstars wie Ana Milva Gomes, Nienke Latten, Drew Sarich, Mark Seibert, Lisanne Clémence Veeneman, Milica Jovanovic und Roy Goldman präsentieren Highlights aus den beliebtesten Musicals der Welt – von bewegenden Balladen bis zu mitreißenden Shownummern.
Tickets: www.klassikamdom.at
DIE OBERÖSTERREICHERIN verlost jeweils 2 x 2 Karten für Musical am Dom am 10. Juli 2026 am Linzer Domplatz. Das Gewinnspiel finden Sie hier
Am 25. September feiert Dominik Hees seine Premiere als Biest in „Die Schöne und das Biest” im Wiener Raimund Theater.
www.musicalvienna.at
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