Redakteurin Nicole Madlmayr und ihre Tochter Emma beim Hyrox-Training.

Hyrox: Gemeinsam ans Limit

Zwischen Grenzerfahrung und Glücksgefühl: Redakteurin Nicole Madlmayr absolvierte mit ihrer Tochter Emma ein Hyrox-Training. Ein Mutter-Tochter-Erlebnis auf die harte Tour!

6 Min.

© Ana Mrvelj

Manchmal reicht ein einziger Satz, um sich freiwillig in eine mittelschwere körperliche Krise zu manövrieren. In meinem Fall war es die Frage meiner 19-jährigen Tochter Emma: „Mama, machen wir mal gemeinsam ein Hyrox-Training?“
Ich hätte nachdenken oder wenigstens kurz recherchieren können, was Hyrox ist. Stattdessen hörte ich mich sagen: „Sicher, warum nicht?“ Schließlich trainiere ich seit drei Jahren regelmäßig im Fitnessstudio. Diszipliniert. Mit Plan. Was soll da schon schiefgehen? Die Antwort: alles.

Ich hatte keine genaue Vorstellung davon, was mich erwartet. Und im Nachhinein war genau das mein Glück. Hätte ich gewusst, dass ich nach den ersten Metern Burpees ernsthaft darüber nachdenken würde, einfach am Boden liegen zu bleiben, hätte ich vermutlich abgesagt.

Redakteurin Nicole Madlmayr mit Tochter Emma beim Hyrox-Training.
Lunges mit 10 Kilo auf den Schultern: Gelächelt wurde nur fürs Foto. © Ana Mrvelj

Disco-Feeling trifft auf Muskelzittern

Emma und ich sind im H-Club im F10 in Linz angemeldet. Das Hyrox-Training findet dort in einer eigenen Halle statt – mit Lichtshow, Musik und ordentlich Energie. „Diese Atmosphäre ist einzigartig und motiviert enorm“, sagt Birgit Gratsch, Centerleiterin und selbst begeisterte Hyrox-Athletin. „Bei den Events legen oft sogar DJs auf. Das hat fast schon Festival-Charakter.“

Wir freuen uns – bis es losgeht. Schon nach wenigen Minuten wird klar: Das hier ist kein normales Training. Während meine Tochter scheinbar mühelos durchstartet, kämpfe ich bereits an der ersten Station: 1000 Meter am Ski-Erg. Ich versuche, zu atmen, mich auf den Bewegungsablauf zu konzentrieren und gleichzeitig meinen Puls davon zu überzeugen, unter 180 zu bleiben. Trainer Oliver erklärt Technik, Krafteinteilung, Effizienz. Vor allem: nicht aus den Beinen arbeiten. Die braucht man noch. Für fast alles, was kommt. Wie recht er hat, merke ich schneller, als mir lieb ist.

Birgit Gratsch, Centerleiterin im F10
Birgit Gratsch, Centerleiterin im F10. © Ana Mrvelj

Machbar – bis man davorsteht

„Das Besondere am Hyrox ist die Kombination aus Kraft und Ausdauer“, erklärt Birgit Gratsch. „Allerdings unterschätzen die meisten genau das.“ Ich nicht mehr. Denn nach der ersten Übung geht es direkt weiter: einen Kilometer laufen. Dann „Sled Push“. Ein 102 Kilo schwerer Schlitten, 50 Meter. Klingt machbar – bis man davorsteht. Der erste Versuch scheitert kläglich, weil ich den Schlitten mehr in den Boden als nach vorne schiebe. Nebenbei stelle ich fest: 50 Meter können sehr lang sein. Dann wieder laufen. Nächste Übung. Wieder laufen. Achtmal insgesamt.

Ein großer Vorteil: Alle Hyrox-Übungen sind klar strukturiert. Und sie sind – im Gegensatz zu Crossfit – relativ einfach aufgebaut, sodass sie grundsätzlich jeder machen kann, wie Birgit Gratsch erklärt. Das stimmt. Grundsätzlich kann ich Burpees. Und Lunges. Und ich kann auch einen Ball werfen. Die Frage ist nur: wie oft hintereinander?
Allerdings macht genau das den Reiz aus. Hyrox liegt voll im Trend. „Die Community wächst ständig, weil die meisten, die es einmal ausprobieren, immer wieder kommen“, so Gratsch. „Viele vergleichen ihre Zeiten, aber es geht vor allem darum, gegen sich selbst anzutreten.“

Burpees, Lunges und andere Katastrophen

Und welche Übung wird am meisten unterschätzt? „Ganz klar die Burpee Broad Jumps“, ist die Centerleiterin überzeugt. „Das kann richtig brutal werden!“ Eine Mischung aus Liegestütz, Sprung und purem Willen – über 80 Meter. Dicht gefolgt von den berüchtigten Wall Balls: einen vier Kilo schweren Ball aus der Hocke nach oben werfen, Ziel treffen, fangen, wieder runter. 100 Mal. „Man braucht Kraft, Präzision und vor allem Konzentration – und das alles am Ende, wenn der Körper eigentlich schon aufgeben will“, sagt Gratsch.
Nicht nur ich kämpfe. Auch meine Tochter – sonst die Definition von sportlicher Souveränität – kommt hier an ihre Grenzen. Zumindest bei einer Übung sind wir uns vollkommen einig.

Wo ist das Sauerstoffzelt?

Was beim Hyrox schnell klar wird: Es ist nicht nur der Körper, auch die mentale Stärke ist entscheidend. „Man muss sich immer wieder selbst motivieren – besonders in den Momenten, in denen man am liebsten aufgeben würde“, betont Gratsch. Sie weiß, wovon sie spricht. Den Vienna Hyrox hat sie selbst im Double mit ihrem Mann absolviert: „Man schwankt dabei ständig zwischen ‚Wo ist das Sauerstoffzelt?‘ und ‚Wann ist der nächste Wettkampf?‘“

Und doch gibt es zwischen all dem Schwitzen und innerlichen Fluchen diese Momente, in denen Emma und ich uns anschauen und lachen. Weil es so anstrengend ist. Weil wir es trotzdem versuchen. Und weil wir es gemeinsam machen. Auch wenn meine Tochter deutlich weniger leidet als ich. Am Laufband gehe ich zwischendurch. Sofort dieser fragende Blick meiner Tochter. Und dann: „Laufen, Mama! Das schaffst du!“ Ich liebe ihren Glauben an mich.

Redakteurin Nicole Madlmayr und Tochter Emma haben das Hyrox-Training geschafft.
Geschafft! Mutter und Tochter sind nach dem Training erschöpft, aber happy. © Ana Mrvelj

Erschöpft, aber happy

Am Ende des Trainings brennen meine Muskeln, ich bin erschöpft und gleichzeitig euphorisch. War es anstrengend? Absolut. Habe ich alles geschafft? Noch nicht. War es ein großartiges Erlebnis? Definitiv. Werde ich es wieder tun? Während der Burpees: nein. Während der Wall Balls: auf gar keinen Fall. Aber jetzt, mit etwas Abstand und wieder funktionierenden Oberschenkeln? Ja.
Vielleicht war es Selbstüberschätzung. Vielleicht ein bisschen Größenwahn. Aber vor allem war es eines: ein unvergessliches Mutter-Tochter-Erlebnis.

Was ist Hyrox?

Hyrox ist ein internationaler Fitness-Trend, der Kraft und Ausdauer in einem klar strukturierten Wettkampfformat verbindet. Acht verschiedene Stationen – von Schlitten schieben über Rudern bis hin zu Wall Balls – werden jeweils durch einen Kilometer Laufen getrennt. Das Tempo bestimmt man selbst. Somit ist Hyrox für Hobbysportler genauso geeignet wie für ambitionierte Athleten. Weltweit treten mittlerweile übrigens mehr als eine Million Menschen bei Hyrox-Events an. Tendenz steigend.

Mitspelen & gewinnen:

Lust bekommen, auch einmal Hyrox-Luft zu schnuppern? Gemeinsam mit dem H-Club verlosen wir zwei mal zwei Teilnahmen an einer Hyrox-Class im F10 in Linz. Hier geht’s zum Gewinnspiel!

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